Bulmahn will Hauptschulen abschaffen
Pisa-Studie stachelt Debatte über Schulstruktur an

Pisa macht es möglich: Erneut wurde die Debatte nach dem mittelmäßigen Abschneiden deutscher Schüler in der zweiten Pisa-Bildungsstudie über die Schulstruktur entfacht. Eine Ende der Diskussion ist weit und breit nicht in Sicht.

HB BERLIN. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn sprach sich am Dienstag für die Abschaffung der Hauptschulen aus. „Ich glaube nicht, dass die Hauptschule auf Dauer ein zukunftsträchtiges Modell ist“, sagte die SPD-Politikerin. Am Bedrückendsten sei, dass sich bei den schlechtesten Schülern nichts getan habe und rund 22 % die Schule mit mangelnden Kenntnissen verließen. Wie Bulmahn bezeichneten auch die Gewerkschaft GEW, der DGB und die Grünen die frühe Festlegung der Kinder auf ihren Bildungsweg mit der Schulwahl im Alter von zehn Jahren als Grundproblem. Sie forderten eine längere Zeit gemeinsamen Lernens aller Kinder.

CSU-Chef Edmund Stoiber sprach dagegen von einem „Offenbarungseid einer jahrzehntelang ideologisierten roten Bildungspolitik“, die weiter auf die Gesamtschule setze. Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt warnte, es führe nicht weiter, abwechselnd Gesamtschulen, das gegliederte Schulsystem oder die Kultusministerkonferenz zum Sündenbock zu machen.

In der am Montagabend vorgestellten Pisa-Studie 2003 haben sich die deutschen Schüler gegenüber der ersten Pisa-Studie vor drei Jahren leicht verbessert. Sie erreichen nun einen Mittelwert von 503 Punkten. Sie liegen damit drei Punkte über dem Durchschnitt der 41 Länder, die an der OECD-Studie teilgenommen haben. In kaum einem anderen Land hängen die Bildungschancen so stark von der sozialen Herkunft ab wie in Deutschland.

In Deutschland bestehe weiter ein dramatischer Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg, sagte Bulmahn. Kinder aus unteren Einkommensschichten hätten nach wie vor schlechtere Bildungschancen. „Die Vernachlässigung dieser Schüler ist ein Armutszeugnis für unser Land.“ Die Schere zwischen guten und schlechten Schülern sei noch größer geworden. Es sei nur besseren Ergebnissen an den Gymnasien und im oberen Drittel der Realschüler zuzuschreiben, dass Deutschland sich in der Studie insgesamt leicht verbessert habe.

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