Bundesbank-Reserven im Blick
Zukunftsfonds soll auf Gold gebaut werden

Der milliardenschwere Goldschatz der Bundesbank ist wieder einmal begehrlichen Blicken der Politik ausgesetzt: Union und SPD wollen die Goldreserven verkaufen, um mit den Einnahmen einen Zukunftsfonds zu finanzieren. Der Haken: Über den Verkauf entscheidet die Bundesbank - allein.

HB BERLIN. Ein Teilnehmer der Koalitionsverhandlungen sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag, Mittel aus dem Fonds könnten ab 2008 in den Haushalt gehen. CSU-Vize Horst Seehofer erläuterte, bei der Frage der Goldreserven gehe es darum, was mit den nach einen Verkauf erzielten Zinseinkünften geschehe. Es werde nicht um die Erlöse gefeilscht, sondern um die folgenden Zinserträge. Dies sei Thema der Spitzenrunde. Die Bundesbank verfügt über Gold in einem Gesamtwert von rund 35,5 Milliarden Euro. FDP-Vize Rainer Brüderle kritisierte, die Bundesbank könne nicht zum Verkauf der Reserven gezwungen werden.

Über den Verkauf ihres Goldes entscheidet allein die Bundesbank. Ihr Präsident Axel Weber hatte erst am Donnerstag bekräftigt, über Verkäufe werde die Zentralbank erst im Zusammenhang mit dem Aufstellen der Jahresbilanz 2005 entscheiden. Die Öffentlichkeit werde dann bei der Vorlage der Bilanz am 14. März informiert. Auch am Freitag wollte die Bundesbank die Verkaufs-Pläne der Parteien nicht kommentieren.

Die Bank hatte sich unter dem seit 2004 laufenden fünfjährigen Goldabkommen der europäischen Zentralbanken eine Option auf den Verkauf von 600 ihrer insgesamt rund 3433 Tonnen Gold gesichert. Ende 2004 beschloss der Bundesbank-Vorstand aber, im ersten Jahr des Abkommens kein Gold zu verkaufen. Die Zentralbank wollte den Ertrag aus Goldverkäufen, der über den Bundesbankgewinn dem Bund zufließen würde, nicht zum Stopfen von Haushaltslöchern verwendet sehen.

Nach einem Beschluss unter Webers Vorgänger Ernst Welteke hatte die Bundesbank beschlossen, Gold nur zu verkaufen, wenn die Substanz dieses über Jahrzehnte aufgebauten Volksvermögens erhalten bleibe. Welteke hatte seinerzeit vorgeschlagen, den Erlös aus Goldverkäufen anzulegen und mit der Rendite daraus einen Fonds für Forschung und Bildung zu finanzieren. Mit dieser Idee war er aber an politischem Widerstand aus Berlin wie aus dem eigenen Haus gescheitert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%