Bundesagentur hütet Stellenpool: Jobs fürs Volk

Bundesagentur hütet Stellenpool
Jobs fürs Volk

Die Bundesagentur für Arbeit hütet einen besonderen Schatz: Im sogenannten Stellenpool sind alle freien Stellen Deutschlands verzeichnet. Jetzt drängen Privatpersonen und Unternehmen darauf, dass die Daten aus diesem Pool geteilt werden müssen – zum Vorteil für Arbeitssuchende.

BERLIN/DÜSSELDORF. Wer ihn nicht kennt, könnte ihn für einen Oberstudienrat halten, der kurz vor der Pensionierung steht: rundes Gesicht, zerzauste, graue Haare, tief liegende Augen, randlose Brille.

Aber so harmlos, wie er wirkt, ist Erich Pipa, 58, ganz und gar nicht. Pipa ist Landrat im Main-Kinzig-Kreis, und er bringt derzeit Frank-Jürgen Weise massiv in Bedrängnis.

Dem Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA) droht gar Zwangshaft, wenn er nicht ein Gerichtsurteil umsetzte und Pipa endlich Zugang zum Stellenpool der Behörde verschaffte. Dort werden alle offenen Stellen in Deutschland erfasst – ein zentrales Instrument für die Betreuung von Arbeitslosen. Der Stellenpool ist so was wie der Goldschatz der BA.

Zwar hob ein Gericht im Januar die gegen Weise verhängte Zwangshaft zunächst wieder auf. Doch Landrat Pipa kämpft weiter. „Wir werden jetzt noch mal eine außergerichtliche Einigung zu erzielen versuchen“, lässt er mitteilen. „Wenn die BA auch dann nicht reagiert, dann probieren wir es mit einem erneuten Zwangsvollstreckungsverfahren.“

Der Zank ließe sich als Provinzposse abtun, gäbe es da nicht einen weiteren Konflikt um die Job-Datenbank der BA: Auch Internet-Portale und Online-Jobbörsen wie rekruter.de und meine-stadt.de fühlen sich absichtlich beiseite gedrängt, denn auch ihnen gewährt die Nürnberger Behörde seit einigen Wochen keinen Zugriff mehr auf ihre Daten.

Radikal hat die BA ihre Politik gegenüber privaten Job-Vermittlern geändert: Die bekommen nun nur noch einen Bruchteil der Stellenangebote. Unterm Strich habe sich die Zahl der aus dem BA-Computer übermittelten Offerten um 80 Prozent vermindert, klagt einer der Betroffenen: von 400 000 auf 40 000. Offenbar wolle die Bundesagentur ihren Stellenpool wieder monopolisieren, um mit dem knappen Gut – Jobangebote – nur die eigenen Kunden zu bedienen. Denn wer Arbeit hat, dem muss die BA kein Arbeitslosengeld I mehr zahlen.

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