Bundesbank

Merkel stärkt Weidmann den Rücken

Angela Merkel hat sich hinter Bundesbankchef Weidmann gestellt. In einem Fernsehinterview sagte die Kanzlerin, dass Diskussionen um den richtigen Kurs der EZB normal seien. Schelte gab es dagegen für einige Politfreunde.
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Kanzlerin Merkel: "Alles völlig normal". Quelle: dpa

Kanzlerin Merkel: "Alles völlig normal".

(Foto: dpa)

BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Bundesbankchef Jens Weidmann ihre Unterstützung ausgesprochen. Sie sei dafür, "dass er möglichst viel Einfluss innerhalb der Europäischen Zentralbank hat", sagte Merkel in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin", die am Sonntagabend ausgestrahlt werden sollte.

Hintergrund ist Weidmanns Kritik an Plänen von EZB-Chef Mario Draghi, Staatsanleihen angeschlagener Euroländer aufzukaufen. Dass es zwischen den Notenbankern Diskussionen gebe, "halte ich auch nicht für ungewöhnlich", sagte die Kanzlerin.

Merkel sagte, die EZB sei unabhängig, "sie hat aber einen ganz klaren und beschränkten Auftrag, zur Geldwertstabilität beizutragen". Sie habe "nach wie vor Vertrauen", dass die EZB auf Grundlage dieses Mandats ihre Beschlüsse fälle, sagte die Kanzlerin.

Derweil rief Merkel die schwarz-gelbe Koalition auf, die Euro-Debatte nicht noch extra anzuheizen. "Wir sind im Augenblick in einer sehr entscheidenden Phase der Bekämpfung der Euro-Schuldenkrise und deshalb glaube ich schon, wir sollten alle unsere Worte wägen", sagte Merkel. Damit reagierte sie auf Äußerungen von CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt über eine Euro-Zone ohne Athen.

Dobrindt hatte zuvor der "Bild am Sonntag" gesagt, an einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone führe aus seiner Sicht kein Weg vorbei. "Ich sehe Griechenland 2013 außerhalb der Euro-Zone." Erst am Freitag hatte Merkel nach einem Gespräch mit dem griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samaras versichert, sie wolle, dass dessen Land in der Eurozone bleibe.

"Wir haben füreinander in Europa Verantwortung", mahnte die Kanzlerin. Sie erinnerte an die "riesigen Einschnitte", die die Griechen derzeit zu verkraften hätten. "Meine Bitte: Jeder sollte die Worte sehr wägen", sagte sie. Es zähle derzeit jeder Tag bei der Umsetzung der vereinbarten Spar- und Reformanstrengungen, fügte die Kanzlerin hinzu.

Entscheidungen über den weiteren Umgang mit Griechenland könnten noch nicht fallen: "Ich schaue mir dann den Troika-Bericht an und bewerte dann die Dinge", sagte Merkel. Der Bericht der Experten von Europäischer Zentralbank EZB, Internationalem Währungsfonds und EU-Kommission wird für September oder Oktober erwartet.

Ausdrücklich lobte Merkel in dem Interview den neuen griechischen Premier Samaras: "Ich habe den Eindruck, dass er sich ernsthaft anstrengt." Zugleich beklagte die deutsche Regierungschefin eine ungleiche Verteilung der Lasten in Griechenland. "Das Ungerechte ist ja auch, dass die, die viel Geld haben, längst über alle Berge sind und ihr Geld woanders angelegt haben. Und die einfachen Leute müssen an vielen Stellen diese Dinge jetzt ausbaden - und das ist extrem ärgerlich." Leider sei dies in der Finanzkrise immer wieder der Fall.


  • dapd
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32 Kommentare zu "Bundesbank: Merkel stärkt Weidmann den Rücken"

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  • @Broker89

    "Und wenn ich hier so etwas wie Lügnerin und Blenderin höre wird mir gleich schlecht "

    Viele im Volk sind besorgt um ihre hart erwirtschafteten Ersparnisse und um die hart aufgebaute Altersversorgung. Frau Merkel aeussert sich immer nur ueber ihre Sorgen zur Zukunft des Euros, aber nicht zur Zukunft des eigenen Volkes. Daraus entsteht Unsicherheit.

  • Viele verschiedene Meinungen hört man hier und das ist auch gut so. Ist ja schließlich ein Forum zum Meinungs-
    austausch.

    Was mir hier aber immer öfter auffällt ist dieses gegen die Griechen und gegen Dt. Regierung gehetze. Es stimmt
    das es die Griechen und vorallem die einfachen Leute momentan sehr schwer haben deshalb bin ich auch für einen Aufschub um die Bedingungen umzusetzen.

    Auch mit mehr Zeit wird es schwer werden früher oder später aber wohl später wird es zu einem Austritt der Griechen kommen. Und wenn ich hier so etwas wie Lügnerin und Blenderin höre wird mir gleich schlecht Fr. Merkel hat eben viel Verantwortung und damit richtig umzugehen ist nicht einfach. Möglicherweise fährt sie zurzeit auch einen etwas harten Kurs aber dieser Kurs hat ja gezeigt das Dt. immernoch eine sehr wichtige Position in Europa hat.

    mfg

  • Eine Lügnerin und Blenderin, mehr ist das nicht und man kann nur hoffen dass ein Volksaufstand diesem Wahnsinn bald in die Quere kommt. Alles andere macht keinen Sinn mehr.

  • Frau Merkel braucht eben noch etwas Zeit den "wichtigen" Menschen ihren Platz in den Rettungsbooten zu sichern. Die 2. und 3.Klasse darf dann sehen wie sie den Untergang der Euro-Titanic überlebt. Hauptsache das Spiel kann dann neu beginnen.
    Wie war das mit Merkels Amtseid: "Dem deutschen Volke..." - LOL.

    Und die Idioten wählen diese Lügnerin vor dwem Herren wieder, und wieder, und ....

  • "Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Bundesbankchef Jens Weidmann ihre Unterstützung ausgesprochen. Sie sei dafür, "dass er möglichst viel Einfluss innerhalb der Europäischen Zentralbank hat""

    Meine Guete Frau Merkel, gibt es doch noch Hoffnung in all der Hoffnungslosigkeit? Ich kann es fast nicht glauben. Vielleicht eine Fehlinterpretation der Presse?

  • So ist das eben im Politbüro und bei gleichgeschalteten Medien. Der Kremel lässt grüßen.
    September 2013: 'Freie Wähler' wählen, verpasst den Blockparteien einen Denkzettel!

  • Die ARD-Sendung "Bericht aus Berlin", hat an Schärfe verloren.
    Eine gut erholte Kanzlerin Merkel, saß zwei Journalisten gegenüber, deren Fragen waren weder scharf noch bohrend.
    Man gewann den Eindruck, der Kanzlerin waren die Fragen bekannt.
    Für mich war es ein nichtssagendes Geplauder zur besten Sendezeit, keine wirklichen Informationen für die Bürger.
    Auf solches Interview kann man getrost verzichten.

  • Gute Entscheidungen von Merkel?
    Welche denn?
    Sie hätte schon längst Griechenland den Geldhahn zudrehen sollen, als noch keine zig Milliarden deutscher Steuergelder dort versickert waren!
    Merkel'sche Politik macht uns kaputt.
    Bleiben bei der nächsten Wahl nur die neu antretenden "freien Wähler", die klipp und klar NEIN sagen zur deutschen Finanzierung der Schuldenstaaten!

  • Letzendlich wird uns Merkel alternativlos verkaufen und dies dann noch als Glanzleistung darstellen! Der deutsche Michel wird bezahlen auf die eine oder andere Weise. Die Verlängerung/Streckung der Auflagen für die Pleitegriechen sind doch schon längst beschlossene Sache. Nur noch ein paar Nebelkerzen werfen (Wahlen stehen ja in einem Jahr bevor), und dem Michel Angst machen vor einem Austritt Griechenlands aus dem Euro, dazu die Öffentlich-rechtlichen Medien kleinhalten, d.h. kritische Kommentare dort versuchen zu unterdrücken, und sich dann noch die meinungsbildende BILD ins Boot holen, bis die Griechen nur noch als bedauernswertes Volk dasteht, dem zu helfen alternativlos sei!
    Eben mal wieder "Verarschung" pur durch Merkel!

  • Frau Merkel reagierte dünnhäutig auf Kritik an ihren Euro- Rettungsversuchen, die bisher alle nicht gegriffen haben.
    Manchmal habe ich den Eindruck, sie spricht doppelzüngig. Merkel kritisiert in keiner Weise die sonderbaren Wege von Herrn Draghi, der offensichtlich Europa-Politik mit seiner Staatenhilfe betreibt. Schon sein Vorgänger wurde vor längerer Zeit von Gabriel kritisiert, der die EZB zur größten Bad-Bank der Welt gemacht hat.

    Der CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt spricht nur das aus, was unausweichlich geworden ist und alle Bürger sehen, nur Frau Merkel will das Scheitern des Euro nicht wahrhaben. Wer zuletzt kommt, den bestraft das Leben (Michail Sergejewitsch Gorbatschow).

    Angeheizt wird von der schwarz-gelben Koalition die Euro-Debatte auf keinen Fall Frau Merkel, die Eurodebatte ist schon lange ein Selbstläufer geworden.

    Frau Merkel versucht, die Debatte zu unterdrücken, diese Handhabung ist in einer Demokratie nun mal nicht möglich.

    Es wäre wünschenswert, wenn die CDU-Euro-Kritiker Wolfgang Bosbach und Klaus-Peter Willsch sich öfter zu Wort melden würden. In den angeblich unabhänigen Tageszeitung oder im Fernsehen kommen Bosbach und Willsch nicht zu Wort.

    "Ich schaue mir dann den Troika-Bericht an und bewerte dann die Dinge", sagte Merkel“.

    Bei dieser Aussage wird mir ganz schlecht, soll das heißen, die Chefin entscheidet, die Parlamentarier haben gefälligst das Urteil der Chefin umzusetzen.

    Dieses Demokratiebild fand schon zu DDR-Zeiten beim Volk keine Zustimmung und passt nicht zum westlichen Demokratieverständnis.



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