Buchpräsentation
Sarrazins Euro-Lehrstunde

Thilo Sarrazin ist wieder in aller Munde. Bei der Vorstellung seines Anti-Euro-Buchs Buchs nimmt er die aktuelle Krisen-Politik auseinander – mit einer schonungslosen Analyse. Und er wagt einen Blick in die Glaskugel.
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BerlinDen Ort für seine Buchvorstellung hätte Thilo Sarrazin nicht besser wählen können. Ein so wichtiges Thema wie die Zukunft des Euro bespricht man am besten an einem ebenso wichtigen und zentralen Ort. Da liegt es nahe, das sich der 67-jährige Ex-Spitzenbeamte, Ex-Finanzsenator und Ex-Bundesbanker das Berliner Hotel Adlon unweit des Brandenburger Tores für seine Abrechnung mit der Währungsunion ausgesucht hat.  Um von der S-Bahn dorthin zu gelangen, nimmt man die Treppe. Deren Stufen sind verziert mit Hinweisen auf ein Informationszentrum der Europäischen Kommission. Auf einem Treppenabsatz steht „Willkommen im europäischen Haus“ geschrieben. Wie passend an einem Tag wie heute, an dem sich einer wie Sarrazin anschickt, eben dieses Haus einzureißen.

Dazu passt, dass Sarrazin einen ausgemachten Euro-Skeptiker sein Buch „Europa braucht den Euro nicht“ vorstellen lässt. Stefan Homburg forscht und lehrt zu öffentlichen Finanzen an der Uni Hannover. Von ihm sind Sätze überliefert wie „Der Euro wird scheitern“,  „Schuldenländer wie Griechenland oder Italien wollen sich auf Kosten der reichen Länder sanieren“ oder  „‘Scheitert der Euro, scheitert Europa‘, dieser Satz Angela Merkels ist nicht nur falsch. Sondern umgekehrt wird ein Schuh daraus.“ Sarrazin hätte es nicht besser formulieren können.

Homburg braucht denn auch nur 15 Minuten, um den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, die das Buch schon im Vorfeld als skandalös zerrissen haben. Er attestierte Sarrazins Werk im besten Sinne „aufklärerisch“ zu sein. Es sei gespickt mit informativen Fakten zum Euro, und – ganz wichtig und wohl auch nicht im Sinne der Sarrazin-Kritiker - es beinhalte „keine steilen Thesen“. Sarrazin argumentiere vielmehr „detailreich und gründlich“. Das Buch taugt damit nicht wirklich zum Aufreger. Oder doch?

Für Medienvertreter  strahlt Sarrazin immer noch eine gewisse Faszination aus. Rund 200 Journalisten lauschen den Ausführungen des streitbaren Autors.  Und das, obwohl Homburgs Analyse wenig überraschend daherkommt. Möglicherweise haben viele der Anwesenden Sarrazins Buch gar nicht gelesen.

Kommentare zu " Buchpräsentation: Sarrazins Euro-Lehrstunde"

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  • Ich konnte Herrn Sarazzin in seiner Politikerzeit nicht besonders leiden, weil er früher wie auch heute sehr stark polarisiert - mittlerweile schätze ich seine fundierten Analysen und politisch unkorrekten Aussagen. Endlich mal wieder einer der sagt was er denkt und uns den Spiegel vorhält. Verwunderlich finde ich die schnelle Reaktion der Politik und die negative Kommentierung auf sein Buch - wie bei "Deutschland schafft sich ab".

    Verwunderlich wie schnell manche stark beschäftigten Personen lesen und sich eine Meinung bilden können.

    Traurig wie schnell demokratische Prinzipien wie die Äußerung der freien Meinung von Politikern durch Schmähungen und Verunglimpfungen mit Füßen getreten werden.

    Die nächste Wahl kommt und hoffentlich kommt auch die Quittung. Da kann man fast zum Seeräuber werden. :-)

  • Sehr nett und vor Allem informativ, sehr zu empfehlen, danke!

  • "anstrengungen beim folgen der ausführungen2

    Ich hatte bei der Sendung von Jauch (Steinbrück und Sarrazin) eh ständig das Gefühl, dass für den am Bildschirm sitzenden Zuschauer unsichtbar oberhalb der Kameras eine Leuchttafel angebracht war, die den unwissenden Zuschauern im Studio ständig zeigte, wann sie zu klatschen hatten und wann auf keinen Fall.

    So wurde beim allgemeinen Gefasele von Steinbrück bei den erstaunlichsten Momenten der Inhaltlosigkeit seiner Ausführungen geklatscht, aber bei Sarrazin, der prägnante, klare und treffsichere Aussagen machte, nicht ein einziges Mal!

    Lag es nun daran, dass die Zuschauer in der Runde allenfalls noch den inhaltslosen Ausführungen Steinbrücks einigermaßen folgen konnten oder hatten die möglicherweise gezielt ausgesuchten Zuschauer/Hörer einer Infotafel Folge zu leisten, die ihnen zeigte, wann ihr Einsatz zu erfolgen hatte?
    Demokratie, wie sie die Einheitsmedien forcieren und das verdummte Puplikum macht das wortlos mit!- Peinlich!

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