Bürokratie
Der jobkillende Wahnsinn

Bürokratie vernichtet Arbeitsplätze und sie behindert Innovationen. Fällt irgendwo eine Verordnung weg, wird sie meist rasch durch eine neue ersetzt - durch Politiker, die selbst den Bürokratieabbau predigen.
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Düsseldorf/BerlinLutz Goebel ist ein besonnener Mann. Doch wenn er auf das Thema Bürokratie zu sprechen kommt, gerät er in Rage. „Ich beschäftige mindestens zwei Mitarbeiter zusätzlich, die den irrsinnigen Bürokratiewust für mein Unternehmen bewältigen müssen“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter der Henkelhausen-Gruppe, deren 240 Mitarbeiter Motoren und Aggregate in der Industrie in Betrieb nehmen und warten.

Die Politik wiederhole zwar immer wieder ihr Bekenntnis, Bürokratie abbauen zu wollen - doch in Wahrheit denke sie sich immer neue Bürokratie aus. Allein die derzeit diskutierten anonymen Bewerbungen würden gerade „für kleine und mittlere Unternehmen die Personalauswahl erheblich erschweren und mehr kosten“, so Goebel, der Präsident des Verbandes „Die Familienunternehmer“ ist.

Und Goebel steht mit seiner Klage nicht allein. Täglich verwenden Zehntausende Selbstständige und Angestellte viel Zeit darauf, Nachweise zu erbringen, Belege zu sammeln, Anträge zu formulieren, und Genehmigungen zu erwirken.

Die bürokratischen Lasten verursachen Kosten bei den Betrieben in zweistelliger Milliardenhöhe - oft überflüssige Kosten.

„Deutschland leidet unter bürokratischem Ballast“, sagt Ulrich Karpen. Der Hamburger Rechtswissenschaftler, lange Zeit Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Gesetzgebung, beobachtet seit Jahren die Bemühungen der Politik, Bürokratie abzubauen. Sein Fazit: „Ja, es sind Fortschritte erzielt worden. Doch die Erfolge werden zum Teil wieder aufgezehrt, etwa durch Bürokratie, die aus Brüssel auf uns zukommt oder die wir selbst neu aufbauen.“

Jüngstes Beispiel: Das Wirtschaftsministerium richtet derzeit eine Markttransparenzstelle ein, die der missbräuchlichen Gestaltung von Energiepreisen einen Riegel vorschieben soll. Die neue Behörde wird Daten sammeln, sie vergleichen und bewerten.

Kommentare zu " Bürokratie: Der jobkillende Wahnsinn"

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  • Bei der Planung von Bauprojekten ist es besonders interessant: Bauverordnung der einzelnen Bundesländer ( Sind Baustoffe, Menschen ect. wirklich in Bayern anders als in Bremen?), gefolgt von Sonderverordnungen für Schulen, Gaststätten ect., Arbeitsstättenverordnungen, Arbeitsstättenrichtlinien und dann noch die Anforderungen die oftmals weit darüber geben von Sachversicherern und Berufsgenossenschaft. Bei der Ausführung ist alles in irgendeiner DIN geregelt, aber zu allen Trotz schuldet man dem Bauherren den Stand der Technik und da kann die DIN schon veraltet sein. Es lebe unser organisierter Staat- am Ende entscheidet das Gericht!

  • Als Student der Verwaltungswissenschaft kann ich mit ruhigem Gewissen anführen, dass sich in den letzten Jahren viel getan hat was den Bürokratieabbau betrifft. Leider ist das Projekt ELENA gescheitert, was erhebliche Entlastungen für Arbeitgeber mit sich gebracht hätte. Vielleicht wird mit dem zukünftigen P23R (http://www.p23r.de/) ähnliches erreicht. Mit einem derartigen System müssten die Tankstellenpächter lediglich einmal täglich die erforderlichen Daten melden. Das wäre kein Mehraufwand, da diese Meldung zurzeit sowieso täglich an die Konzerne erfolgen muss.

    Fakt ist dennoch, dass die Bundesregierung derzeit ihre eigenen Ziele verfehlt hat.

  • Telecom verkauft 64k dediziert Internet. Widnerbar. Können die mein altes GSM HAndy welches die Gegenstelle in russich Uganda darstellt auf von 9.6K her fernaufbrezeln?

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