Buchkritik
Wenn Wachstum zum Mantra wird

Gerhard Schicks „Machtwirtschaft – nein danke“ ist ein moralisches Buch eines moralischen Politikers. Auch wenn die Themen – Wachstum, Finanzkrise, Steuerpolitik nicht ganz neu sind: Es lohnt sich zu lesen.
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DüsseldorfMehr, mehr, mehr: Mehr Rendite, mehr Wachstum, mehr Konsum. Es ist dieses ewige Wachstumsdogma, nach dem unsere Gesellschaft ausgerichtet ist, findet Gerhard Schick. Wachsen gleich Wohlstand, das ist das Mantra, nach dem die Regierung handele – ohne zu fragen, wohin das führen wird und zu welchem Preis. Und das auf Kosten der Steuerzahler. Damit will sich der grüne Finanzpolitiker, der seit 2005 im Bundestag sitzt, nicht abfinden. Sein Grund ist einfach: Weil es uns nicht gut tut.

Sein Buch „Machtwirtschaft – nein danke!“, das diese Woche erschienen ist, beschäftigt sich mit der Frage, wie eine zukünftige, gute Wirtschaftspolitik aussehen muss, wenn die Wachstumsraten – den Prognosen entsprechend – in Deutschland in den kommenden Jahren bei einem halben oder einem Prozent liegen werden. Und was es eigentlich für Deutschland bedeutet, wenn das Wachstum fast gleich Null ist.

„Wie wollen wir die CO2-Reduktion hinkriegen, wenn gleichzeitig die Wirtschaft wächst?“, fragt Schick im Interview mit Handelsblatt Online. Er will einen wirtschaftlichen Entwicklungspfad einschlagen, der nicht Wachstumszahlen aus der Vergangenheit hinterherrennt, „sondern realistisch schaut, was uns für die nächsten Jahre gut tut.“

Was Schick meint: Eine Gesellschaft sollte nicht nur nach rein monetären Einkommensgrößen wie dem Bruttoinlandsprodukt bewertet werden. Dass auch Faktoren wie Zufriedenheit, Gesundheit und Umwelt eine Rolle in der Wirtschaftspolitik spielen sollten. Und dass das eben nicht immer mit Wachstum vereinbar ist.

Und dann kommt es wieder – dieses: Wachstum allein tut uns nicht gut. Auch wenn der erhobene Zeigefinger manchmal zu sehr zwischen den Zeilen hervorsticht: Es ist Schicks Anliegen.

Aber das ist nur ein Teil des Buches. Es handelt auch von der Macht der Konzerne und wie die Regierung diese Macht schürt – auf Kosten der Bürger. Sein Paradebeispiel: die Bankenrettung. Er glaubt, mit einer Gläubigerquote von zehn oder zwanzig Prozent wäre die Rettung gerechter abgelaufen. Nun nennt er sie „eine der größten Umverteilungen der jüngeren Geschichte – von unten nach oben.“
„Der Staat subventioniert Großbanken, zahlt Agrarsubventionen an Unternehmen aus oder wird zum Helfer der Gentechnikstrategie von Monsanto – auf Kosten der Steuerzahler“, sagt Schick. Für ihn ist das ein Beweis, dass der Staat Machtkonzentrationen auch noch fördert und nicht im Interesse vieler Bürger handelt, sondern für die Interessen einiger weniger eingespannt ist.

Seite 1:

Wenn Wachstum zum Mantra wird

Seite 2:

„Politik kann man nicht alleine machen“

Kommentare zu " Buchkritik: Wenn Wachstum zum Mantra wird"

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  • Haben Sie eigentlich auch besseres zu tun als unter JEDEN HANDELSBLATT-ARTIKEL diesen verschwörungstheoretischen Abfall zu kommentieren?

  • "Wenn Wachstum zum Mantra wird"

    Kann eine Gesellschaft ewig wachsen?

    Es ist schlicht falsch, davon auszugehen, unbegrenztes Wachstum wäre auf einem begrenzten Planeten möglich!

    Warum stehen alle Nationen unter wirtschaftlichem Wachstumszwang?

    Der Grund liegt im Geldmonopol bzw. verzinsten Kreditgeldsystem der int. Bankster!

    Das 1x1 des Kreditgeldsystem:

    Geld entsteht nur über Kredit!

    Geld=Schuld

    Bsp. Sie gehen zu einem Bankster und bekommen einen Kredit über 1000 Euro/Dollar.
    Somit wurden eben 1000 Euro/Dollar aus dem NICHTS geschaffen.

    Jeder Euro/Dollar der im Umlauf ist, wurde den Staaten, Unternehmen und Menschen nur geliehen, und muss +Zinsen an die Bankster zurückgezahlt werden!

    Problem Zins/Zinseszins:

    Die Gesamtgeldmenge X wird im Durchschnitt im Jahr mit 5% verzinst.
    Am Ende des Jahres ist die Geldmenge X um +5% gewachsen.
    Wie Sie oben erfahren haben entsteht Geld aber nur über Kredit, was bedeutet das für die jährlich anfallenden Zinsen?

    Das die Bankster jedes Jahr neue Schuldner finden müssen, die sich verschulden um die Zinsen (Neues Geld) zu schaffen!

    Bankster verleien ihr aus der Luft geschaffenes Kreditgeld nur gegen "Sicherheiten"!
    Wenn wir nicht mehr produzieren, gibt es für die Bankster keine neuen Pfandobjekte und damit kein neues Geld!

    Verstehen Sie jetzt warum alle Nationen unter wirtschaftlichem Wachstumszwang stehen?

    Achtung: Kriege schaffen Wachstum! (Absatz von Rüstungsgütern)
    Das wissen auch die int. Bankster und ihre Marionettenregierungen weltweit!

    Sollten wir uns nicht lieber fragen, ob es nicht an der Zeit ist, ein neues Geldsystem einzuführen?

    Geldreform?

    Ein Geldsystem ohne Zwang zu immer mehr Wachstum?

    Oder die Erdlinge können sich bald ein neues Zuhause suchen, nachdem sie ihren eigenen Planeten zerstört haben!

    Jeder der das nicht versteht, sollte im Netz nach "Schuldgeldsystem" bzw. "Das Zwangsgeldsystem Mario Fleischmann" oder "Prof. Bernd Senf - Tiefere Ursachen der Krise" suchen.

  • Ich finde dieses Wachstumsdogma auch falsch. Es gibt ja nun Firmen die wollen Wachstum und Ressourcenverbrauch entkoppeln. Das könnte ein erster Ansatz sein. Ich glaube aber auch das Zufriedenheit kein unendliches Wachstum braucht. Wir sollten als Gesellschaft dann lieber auf qualitatives Wachstum setzten. Beispiel: Wie können Dinge möglichst lange genutzt werden? Wie sind Dinge einfach und ressourcenschonend wieder zu verwenden? Wie macht man aus einem alten Auto ein neues Auto? Müssen es so viele unterschiedliche (Kunst-)stoffe sein? Hier ist noch viel zu tun.
    Wie können wir das Leben von möglichst vielen Menschen verbessern? Muß ein T-Shirt nur wenige EURO kosten? Warum kann der der das T-Shirt herstellen muss nicht auch vernünftig leben? Wie viele T-Shirts braucht man überhaupt?

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