Bundesbank
Weidmann kritisiert Griechenland-Plan scharf

Bundesbankchef Weidmann lässt kein gutes Haar an den Beschlüssen des Euro-Gipfels: Der Rettungsplan für Griechenland schwäche die Grundlagen der Währungsunion. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet verteidigt die Notenbank.
  • 44

FrankfurtDie Beschlüsse des Euro-Gipfels haben einen Aufschrei der Bundesbank ausgelöst. Deren Präsident Jens Weidmann warnte am Freitagabend in scharfen Worten vor einem langfristigen Schaden für den Währungsraum. Er räumte zwar ein, dass die Vereinbarung der Euro-Staaten für neue Griechenland-Hilfen zunächst für Ruhe an den Märkten sorgen dürfte. Seinen Worten zufolge wurde beim Brüsseler Treffen aber die Tür geöffnet für eine von Deutschland bislang vehement abgelehnte Transferunion und eine Aufweichung der Haushaltsdisziplin in Europa.

„Indem umfangreiche zusätzliche Risiken auf die Hilfe leistenden Länder und deren Steuerzahler verlagert werden, hat der Euro-Raum aber einen großen Schritt hin zu einer Vergemeinschaftung von Risiken im Falle unsolider Staatsfinanzen und gesamtwirtschaftlicher Fehlentwicklungen gemacht“, kritisierte er. „Dies schwächt die Grundlagen der auf fiskalischer Eigenverantwortung bauenden Währungsunion. Künftig wird es noch schwieriger, die Anreize für solide Finanzpolitiken aufrechtzuerhalten“, bemängelte Weidmann, der bis vor wenigen Wochen einer der engsten Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel war.

Auch EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sprach sich für eine strengere Kontrolle der Staatshaushalte in Europa aus. „Wir fordern einen Quantensprung der wirtschaftlichen Aufsicht im Euro-Raum“, sagte Trichet. Die Überwachung müsse automatisch, schnell und so effektiv wie möglich funktionieren. Zudem müsse es künftig möglich sein, einem Land „Maßnahmen aufzuerlegen“, falls es sich nicht an Absprachen halte.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank verteidigte zudem seine Zustimmung zum neuen Hilfspaket für Griechenland. Die Politiker seien bei dem Euro-Gipfel den Forderungen der EZB in zwei wesentlichen Punkten entgegengekommen, sagte Trichet der „Süddeutschen Zeitung“. So sähen die Beschlüsse des Gipfels keinen Zwang bei der Beteiligung des Privatsektors vor, und zudem werde ein Kreditereignis vermieden.

Dritte Forderung der EZB war es, die Feststellung eines - auch teilweisen - Zahlungsausfalls durch die Ratingagenturen auszuschließen. Doch genau dazu dürfte es nach den Gipfelbeschlüssen nun doch kommen. Trichet hat dies im Gegenzug für gewisse Zugeständnisse der Politik schließlich akzeptiert: Damit die EZB während der voraussichtlich nur kurze Zeit dauernden offiziellen Pleite die griechischen Staatsanleihen trotzdem als Sicherheiten für Kredite an griechische Banken anerkennt, müssen die Euro-Länder für diesen Zeitraum Milliarden-Garantien bei der EZB hinterlegen.

Merkel selbst dagegen nannte die Gipfel-Ergebnisse bedeutend, betonte aber erneut, solche Krisen ließen sich nicht mit einem einzigen spektakulären Befreiungsschlag lösen. Regierungen, Märkte und Wirtschaft hatten mit Erleichterung auf die beschlossenen neuen Griechenland-Hilfen reagiert. „Unser Land ist von dem Alptraum einer Pleite erlöst worden“, sagte Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou. Bei den Banken, die sich freiwillig mit insgesamt rund 50 Milliarden Euro beteiligen werden, war ein Aufatmen spürbar. Nachdem die Bundesregierung lange auf einen „substanziellen“ Beitrag zu Griechenland-Hilfen gepocht hatte, fiel dieser am Ende weniger stark aus als in der Branche befürchtet.

Seite 1:

Weidmann kritisiert Griechenland-Plan scharf

Seite 2:

Streitpunkt Rettungsschirm

Kommentare zu " Bundesbank: Weidmann kritisiert Griechenland-Plan scharf"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ R.Ruf,

    warum dann nur zwei und nicht drei Währungszonen?
    Das würde den Mitgliedern noch mehr Vorteile verschaffen.
    Aber in welcher Währung würden dann die Schulden zurückbezahlt?
    Wie hoch wären die Zinsen für den Peripherie-Euro?
    Das ist reiner wishful thinking!
    Wenn der Euro nicht hält dann gibt es wieder Nationalwährungen. Das Problem ist das wir eine Währungsunion haben ohne Fiskalunion und das kann nicht funktionieren. Ich bin aber Optimist und glaube dass die Politiker, wenn unter Zugzwang, diesen Schritt auch tun werden. Deutschland ist die eigentliche Bremse weil z.Z. Deutschland die größte Vorteile durch die Währungsunion hat ohne deren Nachteile oder kaum Nachteil. Beeinflusst durch die Media sind die Deutsche des Gegenteils überzeugt und denken Deutschlands wirtschaftlischer Erfolg hat damit nicht zu tun .
    Das wird sich aber nach und nach ändern müssen.
    Frau Merkel muss eben so tun als denke sie das nicht weil die Mehrheit in Deutschland, vor allem seit der Wiedervereinigung, sehr nationalistisch eingestellt ist, ich bin aber überzeugt dass Sie weist das es keine Alternative zur Währungsunion mehr gibt.

  • "Flankiert werden soll das mit einer Ausweitung der Handlungsmöglichkeiten des vorläufigen Euro-Rettungsschirmes EFSF. Der soll künftig auch in Grenzen Staatsanleihen am Sekundärmarkt kaufen und Kredite bei sich anbahnenden Krisenfällen an Länder vergeben können."

    Das heißt die Griechenlandanleihen, die in einer grossen Anzahl in der EZB lagern - könnten also in die Keller von EFSF verschoben werden?

    Die EZB bekommt dann wieder eine reine Weste und die schmutzige hat dann die EFSF um, d.h. die tragen dann alle Euro- Finanzminister gemeinsam . Die Schuldenlast eines Problemstaates wird dann praktisch "sozialisiert". Der leninistische Sozialismus erfreut sich einer dank der EU lustigen Wiederkehr . Und Karl Marx schüttelt den Kopf und sinniert ": "typisch kapitalistisch - aber ich habe doch gar keine Rettungsschirme in meinem Kapital eingeführt". Aber das Ende des Sozialismus ist ja auch schon so bekannt-mit oder ohne Schirme.

  • @Machiavelli
    Es handelt sich nicht um eine zwei-Klassen-Gesellschaft, die einen "besser", die anderen "schlechter", sondern um eine nach Zweckmäßigkeitsgesichtspunkten betriebene Teilung. Die Einordnung zu der einen oder der anderen Gruppe erfolgt rein nach ökonomischen Voraussetzungen.
    Die Zugehörigkeit zum Peripherie- Euro verschafft den Mitgliedern erhebliche Vorteile, sie können z.B. durch Abwertung der Teilwährung erheblich an Wettbewerbskraft gewinnen. Was sollten sie dagegen haben?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%