Bundesanwaltschaft präsentiert neuen Zeugen
Urteil im Hamburger Terrorprozess verschoben

Die für Donnerstag geplante Urteilsverkündung im zweiten Hamburger Terrorprozess gegen den angeklagten Marokkaner Abdelghani Mzoudi ist überraschend verschoben worden. Die Bundesanwaltschaft will einen neuen Belastungszeugen präsentieren.

HB HAMBURG. Sie wirft Mzoudi vor, von den Anschlagsplänen der Hamburger Gruppe um den mutmaßlichen Flugzeugentführer Mohammed Atta gewusst und diese logistisch unterstützt zu haben und fordert 15 Jahre Haft für den 31-Jährigen. Nach einer entlastenden Aussage eines anonymen Zeugen war Mzoudi im Dezember aus der Untersuchungshaft entlassen worden.

Jetzt ist nach Angaben des Hamburger Oberlandesgerichtes ein neuer Zeuge aufgetaucht, der den Angeklagten angeblich belasten soll. Auf Antrag der Bundesanwaltschaft solle deshalb erneut in die Beweisaufnahme eingetreten werden, um zwei Polizeibeamte über die Vernehmung eines neuen Zeugen zu vernehmen, teilte Gerichtssprecherin Sabine Westphalen am Mittwoch mit.

Die Bundesanwaltschaft habe dem Gericht am gleichen Tag ein umfangreiches Protokoll vom 19. Januar über die Vernehmung eines Zeugen zugesandt, dem Vertraulichkeit zugesichert worden sei. Gleichzeitig habe die Anklagebehörde beantragt, die Beweisaufnahme für 30 Tage zu unterbrechen, um die Angaben des Zeugen und dessen Glaubwürdigkeit zu überprüfen.

Bei seiner Urteilsfindung sieht sich das Hamburger Gericht hohen politischen Erwartungen ausgesetzt, weil Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) erklärt hat, dass er mit einer Verurteilung Mzoudis rechnet. Für den Fall eines Freispruchs hat Hamburgs Innensenator Dirk Nockemann von der Partei Rechtstaatlicher Offensive bereits angekündigt, den Marokkaner in seine Heimat abzuschieben.

Gegen Mzoudi spricht nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft, dass er im Jahr 2000 gemeinsam mit seinem Freund Mounir El Motassadeq in einem afghanischen Ausbildungslager der moslemischen Extremistenorganisation El Kaida war. Motassadeq war vom Oberlandesgericht zu 15 Jahren Haft verurteilt worden und hat beim Bundesgerichtshof dagegen Revision eingelegt. Ende Januar soll darüber entschieden werden.

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