Buchvorstellung des Ex-Bundespräsidenten
Wulffs Abrechnung

Ex-Bundespräsident Christian Wulff teilt aus. Gegen Justiz und Medien. In seinem Buch „Ganz oben – Ganz unten“ schildert er die Umstände seines Rücktritts und sagt, er wäre auch heute noch der richtige Präsident.
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BerlinEs ist kurz vor 16 Uhr als Christian Wulff den Raum der Bundespresskonferenz betritt. Für den ehemaligen Bundespräsidenten ist es ein besonderer Tag. Monatelang hat er sich mit öffentlichen Äußerungen außerhalb des Gerichtssaals zurückgehalten, nun ist die Zeit des Schweigens vorbei. Wulff meldet sich mit seinem neuen Buch „Ganz oben – Ganz unten“ zurück auf die öffentliche Bühne.

Der Raum ist brechend voll. Gut 160 Journalisten sind gekommen, unzählige Foto-Reporter, zahlreiche Fernsehteams. 16 TV-Kameras richten ihren Fokus auf den CDU-Politiker, der am 17. Februar 2012 nach 598 Tagen im Amt als Staatsoberhaupt zurücktrat. Nun wollen sie hören wie Wulffs Bilanz ausfällt über die Zeit zwischen seinem Rücktritt und seinem Freispruch vor dem Landgericht Hannover sowie die von ihm empfundenen Demütigungen.

Wulff nimmt sich etwa eine halbe Stunde Zeit, um seine Sicht auf die Affäre um seine Person um die angebliche Annahme von Vorteilen darzulegen. Am Ende ist es eine Generalabrechnung mit all denjenigen, die dabei mitgewirkt haben, dass, wie er es ausdrückt, „jeder Stein in meinem Leben umgedreht“ worden sei. Dabei wäre Wulff eine andere Lesart seines „politischen Buchs zur politischen Kultur in unserem Land“ lieber.

Mehrfach betont Wulff, was sein Buch nicht sein solle: kein „Erinnerungsbuch“, keine „Rechtfertigungsschrift“ und vor allem „keine Abrechnung“. Auch hege er gegen niemanden einen Groll, wenn er nach Hause gehe. Andererseits macht Wulff keinen Hehl daraus, was er von seinen Widersachern hält – der Justiz und den Medien, insbesondere der Springer-Presse.

„Die Art und Weise, wie sich – nicht nur in meinem Fall – Medien und Justiz gegenseitig die Bälle zuspielen, bedroht das Prinzip der Gewaltenteilung“, erklärt er. An der Schnittstelle zwischen Justiz und Presse liege eine „ernstzunehmende Gefahr für unsere Demokratie“. Darüber müsse man reden. Wulff erhofft sich eine Debatte darüber, wie Medien Personen des öffentlichen Lebens gegenübertreten.

Im Visier hat der Bundespräsident a.D. freilich seinen größten Gegner – die „Bild“-Zeitung. Bisher, sagt Wulff, habe jeder solange als unschuldig gegolten, bis er rechtskräftig verurteilt wurde. „Inzwischen wird man aber von der „Bild“ angeklagt, verurteilt und erlebt wie ich auch die Vollstreckung des Urteils.“ Und danach müsse dann der Freispruch erst im gerichtlichen Verfahren durchgesetzt werden, um als unschuldig zu gelten?, fügt Wulff fragend an. Und schickt gleich die unmissverständliche Antwort hinterher: „Gegen diese Art, die Macht der vierten Gewalt auszuüben, setze ich mich zur Wehr – auch in meinem Buch.“ Deutlicher kann man eine Kampfansage an die Medien nicht formulieren.

Kommentare zu " Buchvorstellung des Ex-Bundespräsidenten: Wulffs Abrechnung"

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  • Wulff hat zwar seine Altersbezüge samt Fahrer und Büro durchgesetzt, aber die abgelegenen Räume, die man ihm im Bundestag zur Verfügung stellte, hielten manche für unwürdig....Der Rücktritt war falsch, ich wäre auch heute der richtige im Amt“, sagt er nüchtern. Der öffentliche Druck damals setzte Wulff zusätzlich zu. „Selbst wenn ich übers Wasser gegangen wäre, hätte man gesagt, der kann ja nicht mal schwimmen“, bringt Wulff seine damalige Lage auf den Punkt.
    (Zitate)
    Na - da hatte er ja noch Glück - er konnte also mit seinen vollen Altersbezügen "vorzeitig" aussteigen" auch wenn seine Büro-Räume jetzt "abgelegen" waren. Vielleicht sollte er sich mit Schopenhauer etwas trösten : " Bis dahin jedoch sind seine Wünsche gränzenlos, seine Ansprüche unerschöpflich, und jeder befriedigte Wunsch gebiert einen neuen. Keine auf der Welt mögliche Befriedigung könnte hinreichen, sein Verlangen zu stillen, seinem Begehren ein endliches Ziel zu setzen und den bodenlosen Abgrund seines Herzens auszufüllen. "

  • Wulff ist bedeutungslos. Warum erwähnt man ihn noch? Muss die Presse das Buch pushen?

  • @testlab:
    Herr Wulff stieg mit der Presse in den Aufzug nach oben und hätte sich gewahr sein müssen, daß der Aufzug auch mal nach unten fährt. Er hat wohl nicht geglaubt, daß er auch da der Passagier sein würde.

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