Bürgerdialog mit Kanzlerin
Eine Ideensammlung, mehr nicht

Im Rahmen ihres Zukunftsdialogs spricht Bundeskanzlerin Angela Merkel in Erfurt mit ausgewählten Bürgern. Doch viel mehr als das Versprechen, die Anregungen der hundert Fragenden aufzunehmen, kommt nicht heraus.
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Düsseldorf„Schön lächeln“ – das fordert Bundeskanzlerin Angela Merkel, als sie im Anschluss an den Bürgerdialog in Erfurt umringt von allen Teilnehmern für die Fotografen posiert. Mehr Bürgernähe geht nicht. Die Kanzlerin gibt sich bei der ersten von insgesamt drei Bürgerdialogen betont volksnah. „Ich bin heute hier, um auf sie zu hören“, kündigte sie zu Beginn an.

Die Veranstaltung im Erfurter Kaisersaal gehört zu Merkels Zukunftsdialog. Hier widmet sich die Kanzlerin den wichtigsten Fragen der Zukunft, „Wie wollen wir zusammenleben?“, „Wovon wollen wir leben?“ und „Wie wollen wir lernen?“. Alle Bürger sind dazu aufgefordert, Vorschläge per Internet abzugeben. Jede Idee wird bewertet, sowohl von den Nutzern der Plattform als auch von ausgewählten Experten. Bis Mitte April können Vorschläge eingereicht werden. Am Ende des Dialogs lädt die Kanzlerin die Autoren der jeweils am besten bewerteten Ideen zu einer Diskussion ins Kanzleramt.

Es sind 100 ausgewählte Bürger, die heute mit Kanzlerin Merkel die Frage „Wie wollen wir zusammenleben?“ diskutieren durften. Die Hälfte von ihnen wurde durch lokale Organisationen bestimmt, die andere Hälfte von regionalen Medien. So wurde sichergestellt, dass am Ende eine möglichst heterogene Gruppe mit Merkel diskutiert.

Dementsprechend breit war auch das Spektrum der eingebrachten Vorschläge. Es reicht von mehr Anerkennung fürs Ehrenamt über ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle bis hin zur Lohngleichheit in Ost- und Westdeutschland. Eine Schülerin schlägt einen energiefreien Tag vor, an dem jeder Zeit für die Familie hat. Die Kanzlerin zeigte sich offen für jeden Vorschlag, betonte allerdings, dass sie erst einmal alle Ideen sammeln würde. „Wir nehmen das auf“, war einer ihrer häufigsten Sätze.

Dabei gibt sich Merkel nicht als Regierungsoberhaupt. Sie punktet bei den Erfurtern mit Lockerheit. „So eine Chance kriegen sie nie wieder“, fordert Merkel die Anwesenden zu Vorschlägen auf. Merkel steht in der Mitte der Bürger, und achtet selber darauf, dass in dem 90-minütigen Dialog, der live im Internet übertragen wurde, keiner zu kurz kommt.

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  • @NextGeneration

    Sie wollen offenbar in einer demokratiefeindlichen EUdSSR leben? Ich aber nicht! Steuergeld für Frieden? Für mich ist das Schutzgelderpressung! Ich will, dass mein Steuergeld möglichst in der Nähe ausgegeben wird, damit ich auch was davon haben, dass ich dem Staat MEIN Geld gebe! Ich kann niemanden in Griechenland wählen.

    No TAXATION WITHOUT REPRESANTATION!

    Das ganze ist also illegal!

    Und eine korrupte EUdSSR-Diktatur brauchen NUR sie, sonst niemand! Freiheit ist übrigens wichtiger als Frieden!

  • Ich hoffe, die nächsten 20 Jahre werden auch so friedlich.
    Die Augen verschließen, vor dem zerstörerischen Werk in Sachen Finanzpolitik werde ich aber nicht.
    Wir brauchen eine funktionierende Opposition ... nicht Gleichschritt und Machtgeilheit.

  • Für mich ist dies, eine PR-Aktion von Frau Merkel, ohne nennenswerten Erfolg.
    Danke

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