Hamburg-Wahl: Warum der Merkel-Faktor nicht bis zur Elbe reicht

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Bürgerschaftswahlen 2015

Hamburg-Wahl
Warum der Merkel-Faktor nicht bis zur Elbe reicht

Das Wahlergebnis der Hamburg-Wahl hat nichts mit der Bundespolitik zu tun. Doch lange kann die Regierung in Berlin diese Dissonanz nicht ignorieren.
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DüsseldorfDas ist ein Hamburger Ergebnis. Ein SPD-Spitzenkandidat, der auf dem Höhepunkt seiner Beliebtheit steht, ein Zählkandidat der CDU,  eine agile hanseatische FDP-Chefin - all das hat nichts mit der Bundespolitik zu tun. Das Ergebnis der Bürgerschaftswahl von Hamburg reicht von Poppenbüttel bis Blankenese, aber nicht von Flensburg bis Garmisch-Patenkirchen.

Olaf Scholz hat als Bürgermeister eine solide Legislaturperiode hinter sich gebracht. Insbesondere seine Kompetenz in Wirtschaftsfragen schätzen die Hamburger an ihm. Eine Merkel in rot- so betiteln sie ihn. Bundesweit hat die SPD dagegen Mühe bei diesem Thema. Ihr Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel betreibt eher einen Schlingerkurs bei Wirtschaftsthemen: Energie, Rüstung, die Haltung gegenüber den Eurokritikern - Gabriel ist weniger konsequent als sein Hamburger Kollege, und das bekommt die SPD im Bund zu spüren. Wenn sich Scholz nun einen Bündnispartner suchen muss, wird es spannend, wie sehr er seine Wirtschaftsinhalte noch durchsetzen kann: Elbvertiefung, Bildung inklusive Gymnasium, Olympiabewerbung - alles wird nicht mit allen möglichen Koalitionspartnern zu machen sein. 

Im Bund dominiert unverändert die Union. Eine Kanzlerin, die neuerdings auch als Diplomatin Erfolge verbucht, ein Finanzminister, der wie ein Kettenhund über die europäischen Finanzen wacht - all das bringt der CDU einen Bonus, der sie sicher im Sattel sitzen lässt. Allerdings zeigt ihr das Ergebnis in Hamburg, dass ihre Personaldecke bedenklich dünn geworden ist. Die Partei verschleißt sich. Sie hat keine Kapazitäten mehr, die sie in den Bundesländern aufstellen kann. Dietrich Wersich war keine Lösung und das wusste die CDU von Anfang an. Geändert hat sie es nicht.

Die FDP mit Katja Suding an der Spitze hat einen Wahlkampf geführt, der an die Spaß-Wahlkämpfe eines Guido Westerwelle erinnerte. Westerwelles 18 Prozent-Schuhsohle ist Sudings Drei-Engel-für-Charlie-Wahlplakat. Mit rund sieben Prozent hat sie eines gezeigt: Der Bundestrend, der für die FDP so vernichtend war, muss nicht in Hamburg gelten. Immerhin: Ein guter Kandidat oder wie in diesem Fall eine schlagfertige Kandidatin und eine Lindner-FDP, in der inzwischen all die alten Gesichter verschwunden sind, sind wieder eine politische Alternative, mit der zu rechnen sein kann.

Linke und Grüne haben für eine Großstadt erwartbare Ergebnisse erzielt, lediglich die AfD steht bescheiden da. In Hamburg, wo einst eine Schill-Partei zweistellige Ergebnisse erzielte, besteht offenbar Potenzial für eine rechte Partei. Gut fünf Prozent, wie sie die AfD nun erzielt hat, sind da keine Sensation.

Hamburg ist als Stadtstaat eine Insel. Allerdings sieht die Bundesrepublik inzwischen wie ein Insel-Atoll aus. Jedes Bundesland für sich hat ganz eigene Themen. Und die Regierung oben drüber regiert so, als müsste sie das alles gar nicht interessieren. Daraus entsteht eine Dissonanz. Sie ist nach Hamburg unüberhörbar geworden.

 

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Hamburg-Wahl: Warum der Merkel-Faktor nicht bis zur Elbe reicht"

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  • über dem Merkel- Faktor scheint in Hamburg für die SPD der Edathy-Faktor gesiegt zu haben.

  • Was mich besonders freut: Die Partei der Intellektuellen, die zu der sozialen Marktwirtschaft im Sinne von Ludwig Erhard und der Freiheitslehre von Emanuel Kant steht, hat auf Anhieb 6,1 % der Stimmen bekommen.

  • Was ist das für ein seltsamer Arikel? Was soll denn immer dieses Hoch-Hypn von Merkel?
    Merkel hat die CDU so zerlegt, so entkernt, dass von CDU gar nicht mehr gesprochen werden kann.
    Das ist eine Merkel-Parei und wird der SED immer ähnlicher
    Und dies wird sich auch bei der nächsgten Budestagswahl zeigen
    Wann hat Merkel denn mal Politik für Deutsche und Deutschland gemacht?
    Sie rast durch Europa und erklärt jedem, dann am Deutschen Wesen mal wiedr die Welt genesen muß

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