Buchkritik
Politik, ganz leicht gemacht

Marietta Slomka will in ihrem neuen Buch Zusammenhänge und Hintergründe im politischen Alltag für jedermann verständlich erklären. Das gelingt ihr gut. Doch leider nervt es auch an einigen Stellen.
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Was hat uns der Euro bisher gebracht? Warum gründen sich neue Parteien? Und was macht eigentlich Frau Merkel den ganzen Tag? Politische Vorgänge sind manchmal so komplex, dass es schwer ist, den Durchblick zu behalten. Erst Recht, wenn dann noch Politiker-Sprech hinzukommt. Damit will die Journalistin und ZDF-Heute Journal-Moderatorin Marietta Slomka in ihrem neuen Buch „Kanzler, Krise, Kapital“, das an diesem Montag erscheint, aufräumen und für jeden verständlich erklären, was hinter dem großen Ganzen steckt.

In den vier großen Kapiteln des Buches – zur Demokratie, zur Politik in Deutschland, in Europa und zur Weltpolitik – gibt es Abschnitte, die sich mit Philosophie und Geschichte befassen. Doch in der Regel geben sie nur einen kurzen Überblick und gehen nicht in die Tiefe. Andere Passagen beschreiben beispielsweise, wie das politische System in Deutschland aufgebaut ist. Und es gibt einen Teil, in dem Slomka aktuelle und hintergründige Fragen diskutiert: Was ist arm, was reich? Wie kam es zur Eurokrise? Warum brauchen wir einen Mindestlohn? Und ist der Euro ein Teuro?

Das Buch ist leicht zu lesen – und das ist vermutlich auch gewollt. Jedenfalls verweist Slomka in ihrer Einleitung darauf hin, dass es offensichtlich den Bedarf nach einem Buch gibt, das die politischen Zusammenhänge erklärt, Begriffe, die von den Medien selbstverständlich verwendet werden, deutlich macht und Themen einordnet. Das gelingt Slomka gut, selbst bei komplexen Themen wie der Euro-Krise. Ihr Mittel ist leicht: Sie reduziert die Sprache. Slomka streut häufig Umgangssprache ein, verzichtet auf Fremdwörter, hält die Kapitel kurz und erzählt immer wieder Anekdoten. Doch was in Maßen das Lesen erleichtert, hat sie an einigen Stellen übertrieben. Dann ist man beim Lesen schon mal genervt.

Die kurzen Kapitel und knackige Überschriften geben insgesamt einen guten Überblick, auch für „Querleser“, für die Slomka das Buch ebenfalls geschrieben hat. Wer allerdings das Buch durchblättert, statt im Inhaltsverzeichnis einen interessanten Abschnitt herauszusuchen, ist schon mal verwirrt. Denn was sich hinter den Überschriften „Gutgemeintes mit Nebenwirkung“ oder „Manche können zwar, wollen aber nicht“ verbirgt, wird nur dem klar, der im Inhaltsverzeichnis nachschaut, in welchem Teil des Buches er sich gerade befindet.

Was nett ist: Am Ende der drei großen Kapitel gibt es jeweils ein kleines Lexikon. In einfachen Worten werden Insider-Begriffe aus der Politikwelt erklärt, manchmal auch aus der des Journalismus und der Ökonomie. Wer also nachlesen will, was noch mal Eurobonds sind, wer und was ein Salon-Sozi ist und was der Begriff Girls Camp mit Politik zu tun hat, kann hier nachschlagen und ist nach der Lektüre der kurzen, locker geschriebenen Erklärungen gut im Bilde.

Marietta Slomka will mit ihrem Buch politische Grundlagen und Zusammenhänge so erklären, dass sie jedermann versteht. Das gelingt ihr – und das auch noch auf eine kurzweilige Weise. Nur an manchen Stellen ist es zu viel des Guten. Dann wirkt die Lockerheit übertrieben. Dann beginnt sie zu nerven, so dass man schon mal weiterblättert. Trotzdem: „Kanzler, Krise Kapital“ ist ein Buch, das sich lohnt, für diejenigen, die einen Überblick bekommen wollen. Wer es etwas genauer wissen will, dem bietet dieses Buch allerdings zu wenig. 

Marietta Slomka: Kanzler, Krise, Kapital. Wie Politik funktioniert. C Bertelsmann Verlag. 544 Seiten, 19,95 Euro. 

Kommentare zu " Buchkritik: Politik, ganz leicht gemacht"

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  • Sehr interessant auch dieser link:

    http://www.welt.de/fernsehen/article1479878/Die-oeffentliche-Hinrichtung-der-Eva-Herman.html

    (danke Willi)

    ... und dieser link:

    http://www.youtube.com/watch?v=43NRPdov91I

    (danke Sportler)

  • @ Jamshed

    Was hat Ihr Beitrag denn jetzt mit Frau Slomka zu tun ? NICHTS !

    Daher nochmal zum Thema:

    Wenn eine Fernsehmoderatorin wirklich mal den Mut hat, in einem Buch eine eigene Meinung zu vertreten und diese Meinung dann dem öffentlich-rechtlosen Rundfunk nicht passt, dann passiert folgendes:

    http://www.bild.de/unterhaltung/kultur/wahrheit/nach-dem-rauswurf-beim-ndr-sperrte-die-bank-mein-konto-12606524.bild.html

    Für weitere Infos einfach mal "Eva Herman" googeln ...

  • Ich komme da nur mal drauf zurück, weil ja hier

    http://tablet.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/dateien/Pressemitteilungen/2013/2013_03/130726_PM_58_Vertrag_fuer_Reformen_im_griechischen_Gesundheitswesen_unterzeichnet.pdf

    unter vielen anderen, in Deutschland hervorragend funktionierenden Projektpunkten,

    *GRÖHL*

    *SCHENKELKLOPFER*

    auch die „Beratung bei der Preisgestaltung und Kostenerstattung von Arzneimitteln“ ein kleiner, eventuell nicht unerheblicher Kostenfaktor werden könnte^^

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