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Bürgerschaftswahlen 2015

Forscher stellt düstere Prognose
CDU droht in Bremen nächstes Debakel

Hamburg hat die Union wieder mit dem Problem konfrontiert, dass sie in großen Städten kaum noch Bürgermeister mehr stellen kann. Aus Sicht des Bremer Parteienforschers Probst kein gutes Omen für die nächste Wahl.
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BerlinDer historische Tiefstand in Hamburg mit 15,9 Prozent hat in der Union trotz der geringen Erwartungen die Alarmglocken schrillen lassen. Zum einen zeigte sich erneut die Großstadtschwäche der Union. Zum anderen werden mangelnde Koalitionspartner zur größten Gefahr für die Machtansprüche. In Bremen, wo am 10. Mai ebenfalls Bürgerschaftswahlen anstehen, könnte die CDU einmal mehr diese Erfahrung machen.

„Für Bremen, wo die CDU schon das letzte Mal hinter den Grünen lag mit knapp über 20 Prozent, ist die Hamburg-Wahl ein Menetekel“, sagte der Parteienforscher von der Universität Bremen, Lothar Probst, dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Die Union muss sich in Bremen mächtig ins Zeug legen, wenn sie ein Desaster wie in Hamburg vermeiden will.“

In Bremen gehe die CDU mit der Bundestagsabgeordneten Elisabeth Motschmann zwar mit einer Kandidatin ins Rennen, die dort bekannter sei als Dietrich Wersich in Hamburg, „aber gleichwohl gegenüber Jens Böhrnsen von der SPD weit zurückfällt in den Umfragen und nicht annähernd an dessen Popularität anknüpfen kann“, sagte der Experte weiter. „Auch zum Regieren wird die CDU in Bremen nicht gebraucht, da eine erneute Mehrheit von Rot-Grün so gut wie sicher ist.“ Hinzu komme die Konkurrenz zur Alternative für Deutschland (AfD). „Es ist zwar nicht ausgemacht, ob die AfD in Bremen ebenfalls den Sprung in die Bürgerschaft schafft, aber sie wird der CDU mit Sicherheit Stimmen wegnehmen.“

Inwieweit das auch auf die FDP zutreffe, die in Bremen zwar auch mit einer jungen Kandidatin antritt, aber seit 2011 nicht mehr in der Bürgerschaft vertreten ist und ebenfalls „nicht den Hauch einer Machtoption“ habe, lasse sich schwer sagen. In Hamburg habe es demgegenüber „eine deutliche Wählerwanderung“ von der CDU zur FDP gegeben, weil klassisch bürgerliche Wähler darauf hofften, dass die FDP vielleicht doch zum Juniorpartner von Olaf Scholz werden könne. Dieses Kalkül, so Probst, werde es jedoch angesichts der klaren Mehrheitsverhältnisse und der beabsichtigten Fortsetzung von Rot-Grün nicht geben.

Die Hamburg-Wahl ist für Probst auch ein Beleg dafür, dass die Union ihren Großstadt-Fluch immer noch nicht abschütteln konnte. „Trotz mehrerer Kommissionen, die die Union eingesetzt hat, gelingt ihr nicht der Sprung zu modernen Großstadtpartei“, stellt der Politik-Professor nüchtern fest. Als Ursache nennt Probst auch strukturelle Gründe.

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Bei aller regionaler Besonderheit im Norden, stellt sich nach dem Abzeichnen jüngster Trends dennoch ganz allgemein die Frage: Warum sollten die Bürgerinnen und Bürger auch weiterhin das Plagiat wählen ? Dann doch gleich das Original, die SPD. Ja, es ist ein Treppenwitz deutscher Nachkriegsgeschichte: Die erste SPD-Kanzlerin hat die CDU ruiniert. Und schlimmer noch: Hat mit dem Überbord-Werfen konservativer Werte und Verrat an ihren konservativen Klientel Bewegungen wir Pegida und AfD überhaupt erst ermöglicht !

  • Solange die CDU unter Merkel einen klaren und ideologisch ausgerichteten ökosozialistischen Kurs steuert, so lange wird ihr dramatischer Niedergang weitergehen.

    Stichworte, die den ökosozialistischen Kurs beschreiben, sind z.B. Energiewende, Frauenquote, "der Islam gehört zu Deutschland", angebliche Vereinbarkeit von Kindererziehung und voller Erwerbstätigkeit, rechtliche Gleichstellung aller möglichen Beziehungen mit Ehe und Familie, europäische Vergemeinschaftung der Staatsschulden, EZB-Geldsozialismus, Bürokratisierung und Reglementierung, im Klartext staatliche Schikanierung von immer mehr Lebensbereichen von der Glühlampe bis zur EU-Norm für Topflappen ...

    Für die Konservativen, die früher selbstverständlich CDU gewählt haben, gibt es mit der AfD mittlerweile eine demokratische Alternative, und die ökosozialistisch Eingestellten werden wie bisher lieber das Original wählen.

    Es gibt kein Großstadtproblem für die CDU, es gibt ein Merkelproblem.

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