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Bürgerschaftswahlen 2015

Bürgerschaftswahl am Sonntag
Unschlagbar in Bremen

Bremen ist ein Bundesland der Gegensätze: Dicht gedrängt sind Arm und Reich, Erfolg und Versagen. Die Menschen dort sind wetterfest in jeder Hinsicht – und halten bei den Bürgermeistern der SPD die Treue.
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BremenKaum hatten fleißige Helfer Bremen flächendeckend mit Wahlplakaten überzogen, blies Sturm „Niklas“ sie wieder weg. Die Spitzenkandidaten, die lächelnd oder hanseatisch gesetzt von den Pappen gucken sollten, lagen zerfleddert im Dreck. Schlechtes Timing zum Start in den Bürgerschaftswahlkampf. Möglicherweise war das schon der größte Aufreger im Ringen um die Aufmerksamkeit der Wähler für den 10. Mai. Viele Bremer lassen das Schaulaufen der Politiker alle vier Jahre über sich ergehen wie Sportmuffel Olympische Spiele.

Was soll nach 70 Jahren SPD-Regierung kommen? Wenn die Bremer Abwechslung suchen und die Sozialdemokraten vor eine Herausforderung stellen wollen, wählen sie ihnen einfach einen neuen Koalitionspartner. Danach sieht es aber nicht aus. Grün wird wohl Juniorpartner im Senat von Bürgermeister Jens Böhrnsen bleiben.

Gibt es Themen, die im kleinsten Bundesland aufregen? Ja, die Bremer nörgeln ganz gerne. Sie meckern über Fahrradstraßen, die der grüne Verkehrssenator Joachim Lohse bauen lässt, und klagen über die Architektur neuer Gebäude. Echte Sorgen gibt es aber auch, denn Bremen ist ein Land extremer Gegensätze.

Es hat mit die meisten Millionäre und die meisten Arbeitslosen in Deutschland, das kleine Land ist einer der erfolgreichsten High-Tech-Standorte mit Spitzenforschung, Raumfahrt, Auto- und Flugzeugbau. Gleichzeitig belegt Bremen bei der Bildung hintere Plätze. Nirgendwo sind mehr Kinder arm. Kein Bundesland hat höhere Schulden pro Kopf. Selbst beim Wirtschaftswachstum verliert Bremen gerade den Anschluss.

Die meisten Menschen bringt das nicht aus der Ruhe. Sie lieben die beiden ungleichen Städte Bremen und Bremerhaven mit allen Schwächen. Sie sind stolz auch auf kleine Erfolge, Traditionen und ihren Bundesliga-Club Werder Bremen. Die Unabhängigkeit des auf dauernde Hilfe von außen angewiesenen Bundeslandes mit gerade einmal 650.000 Einwohnern gilt als unantastbar.

Der Präses der Handelskammer, Christoph Weiss, ärgert sich allerdings über Bremer Schlendrian. Bei Verschuldung, Armut und Bildung seien von der Politik falsche Prioritäten gesetzt worden, „wovor man konsequent die Augen verschließt beziehungsweise sich die Situation schönredet.“ Bildung sei das beste Mittel gegen Armut. „Hier hat die Politik krachend versagt“, empört sich Weiss.

Kommentare zu " Bürgerschaftswahl am Sonntag: Unschlagbar in Bremen"

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  • So sind sie halt unsere Griechen. Immer schön Sozialhilfe (Länderfinanzausgleich) kassieren und dem lieben Gott und der Welt einen guten Mann sein lassen. War hat Bremen überhaupt noch den Landerstatus.

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