Bundesanwaltschaft
Terrorist Anis Amri war Einzeltäter

Nach vier Monaten gibt es in Bezug auf den Anschlag am Berliner Weihnachtsmarkt weiterhin offene Fragen. Wie konnte der Attentäter beispielsweise aus Berlin fliehen? Eine Gewissheit gibt es: Amri war ein Einzeltäter.
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Karlsruhe/BerlinKnapp vier Monate nach dem Terroranschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt mit zwölf Toten steht aus Sicht der Ermittler fest, dass der Attentäter Anis Amri allein gehandelt hat. „Es haben sich bisher keine Anhaltspunkte dafür finden lassen, dass weitere in Deutschland ansässige Personen in die Tatvorbereitung oder die Tatausführung eingebunden waren“, heißt es in einer Erklärung zum Stand der Ermittlungen, die Generalbundesanwalt Peter Frank am Mittwoch verbreitete.

Die Bundesanwaltschaft gab auch weitere Einzelheiten zu den Ermittlungen zu dem Anschlag bekannt, bei dem Amri am 19. Dezember zwölf Menschen tötete. Die Auswertung seines Mobiltelefons ergab demnach, dass Amri vor und während der Tat mit einem IS-Mitglied im Ausland kommunizierte. Schon sieben Wochen vor dem Anschlag, am 31. Oktober oder 1. November 2016, nahm Amri den Ermittlungen zufolge in Berlin ein Video von sich selbst auf, in dem er Muslime zum Dschihad aufrief und den Treueeid auf den Führer der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) schwor. Danach habe sich sein Surfverhalten im Internet verändert. Die Auswertung seines Mobiltelefons, das er am Tatort zurückließ, ergab den Angaben zufolge, dass Amri bis Mitte November vor allem Pornos im Internet aufrief. Ab Anfang Dezember seien es dagegen fast nur noch islamistisch-dschihadistische Inhalte gewesen.

Ab Ende November spähte Amri offenbar zu Fuß den späteren Tatort aus, er hielt sich fast täglich zwischen Putlitzbrücke und Torfstraßensteg auf. Dort kaperte er am Tattag den LKW des polnischen Fahrers Lukasz U., den er im Fahrerhaus mit einem Kopfschuss tötete. Videoaufzeichnungen eines Anliegers und eine weitere Kameraaufzeichnung belegten, dass Amri am Tattag dort alleine unterwegs war, erklärte die Bundesanwaltschaft weiter. Er erschoss den Ermittlungen zufolge um 19:30 Uhr den polnischen Fahrer.

„An seinem Leichnam befanden sich keine Verletzungen, die auf ein Kampfgeschehen schließen lassen“, erklärte die Bundesanwaltschaft. Die Untersuchungen des Tat-Lasters seien abgeschlossen. „Er wird zeitnah an die polnischen Strafverfolgungsbehörden übergeben.“ Wenige Tage später wurde Amri in Mailand von Polizisten auf der Flucht erschossen.

Wie der Islamist nach dem Attentat aus Berlin fliehen konnte, sei weiter offen, erklärte die Bundesanwaltschaft weiter. Kurz nach dem Anschlag sei er an dem Abend dreimal von Videokameras in Berlin gefilmt worden. Auf den Bildern sei er mit einem Rucksack zu sehen. Zudem habe er die Schuhe gewechselt, was darauf schließen lasse, dass er nach dem Anschlag noch einmal in seiner Wohnung war.

Das nächste Mal sei der Tunesier erst am 21. Dezember in einem Bus von Emmerich nach Kleve in Nordrhein-Westfalen beobachtet worden. Laut Mitteilung konnten die Ermittler rekonstruieren, dass er sich an dem Tag neu einkleidet hat. Er habe bei einem Textilhändler in Kranenburg nahe der niederländischen Grenze Boxershorts, Socken, Jogginghose und Schal gekauft. Wie Amri von Berlin nach Emmerich kam, sei weiter unklar.

Dem toxikologischen Gutachten der italienischen Behörden zufolge hatte Amri weder kurz vor seinem Tod noch in den Tagen zuvor Betäubungsmittel oder bewusstseinsverändernde Mittel zu sich genommen. Allerdings zeigten Rückstände in seinen Haaren, dass Amri in der Vergangenheit mehrfach in geringeren Mengen Cannabisprodukte und häufiger in größeren Mengen Kokain konsumiert habe.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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