Bürgerschaftswahl
Bremen zwingt CDU Strategiedebatte auf

Das Wahldebakel ermutigt Politiker der zweiten Reihe, die Wahlstrategie in Frage zustellen. Mit dem großstädtischen Ansatz komme die Union nicht an, kritisiert JU-Chef Philipp Mißfelder. Eine Idee hat er schon.
  • 4

DüsseldorfNach dem Abrutschen der CDU auf den dritten Platz in Bremen empfiehlt Junge-Union-Chef Philipp Mißfelder seiner Partei, sich programmatisch breiter aufzustellen. Der großstädtische Strategieansatz der CDU in Hamburg und Bremen habe keinen Erfolg gebracht, sagte Mißfelder im Deutschlandradio Kultur. Grundsätzlich tue sich die Union mit einer "zersplitterten Wählerschaft" schwer, wie sie in urbanen Milieus existiere. Die Wähler seien dort "eventuell wählerischer". Deswegen müsse sich die CDU breiter aufstellen.

Unter Richard von Weizsäcker habe sich die CDU in Berlin beispielsweise sehr konservativ und zugleich an anderer Stelle sehr liberal präsentiert. Es sei wahrscheinlich nicht schlecht, wenn sich die Union wieder auf ihren Charakter als Volkspartei besinne, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete. Zugleich appellierte er an seine Partei, Abstand zu den Grünen zu halten. Wenn die Union verhindern wolle, dass die Grünen bei der nächsten Bundestagswahl Rekordergebnisse einfahren, "muss man sie angreifen".

Auch der Unions-Fraktionschef im Bundestag, Volker Kauder, forderte seine Partei auf, stärker an ihrer "Großstadtkompetenz" arbeiten. Die Partei müsse das Lebensgefühl in den Großstädten wieder besser treffen, sagte der CDU-Politiker. In den Ballungsgebieten gebe es andere Probleme als im ländlichen Raum, wo die Union recht gute Ergebnisse erziele.

Auch der Generalsekretär der CDU in Baden-Württemberg, Thomas Strobl, fordert Konsequenzen in seiner Partei. "Man wird nicht sagen dürfen: Wir gehen bundesweit wieder zur Tagesordnung über", sagte Strobl im Südwestrundfunk. Das schwache Abschneiden
der CDU in Bremen nannte Strobl einen "harten Schlag ins Kontor".

Die CDU und die von ihr geführte Bundesregierung müssten klar machen, wofür sie stünden, forderte der Kandidat für den CDU-Landesvorsitz. Die einzelnen Entscheidungen der Regierung seien zwar richtig, aber der "rote Faden" des Regierungshandelns sei für viele Menschen nicht erkennbar. Der CDU-Bundestagsabgeordnete warnte zugleich davor, die Verantwortlichkeiten bei einzelnen wie Bundeskanzlerin Angela Merkel zu sehen: "Wir würden es uns viel zu einfach machen, jetzt mit dem Finger auf die ein oder andere Person zu zeigen. Die Gründe liegen tiefer."

Die CDU war bei der Bürgerschaftswahl in Bremen laut Hochrechnung des Landeswahlleiters mit 20,1 Prozent nur drittstärkste Kraft hinter SPD und Grünen geworden.

Parteienforscher Lothar Probst warnt die CDU, dass die Grünen zu einem ernst zu nehmenden Konkurrenten für sie werden. "Die Grünen greifen immer stärker in das bürgerliche Lager", sagte er. Bei den Selbstständigen sei sie die erfolgreichste Partei geworden. Im Gegensatz zur CDU sei es den Grünen zudem gelungen, das bürgerliche Lager zu mobilisieren.

Das hat auch JU-Chef Mißfelder erkannt: Wenn die Union verhindern wolle, dass die Grünen bei der nächsten Bundestagswahl Rekordergebnisse einführen, „muss man sie angreifen“.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bürgerschaftswahl: Bremen zwingt CDU Strategiedebatte auf"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Grünen angreifen, das ist ja zum Piepen. Die CDU hat sich beider FDJ den Sagdeckel bestellt und nun muß er geschlossen werden. Nie und nimmer wird die CDU noch ein Eisen ins Feuer bringen. Der Zug ist abgefahren!

    http://www.bps-niedenstein.de/

  • Die FDP wird es mit dem dämlichen Dauergrinser Rösler auch nicht schaffen. Der Mann ist einfach zu unbeliebt beim Volk. Sein Gesundheitsmurks wid ihm immer anhängen
    Tja und Merkel, da haben Sie Recht.
    Die hat einen glatten Meineid geschworen. Denn sie wendet nicht Schaden ab vom deutschen Volk, sondern sie fügt uns einen Schaden nach dem anderen zu.
    Man wird nicht über Nacht zum lupenreinen Demokraten, nur weil eine Mauer fällt. Das muß endlich begriffen werden.
    Dies betrifft aber auch die anderen Partein die durchfilzt sind von alten SED-Kadern.
    Es sollte endlich mal die DDR-Vergangnheit aufgeräumt werden, ehe ganz Deutschland wieder von den Scherben steht

  • "Das großstädtische Milieu" was meint Mißfelder denn damit so richtig?
    Flächendeckende KITAS, die Frauen zum Arbeiten jagen, wie die v. d. Leyen das wollte?
    Also Kinder kriegen und ab in Fremdbetreuung? Also Kinder für die Rente und nicht weil man sie will?
    Da hat dann Bischof Mixa Recht, der sagte, Frauen würden zu Gebährmaschinen.
    Der Bürger will einen Platz im Kindergarten und zwar dann wenn man ihn will oder braucht und nicht auf eine Warteliste oder einer Kita, aber ohne Zwang vom Staat, denn das ist purer DDR-Sozialismus
    Und ob Frauen arbeiten gehen oder nicht oder nur ein bißchen, hat nicht der Staat zu bestimmen.
    Aber jetzt kommt Kritik und doch sind die Kritiker unehrlich, wenn sie zum Schluß des Beitrages mal wieder nicht da kritisieren wo es wichtig wäre, nämlich an Merkel.
    Ich kann der CDU nur raten, jagt endlich die Merkel vom Hof und die grünen und sozialistischen Abgeordneten gleich mit, werdet wieder eine konservtive-bürgerlich Partei mit einen dementsprechenden Wertekanon und dann klappt es auch wieder.
    Eine sozialistische Blockpartei, ein wenig grün angehaucht, brauchen wir nicht
    Aber genau das hat Merkel aus der CDU gemacht
    Auch ist Merkel mehr und mehr auf die Linie der Grünen gegangen was die falsche Zuwanderung betrifft.
    Merkel regiert doch völig gegen das Volk.
    Das tun die Grünen zwar auch und die jetzigen Anhänger werden sich noch wundern, aber sie können die Gewinne einfahren, weil niemand sie wirklich angreift.
    Merkels Ziel ist ja, als nächstes mit den Grünen zu koalieren und genau das sottle die alte CDU, falls es die in kleinen Teilen noch gibt, begreifen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%