Buchkritik „Klare Worte“: „Vorher Herr Bundeskanzler, nachher Herr Schröder“

Buchkritik „Klare Worte“
„Vorher Herr Bundeskanzler, nachher Herr Schröder“

Altkanzler Gerhard Schröders Buch liest sich wie Butter. Das liegt daran, dass er über Staatsmännisches und Privates schreibt: Bill Clinton kommt immer zu spät. Und Banker dürfen ruhig „mal aufjaulen“.
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„Bitter“, sagt Gerhard Schröder, „bitter war der Abschied aus dem Kanzleramt. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass man da nicht eine harte Bremsung machen muss. Vorher Herr Bundeskanzler, nachher Herr Schröder.“ Die Sätze sagt Schröder im Gespräch mit dem Journalisten Georg Meck. Es ist ein langes Gespräch, das die beiden geführt haben. Eines, das sich in zwölf Kapitel einteilen lässt und mit einer Überschrift versehen jetzt als Buch herausgegeben wird. Jetzt, zu Schröders 70. Geburtstag. Jetzt in einer Zeit, in der der Kanzler a. D. wie ein edler Rotwein heranreift zu etwas Besonderem, einem Elder Statesman zum Beispiel, weniger ein Wahlkämpfer, mehr ein Welterklärer.

„Klare Worte“ nennt sich das 238-Seiten-Interview und spielt mit dem Titel darauf an, wofür Schröder in den Augen seiner Anhänger heute steht: Für einen, der kein Blatt vor den Mund nimmt, der seinem Land und seiner Partei mit der Agenda 2010 einen schmerzlichen, aber im Rückblick zumindest für das Land außerordentlich erfolgreichen Kurs verordnet hat. Schröder selbst und die, die an seinem Denkmal meißeln, haben ihn zur Figur gemacht, die eigene Überzeugungen vertritt – auch zu Lasten der eigenen Karriere. Den Zweifler Schröder oder gar der Opportunist Schröder, den hat es in der Rückschau nie gegeben. Das Interview-Buch ist darauf angelegt, diese Sicht der Dinge zu festigen.

Aber das macht nichts. Es liest sich dennoch wie Butter, was daran liegt, dass es eine geschmackvolle Mischung aus Küchenlatein und Diplomatendeutsch ist, aus staatsmännischer Kunst und äußerst praktischer Lebenserfahrung. Zur staatsmännischen Kunst gehört zum Beispiel all das, was Schröder über den Euro sagt: „Ohne gemeinsame Währung bleibt Europa kein starker Wirtschaftsraum.“ Oder zur Bundesbank: „Ich glaube, der Deutsche glaubt doch eher an Gott als an die Bundesbank“, zur Finanzindustrie: „Auch in der Finanzindustrie wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Da dürfen die Banker ruhig mal aufjaulen“.

Weniger staatsmännisch, dafür manchmal komisch mitunter sogar verletzend sind seine Kommentare über Kollegen. Etwa über seinen Widersacher Oskar Lafontaine. „Im Grunde eine tragische Figur“, oder über Bill Clinton: „Er kam immer zu spät“, oder zu Volkswagen-Chef Ferdinand Piech: „Ich bin heute noch stolz darauf, dass ich ihn geholt habe.“ Schon gerade zu abstrakt staatsmännisch ist, wenn er erklärt, dass die EU und Europa nur mit Russland ein Gegengewicht zu den USA oder China bilden kann, das nicht gleich als Federgewicht von der Waage fliegt.

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Hat er für alles eine Erklärung?

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  • Schröder hat Instinkt, enorme Wirtschaftskenntnis, Charme und alles, was der Loser Helmutchen Schmidt nicht annähernd aufzuweisen hatte.
    Warum er verprügelt wird? Fragen Sie mal die dumme Quoten-Nahles. Die ist das Gegenteil von Schröder, in allen Facetten.

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