Bürgerschaftswahl in Hamburg
Linke Basis zeigt sich enttäuscht

Die Linken sitzen zum ersten Mal in der Hamburger Bürgerschaft, aber ein Grund zum Jubeln war das für die Genossen bei der Wahlparty im Hamburger Kulturzentrum "Fabrik" nicht. Vielmehr zeigte sich die Parteibasis enttäuscht, dass das Wahlziel nicht erreicht wurde.

HB HAMBURG. "Das ist aber enttäuschend", so reagierten die meisten auf die Prognose um 18.00 Uhr, die die Linkspartei nur bei 6,5 Prozent sah. Mit zehn Prozent plus X hatte dagegen Linken-Spitzenkandidatin Dora Heyenn fest gerechnet. Auf der Bühne des Musiktempels warb sie dennoch zaghaft um gute Laune. "Das, was wir zu diesem Zeitpunkt wissen ist, dass die Linken im Rathaus sind." Darüber sollte man sich freuen, das sei ein Grund zu feiern, sagte sie nicht ganz überzeugend.

Etwas spröde kam die 58-jährige Lehrerin allerdings auch schon im Wahlkampf daher. Jahrzehntelang war sie in der schleswig- holsteinischen SPD aktiv, gefallen habe ihr aber nur die SPD des "roten" Jochen Steffen, betonte sie gern. Jetzt fühle sie sich in der Linkspartei wirklich zuhause. "Wir treten an, um die soziale Schieflage zurechtzurücken", sagte sie immer wieder. Oder: "Privatisierung ist Diebstahl."

Besser gelaunt gab sich am Wahlabend in der "Fabrik" vor allem der Hamburger Bundestagsabgeordnete der Linken, Norman Paech. Hamburg sei das zehnte Landesparlament, in dem die Linke jetzt vertreten sei. Die Partei sei im Westen angekommen. Die "Nachbarn der (vornehmen) Blankeneser Parallelgesellschaft", müssten sich warm anziehen. "Eingezwängt zwischen der Linken und Liechtenstein" müssten sie nun mehr Solidarität zeigen. "Enteignen werden wir sie nicht, dazu haben wir noch nicht die Macht", scherzte Paech.

"Das kann doch nicht wahr sein", ärgerte sich ein Linken-Anhänger über das seiner Ansicht nach "viel zu schlechte Ergebnis". Gemeinsam mit vielen hundert Parteifreunden hatte er in den vergangenen Wochen viele tausend knallrote Flyer unter dem Leitmotto "Armut bekämpfen" verteilt und mitgeholfen, mehr als 400 000 Bürgerbriefe unters Wahlvolk zu bringen. Darin warben die Linken-Stars Gregor Gysi und Oskar Lafontaine um Stimmen "für eine starke linke Opposition in Hamburg".

Das hat nicht ganz geklappt, aber Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch, befand: "Der Einzug in die Bürgerschaft ist eine großer Erfolg für den Hamburger Landesverband." Der Wahlerfolg in Hamburg habe den Aufwärtstrend der Linken bestätigt. Spitzenkandidatin Heyenn sagte vor den Fernsehkameras. "Wir wollen in erster Linie Oppositionsarbeit machen." Da Grüne/GAL und SPD im Wahlkampf aber viele Forderungen der Linken übernommen hätten, könnte ihre Partei jetzt zumindest "über eine Tolerierung nachdenken".

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