Bundesagentur veröffentlicht künftig auch Ilo-Daten: Neue Statistik weist weniger Arbeitslose aus

Bundesagentur veröffentlicht künftig auch Ilo-Daten
Neue Statistik weist weniger Arbeitslose aus

Am Dienstag bricht ein neues Zeitalter für die deutsche Arbeitsmarktstatistik an. Wenn die Bundesagentur für Arbeit (BA) am 1. März ihre Arbeitslosenzahlen für Februar veröffentlicht, gibt das Statistische Bundesamt zeitgleich eine weitere monatliche Arbeitslosenzahl bekannt – allerdings für den Berichtsmonat Januar.

doh FRANKFURT/MAIN. Die Statistiker verkünden auf Wunsch der Bundesregierung von da an jeden Monat die Zahl der Arbeitslosen nach dem Konzept der International Labour Organisation (Ilo).

Mit dem Ilo-Konzept werden deutlich weniger Arbeitslosen ausgewiesen, da die Organisation andere Kriterien als die Nürnberger Behörde zur Erfassung nutzt. Guido Raddatz, Arbeitsmarktexperte bei der Stiftung Marktwirtschaft in Berlin, prognostiziert, dass die Ilo-Zahl um 600 000 unter der der BA liegen wird. Anfang des Jahres hatte er noch mit einer Differenz von 500 000 gerechnet. Infolge der Zusammenlegung der Arbeitslosen- und Sozialhilfe (Hartz IV) schnellten die Arbeitslosenzahlen der BA für Januar jedoch nach oben: Erstmals wurden 222 000 Sozialhilfeempfänger in der Arbeitslosenstatistik geführt. Vollständig addieren könne man die Sozialhilfeempfänger jedoch nicht, erklärt Raddatz. denn nach der Ilo-Methode, einer Telefonumfrage, beurteilen die Befragten selbst, ob sie als arbeitslos registriert werden.

Nach dem Konzept der internationalen Arbeitsorganisation gilt bereits jeder als erwerbstätig, der mindestens eine Stunde pro Woche gearbeitet hat. Nach BA-Kriterien muss man dagegen mindestens 15 Stunden wöchentlich arbeiten.

Trotz der in Zukunft zeitgleich veröffentlichten Zahlen mit Bezug auf unterschiedliche Berichtsmonate hoffen Arbeitsmarktexperten, dass die Verwirrung nicht größer als der Mehrwert ist. Für die Ilo-Methode sprechen laut dem Präsidenten des Statistischen Bundesamtes, Johann Hahlen, zwei wesentliche Vorteile: „die internationale Vergleichbarkeit und die politische Unabhängigkeit“. Andere EU-Länder wie Schweden und Finnland sowie OECD-Länder wie die USA oder Japan geben die Erwerbslosenzahlen bereits monatlich nach dem Ilo-Konzept bekannt. Die deutschen Statistiker veröffentlichten die Ilo-Daten bislang nur einmal im Jahr. Ein weiterer Pluspunkt ist nach Ansicht von Hahlen die Unabhängigkeit seiner Institution. Das Statistische Bundesamt habe „kein originäres Interesse an den Zahlen“.

Arbeitsmarktexperte Raddatz rechnet damit, dass Regierungsvertreter künftig die Ilo-Zahlen stärker in den Vordergrund rücken werden. „Allerdings werden auch die keine frohe Botschaft.“ Welche Zahl sich langfristig in der öffentlichen Wahrnehmung durchsetzen werde, könne er noch nicht abschätzen.

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