Bundesagentur für Arbeit
Arbeitslosigkeit steigt stärker als erwartet

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im März um 34 000 auf 3 586 000 gestiegen. Das waren 78 000 mehr als vor einem Jahr, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag in Nürnberg berichtete. Die Arbeitslosenquote nahm um 0,1 Punkte auf 8,6 Prozent zu.

HB NÜRNBERG. „Der konjunkturelle Abschwung wirkt sich zunehmend auf den Arbeitsmarkt aus“, sagte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise. Allerdings habe Kurzarbeit dem stabilisierend entgegengewirkt. In den vergangenen Jahren hatte der Frühjahrsaufschwung im März zu sinkenden Arbeitslosenzahlen geführt.

„Die drei wichtigsten Indikatoren des Arbeitsmarktes entwickelten sich negativ: Die Arbeitslosigkeit stieg, die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahm ab, und die Arbeitskräftenachfrage ging weiter zurück“, sagte Weise über die Entwicklung in diesem März. Grund sei die schwere Rezession, in der sich die deutsche Wirtschaft befinde. Obwohl weniger Arbeitskräfte auf den Markt drängten, stieg die Arbeitslosenzahl im Vergleich zum Vorjahr zum ersten Mal seit Dezember 2005.

BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker erläuterte, Unternehmen in Deutschland hätten zwischen November 2008 und Februar 2009 für 1,625 Millionen Beschäftigte Kurzarbeit angemeldet. Dies sei etwa 26 Mal so viel wie im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Für März rechnet die Bundesbehörde mit einem neuen Rekord bei Anträgen auf Kurzarbeit.

Nach vorläufigen Erkenntnissen sei mit bis zu 740 000 Anmeldungen zu rechnen, sagte Becker. Allerdings führten nicht alle Unternehmen die bewilligte Kurzarbeit auch tatsächlich ein.

Saisonbereinigt stieg die Arbeitslosenzahl in Deutschland im März um 69 000 auf 3,401 Millionen. Im Westen nahm die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl um 57 000, im Osten um 12 000 zu. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten lag nach den neuesten Daten vom Januar nach Hochrechnungen der BA bei 27,33 Millionen, was gegenüber dem Vorjahr noch einen Zuwachs von 250 000 bedeutet.

BA-Chef Weise rechnet für dieses Jahr nicht mehr mit einem Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt. „Auch in der zweiten Jahreshälfte wird es noch keine Belebung geben“, sagte er. Eine Entspannung sei frühestens 2010 zu erwarten. „Aber wann genau das der Fall ist, hängt von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung ab.“ In diesem Jahr sei damit zu rechnen, dass die Zahl der Arbeitslosen über vier Millionen steige. Wie stark die Erwerbslosenzahl zunehme, hänge auch davon ab, wie lange Unternehmen das Instrument der Kurzarbeit nutzten.

Unterdessen wurde bekannt, dass im vergangenen Jahr gegen Arbeitslose so viele Strafmaßnahmen verhängt worden wie noch nie zuvor. In 741 115 Fällen und damit 16 Prozent mehr als 2007 wurde die Auszahlung des Arbeitslosengeldes zeitweise gesperrt, wie der Sprecher der Bundesagentur für Arbeit, Kurt Eikemeier, sagte. Er bestätigte damit einen Bericht der „Bild“-Zeitung.

Drastisch gestiegen sind den Angaben zufolge vor allem die Sperrzeiten wegen verspäteter Arbeitssuchend-Meldung. Die Zahl nahm um 22,8 Prozent von 239 459 im Jahr 2007 auf 294 015 Fälle imvergangenen Jahr zu. Gegenüber 2006 hat sich die Zahl sogar fast verdoppelt. Die Sanktion wird verhängt, wenn sich Arbeitnehmer nicht sofort nach Bekanntwerden der Kündigung bei der Arbeitsagentur melden. Ihre Leistungen werden dann für eine Woche gesperrt.

Insgesamt 213 129 Sperrzeiten entsprechend einer Zunahme um 15 Prozent wurden wegen Meldeversäumnissen verhängt, 181 824 wegen Arbeitsaufgabe (plus 6,5 Prozent), 27 409 (plus 18,6 Prozent) wegen einer Arbeitsablehnung, 10 709 (plus 31,6 Prozent) wegen Ablehnung einer beruflichen Eingliedermaßnahme, 10 507 (plus 11,5 Prozent) wegen unzureichender Eigenbemühungen und 3 522 (plus 11,7 Prozent) wegen Abbruchs einer beruflichen Eingliederungsmaßnahme.

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