Special

Bürgerschaftswahlen 2015

Bürgerschaftswahl in Bremen
FDP-Frontfrau wegen Top-Lobbyjob unter Beschuss

Die Unternehmerin Lencke Steiner soll die FDP wieder ins Bremer Landesparlament führen. Für Wirbel sorgt nun allerdings, dass sie neben ihrer Spitzenkandidatur für die Liberalen einer führenden Lobbytätigkeit nachgeht.
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BerlinDie Spitzenkandidatin der FDP für die Bremer Bürgerschaftswahl, Lencke Steiner, steht wegen eines möglichen Interessenkonflikts in der Kritik. Denn Steiner ist auch während des Wahlkampfes als Bundesvorsitzende des Wirtschaftsverbands Die Jungen Unternehmer tätig. „Steiners Lobbytätigkeit verträgt sich nicht mit ihrer Kandidatur für ein politisches Spitzenamt. Es wäre angemessen, den Lobbyjob für die Zeit der Kandidatur ruhen zu lassen“, sagte  Timo Lange, ein Sprecher von Lobby Control, dem Handelsblatt (Online-Ausgabe).

Der SPD-Bundesvize Ralf Stegner sieht in der Doppelrolle Steiners keine Vorteile für die parteilose Unternehmerin und die Liberalen. „Ob Frau Steiner als Bundesvorsitzende der Jungen Unternehmer oder als FDP-Spitzenkandidatin in Bremen gegen Mindestlohn und Soli wettert, ist ziemlich schnurz. Die Wählerinnen und Wähler in Bremen werden das so oder so als schlechte Politik erkennen und entsprechend bewerten“, sagte Stegner dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). Mögliche Interessenskonflikte könne man zudem „beim gegenwärtigen Kampfgewicht“ gelassen einschätzen. „Es ist wohl eher eine Stilfrage, bei der die FDP offenkundig ihre eigenen Maßstäbe hat.“

Scharfe Kritik an Steiner und der FDP äußerte der Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland (AfD), Christian Schäfer. „Jeder, der erwägt dieser Partei seine Stimme zu geben, verschenkt sie in Wahrheit einem Lobbyverband“, sagte er dem Handelsblatt (Online-Ausgabe).

Steiner warf er zudem vor, die FDP nicht ernst zu nehmen. „Die Prioritäten der Spitzenkandidatin der FDP sprechen Bände.“ Steiner weigere sie sich standhaft, Mitglied der Liberalen zu werden. „Das fällt auch jedem politisch halbwegs interessierten Bremer Bürger auf.“

Steiner ließ über ihren Sprecher Marcel Klinge erklären, dass es keine Überlegungen gebe, den Verbandsvorsitz ruhen zu lassen. Interessenkonflikte ließen sich dadurch ausschließen, dass sich Steiner in ihrer Verbandsrolle „ausschließlich“ zu bundespolitischen Themen äußere und nur originäre Verbandspositionen vertrete, sagte Klinge dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). Für den Verband nehme sie weiterhin „eine ganze Reihe von Terminen“ bundesweit wahr.

Allerdings, so Klinge weiter, hätten aufgrund des „zeitintensiven Drehs“ der zweiten Staffel der Vox-Gründer-TV-Show „Die Höhle der Löwen“ und ihres Wahlkampf-Engagements ihre Stellvertreter schon seit Jahresbeginn alle TV- und Radiotermine übernommen, zu denen Steiner als Verbandsvorsitzende angefragt war. In der Fernsehsendung auf Vox bewertet Steiner gemeinsam mit vier anderen Juroren junge Start-up-Firmen, in die sie bei Interesse auch investiert.

Kommentare zu " Bürgerschaftswahl in Bremen: FDP-Frontfrau wegen Top-Lobbyjob unter Beschuss"

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  • Lieber Herr Neuerer, dieser Artikel ist wahrlich kein Leuchtfeuer und für ein Handelsblatt peinlich! Alles in Ihrem wirklich wohl gesteuerten und an den Haaren herbei gezogenen Artikel (siehe Wahlchancen mit einer Umfrage von 2014!!!) stimmt mich als Handelsblatt-Leser wirklich bedenklich. Das ist wirklich BILD-Niveau! Was ist Ihr Problem mit Frau Steiner und der FDP? Möchten Sie auch konsequent jedem Gewerkschafter verbieten, politisch in den linken Parteien aktiv zu sein (naja, hätte uns zumindest Frau Nahles erspart). Warum soll Sie die Interessen trennen? Ich persönlich wünsche mit mehr Menschen in der Politik, die auch wirklich wissen was Sie tun! Das würde ich mir ebenfalls von Journalisten wie Ihnen wünschen. Schön, dass wenigstens die vorliegenden aktuellen Umfragen für die Bremer Wahl ein anderes Bild zeichnen als Sie uns suggerieren wollen.

  • Qualitätsjournalismus sollte sorgfältiger mit der Wahl seiner Überschriften arbeiten. Oder ist das Handelsblatt nun das Sprachrohr der vermeintlichen "Alternative für D." ?

  • Amt und Lobbyist ist ein zweischneidiges Schwert.
    Bezug www.bffk.de zu Bescherde über die Handelskammer Hamburg und die Reaktion des Senators (früher HK-Präsident) es wäre kein Handlungsbedarf.
    Ein Schelm wer hier einer Ämterverquickung das Wort redet.

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