Bürgerfest in Bellevue
Gauck fordert mehr Mut in der Eurokrise

Bürgerfest im Schlosspark: Entspannt und bodenständig feiert Bundespräsident Gauck mit seinen Gästen. Höhepunkt ist eine Diskussion mit zwei Vorgängern. Ihr Appell: Mehr Mut in der Eurokrise
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Berlin Bundespräsident Joachim Gauck hat auf seinem Bürgerfest in Berlin mehr Mut zu Europa und mehr Selbstbewusstsein in der Eurokrise gefordert. „Wir stehen vor Unsicherheiten, aber nicht vor dem Abgrund“, sagte Gauck am Sonntag bei einer Podiumsdiskussion mit seinen Vorgängern Richard von Weizsäcker und Roman Herzog. Notwendig sei eine „Debatte ohne Hysterie“, meinte Gauck vor mehreren tausend Menschen im Park von Schloss Bellevue.

Der Bundespräsident forderte die Politik auf, nicht am Ja zu Europa rütteln zu lassen. Er wolle zwar nicht von deutscher Führung sprechen, aber: „Wir müssen unsere Rolle in Europa spielen, unserer Größe und Erfahrung entsprechend“, sagte Gauck. Auch Ex-Bundespräsident Herzog betonte, es sei Mut notwendig, weil niemand eine derartige Krise bisher erlebt habe. Deutschland müsse „ein bisschen einen Ruck riskieren“, meinte er in Anspielung an seine berühmte „Ruck-Rede“ während seiner Amtszeit 1997.

Weizsäcker erinnerte daran, dass Deutschland seit dem 19. Jahrhundert von seinen Nachbarn mit Misstrauen betrachtet worden sei. „Dieses Misstrauen ist verschwunden“, mente er, im Westen wie im Osten. Deutschland müsse in der gegenwärtigen Krise nicht als Anführer, aber in wichtigen Fragen als „bestimmendes Mitglied“ auftreten.

Zuvor hatte Gauck die Bürger zu mehr Engagement für die Gesellschaft aufgerufen. Dazu gehöre auch, eine „Brücke der Freundlichkeit“ zu den Mitbürgern zu schlagen, die aus anderen Ländern stammten. Während am Samstag das Bürgerfest an Gaucks Berliner Amtssitz vor allem für etwa 4000 ehrenamtlich engagierte Menschen offen war, durften am Sonntag erstmals alle Berliner und Hauptstadtbesucher Gäste sein. Die Menschen warteten zum Teil stundenlang auf Einlass, bei strahlendem Spätsommerwetter kamen deutlich mehr als die erwarteten 10 000.

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  • Herr Gauck,
    ich hatte und habe keine Achtung vor Ihnen. Sie sind nicht aufrichtig, Sie hintergehen das Volk was Sie für Ihres halten.
    Sie forderten Zivilcourage und nun fordern Sie mehr Selbstbewusstsein, Offenheit, Mut und Engagement.
    Genau das unterdrücken aber Politiker und auch Sie. Ich bin mehrfach verklagt worden, angegriffen, mir legte man ans Herz, „den Mund zu halten, wenn ich länger leben möchte.“ Ich habe mich für die Gesellschaft stark gemacht und wer hat uns im Wege gestanden, Ihres Gleichen.
    Ist Ihnen das Engagement genug?
    Sie haben noch kein Schreiben von mir beantwortet, Sie lassen kein Treffen zu, weil Ihnen Ihr Schulterklopfen wichtiger ist. Sie können von der Bevölkerung nichts fordern, weil die Politiker und Sie die Pflicht haben, auf unser Wohl acht zugeben.
    Sie schauen zu, wie unser Land unsere Gemeinschaft ausblutet und den Wert als solches verliert. Ihre Verlogenheit, Ihr Eigennutz verhindert den Grundgedanken von Europa. Abhängigkeit und Zerstörungen des Souveräns bringen Kulturen gegen uns auf, Sie liefern uns der Gewalt aus. Sie schauen zu, wie unsere Waffen an Diktatoren vermittelt werden und die auch eines Tages gegen uns verwendet werden und wurden.
    Verhöhnen Sie uns nicht weiter, Sie sind weder ein Vorbild noch
    glaubhaft, legen Sie das Amt nieder, „Deutschland braucht keinen König“.
    Frank Poschau
    www.frank-poschau.jimdo.com

  • <Bundespräsident Joachim Gauck hat auf seinem Bürgerfest in Berlin mehr Mut zu Europa und mehr Selbstbewusstsein in der Eurokrise gefordert.>

    Herr Gauck, meinten Sie Europa, den Euro oder die EU? Wir haben eine EURO-KRISE in den Euroländern von Europa. Hier braucht es den Mut den Tatsachen ins Auge zu sehen, und einen ökonomischen Sachverstand.

    Leider kann ich mit den Aussagen zur Eurokrise Ihres Vorgängers Wulff mehr anfangen. Auszüge hieraus:

    „Als die Krise ausbrach, bestand auf globaler Ebene schnell Einigkeit. Beschlossen wurden Konjunkturpakete in einem bislang nie dagewesenen Ausmaß. Dem Finanzsektor und den Banken eilte man zu Hilfe – mit Geld der Steuerzahler, Staatsgarantien und massiven monetären Transfusionen durch die Notenbanken…. Doch immer noch ist der Bankensektor labil, sind die Staatsschulden in den größten Volkswirtschaften auf Rekordniveau und die fundamentalen Probleme für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit so präsent wie zuvor.

    Wir haben weder die Ursachen der Krise beseitigt, noch können wir heute sagen: Gefahr erkannt – Gefahr gebannt. Wir sehen tatsächlich weiter eine Entwicklung, die an ein Domino-Spiel erinnert: Erst haben einzelne Banken andere Banken gerettet, dann haben Staaten vor allem ihre Banken gerettet, jetzt rettet die Staatengemeinschaft einzelne Staaten. Da ist die Frage nicht unbillig: Wer rettet aber am Ende die Retter? Wann werden aufgelaufene Defizite auf wen verteilt beziehungsweise von wem getragen?

    Statt klare Leitplanken zu setzen, lassen sich Regierungen immer mehr von den globalen Finanzmärkten treiben. Zuerst: Politik muss ihre Handlungsfähigkeit zurückgewinnen. Sie muss sich endlich davon lösen, hektisch auf jeden Kursrutsch an den Börsen zu reagieren.

    In freiheitlichen Demokratien müssen die Entscheidungen im Übrigen immer von den Parlamenten getroffen werden. Denn dort liegt die Legitimation. In der Demokratie geht die Macht vom Volke aus…

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