Bundesbankpräsident

„Weidmann gerät immer mehr in Bedrängnis“

Der Streit zwischen EZB und Bundesbank über den richtigen Weg aus der Krise droht auszuufern – mit möglicherweise harten Konsequenzen. In Berlin fürchtet man, der deutsche Notenbankchef Weidmann könnte hinschmeißen.
155 Kommentare
Jens Weidmann ist der Präsident der Bundesbank, die in Schritt 3 des Schuldenmachens ein ausführendes Organ ist. Die Bundesbank organisiert gemeinsam mit der Finanzagentur die Bieterauktionen für die begebenen Schuldtitel. Die Auktionen finden in der Regel zwei Mal die Woche statt, und zwar montags und dienstags oder montags und mittwochs. Montags werden kurzlaufende Geldmarktpapiere mit Laufzeiten von sechs Monaten versteigert. Zweijährige Bundesschatzanweisungen gibt es einmal im Monat an einem Dienstag, fünf- zehn- und 30jährige Anleihen jeweils mittwochs. Dazu gibt es noch an bis zu zehn Dienstagen inflationsindexierte Wertpapiere des Bundes. Quelle: Reuters
Bundesbank.

Jens Weidmann ist der Präsident der Bundesbank, die in Schritt 3 des Schuldenmachens ein ausführendes Organ ist. Die Bundesbank organisiert gemeinsam mit der Finanzagentur die Bieterauktionen für die begebenen Schuldtitel.

Die Auktionen finden in der Regel zwei Mal die Woche statt, und zwar montags und dienstags oder montags und mittwochs. Montags werden kurzlaufende Geldmarktpapiere mit Laufzeiten von sechs Monaten versteigert. Zweijährige Bundesschatzanweisungen gibt es einmal im Monat an einem Dienstag, fünf- zehn- und 30jährige Anleihen jeweils mittwochs. Dazu gibt es noch an bis zu zehn Dienstagen inflationsindexierte Wertpapiere des Bundes.

(Foto: Reuters)

BerlinEs sieht nicht gut aus für Jens Weidmann.  Der Präsident der Deutschen Bundesbank stemmt sich vehement gegen den Krisenkurs der Europäischen Zentralbank (EZB). Doch alle seine Warnungen werden von EZB-Präsident Draghi in den Wind geschlagen. Dabei steht Weidmann mit seiner Kritik an der Zentralbank und ihrem Versprechen, auch künftig im Fall der Fälle Staatsanleihen von Euro-Wackelkandidaten aufzukaufen, nicht allein.

Selbst der frühere EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark hält das Anleihenprogramm für eine „verbotene monetäre Finanzierung“ von Staatshaushalten. Weidmann selbst warnte, solche Hilfsaktionen könnten „süchtig machen wie eine Droge“. Auch für ihn ist die EZB-Strategie, Staatspapiere zu kaufen, um das überhöhte Zinsniveau in den Euro-Krisenländern zu drücken, zu nah an einer Staatsfinanzierung durch die Notenpresse.

Draghi lassen solche Einwände kalt. „Die Europäische Zentralbank wird alles Notwendige tun, um die Preisstabilität zu gewährleisten“, schreibt Europas oberster Währungshüter in einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung „Die Zeit“: „Sie wird unabhängig bleiben. Und sie wird immer im Rahmen ihres Mandats handeln.“ Angst und Irrationalität an den Kapitalmärkten mit entsprechenden Folgen erforderten aber außergewöhnliche Maßnahmen.

Mit diesen knappen Formulierungen lässt Draghi die Kritik aus Deutschland abperlen. Weidmann und Stark stehen im Regen. Für den Bundesbankchef ist das besonders bitter, weil er, wie es scheint im EZB-Rat mit seiner Haltung isoliert ist. Als Verfechter eines konsequenten Stabilitätskurses deutscher Tradition wird Weidmann zwar nicht müde, den Finger in die Wunde zu legen: „Egal, ob es um Zinsen geht oder um irgendwelche Sondermaßnahmen - am Ende läuft es immer darauf hinaus, dass die Notenbank für Ziele der Fiskalpolitik eingespannt werden soll“, sagt er. Damit überschätze die Politik aber die Möglichkeiten der Notenbank und überfordere sie.

Doch in der EZB ist das inzwischen eine Einzelmeinung. Denn Weidmann war der einzige, der bei der letzten EZB-Ratssitzung gegen Draghis Pläne stimmte. Intern gibt der Widerstandskämpfer in Nadelstreifen bereits Durchhalteparole aus: „Wir werden weiterhin mit allen Mitteln und auf allen Ebenen für unsere Positionen eintreten, damit die Währungsunion weiter als Stabilitätsunion gelebt wird“, hieß es jüngst im Mitarbeitermagazin der Bundesbank.

"Asmussen spielt die Partitur von Draghi"
Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Bundesbankpräsident - „Weidmann gerät immer mehr in Bedrängnis“

155 Kommentare zu "Bundesbankpräsident: „Weidmann gerät immer mehr in Bedrängnis“"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Sorry, um die Pro-Kopf-Verschuldung.

  • "Staatsverschuldung 1950-2011" Vortrag von H.W. Sinn auf Youtube - sehr empfehlenswert! Allerdings verspricht er sich da meiner Ansicht nach, denn er sagt "Billionen" (englisch billions), die Tabelle zeigt aber Milliarden an. Es handelt sich da um die Privatverschuldung von Luxemburg.

  • @ popper
    Man muß bei dieser Betrachtung doch auch den Zustand der Wirtschaft berücksichtigen. Liegt sie danieder und gibt es viele Arbeitslose, dann kann Geld vom Himmel regnen, es gibt keine Inflation. Wenn die Wirtschaft sich aber wieder erholt und die Leute Arbeit finden, dann gelangt das viele Geld in den Kreislauf und die Preise explodieren = Hyperinflation. Das mit der "Neutralisierung" durch die Zentralbanken gelingt ja wohl nur in ganz engem Rahmen.

  • Hallo @ wolle100,

    mit Rücktritt und Flucht aus der Verantwortung ist Deutschland nicht geholfen. Wir haben schon genug bedeutende Köpfe in der Euro-Krise verheizt.

    Herr Weidmann ist eine nicht zu unterschätzende Persönlichkeit in der EU, er hat die etwa 90 % der Bevölkerung von Deutschland als Verstärkung im Rücken.
    Die deutsche Bevölkerung steht hinter Weidmann.
    Er ist mit seinen Auffassungen ein Schwergewicht und dem „Gelddrucker Draghi ein Dorn im Auge“.

    Die Lage verschärft sich, siehe folgenden Artikel im Handelsblatt:

    Ein Investmentprofi aus dem Hause Buffett warnt vor Frankreich-Anleihen. Nicht besser als die italienischen Bonds seien die, sagt er. Viele Anleger zahlten einen hohen Preis dafür. Buffett hat die Bonds längst verkauft.

  • @ usafan,
    weil diese Länder nie in der Währungsunion waren, das Austreten ist das Problem, ein Austritt aus der Währungsunion ist nur zusammen mit einem Austritt aus der EU möglich.

  • @Willkuer,
    und wer, wenn nicht die Mehrheit der EZB, sollte sonst die Entscheidungen fallen?
    Vielleicht Weidmann?

  • Und Sie nichts von dem Bundesbankgesetz. Die Bundesbank ist keine große Sparkasse und auch nicht verpflichtet, Abschreibungen in ihrer Bilanz auszugleichen. Mehr noch, die weit verbreitete Vorstellung, nach der die Bundesrepublik mit Steuergeldern für etwaige Verluste der Bundesbank haften müsste, ist ebenfalls falsch. Die gesetzlichen Bestimmungen dazu sind eindeutig und auch in der Vergangenheit kam es noch nie vor, dass Verluste der Bundesbank durch Steuergelder ausgeglichen wurden, obgleich die Bundesbank in den 1960er und 1970ern regelmäßig Verluste melden musste. Selbst wenn man das extrem unwahrscheinliche Szenario, das z.B Prof. Sinns Thesen zugrunde liegt, einmal durchspielt, und daraus die gleichen falschen Schlüsse wie Sinn zieht, kann man nicht zum Schluss kommen, dass der Steuerzahler auch nur für einen Cent aus den Target2-Salden haften müsste oder gar würde. Der Frankfurter Professor für Geld-, Währungs- und Notenbankrecht, Helmut Siekmann kommentiert dies folgendermaßen: (http://www.ilf-frankfurt.de/uploads/media/ILF_WP_038.pdf) Vielleicht sollten Sie endlich aufwachen und die Tatsachen zur Kenntnis nehmen.

  • Buerge-r: ein stimmiger Kommentar.

    Nur wie hätte denn D jemals wirklich Gelegenheit gehabt eine Identität aufzubauen? Vergessen wir nicht, die Einigung D's geschah unter Bismarck als Bund der Fürsten, also der Bevölkerung aufgezwungen. Da wird es also schon mal schwierig mit einer Integration, da sowas ja immer mit Widerstand gepaart geht.
    Dann WK 1 und 2. Auch nicht gerade förderlich zur Identitätsbildung. Und seitdem immerwährendes Einhämmern was für ein Unmensch man im Grunde doch ist. Dazu das "Verteil und herrsche-Prinzip".
    Ein Beispiel hiervon ist dieser Vorfall in Rostock. Man nehme ein Gebiet, das wirtschaftlich am Boden liegt mit hoher Arbeitslosigkeit und düsteren Zukunftsaussichten, entsende dorthin eine grössere Gruppe fremder Leiharbeiter, die wahrscheinlich gegen Dumpinglöhne arbeiten. Und dann wundert man sich, wenn es zu Gewaltausbrüchen kommt. Also für mich ist da schon eine grosse Portion Auslockung dabei.

    Ehrlich gesagt, ich erwarte gleichartige Szenarios demnächst in Angola und Mozambique, wo sich ja auch die heimischen Eliten mächtig aufregen, weil jetzt die Portugiesen ihnen nachgewiesenermassen die Arbeitsplätze wegnehmen.
    Zur Verdeutlichung natürlich kann man es nicht gutheissen, aber diese ausschliesslichen Schuldzuweisungen an die Bevölkerung zeigt wenig Bereitschaft, um Verantwortung zu tragen für Fehlverhalten in der Politik.

  • Deshalb ist unser Geschäftsmodell ja so völlig idiotisch. Wir generieren unseren Export auf den Schulden anderer und schneiden ihnen mit unserem Austeritätswahn dann auch noch die Möglichkeit ab ihre eigene wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu entwickeln, um ihre Schulden zurückzuzahlen.

  • @Weidmann

    Sehr geehrter Herr Dr Weidmann ,

    die Institution Deutsche Bundesbank wird von vielen
    Personen , Institutionen und Ländern gefürchtet ,
    geachtet und respektiert.
    Das ist sehr gut so.
    Dank den Alliierten wurde dieses organische System
    gegründet und gebildet .
    Jedes Organ hatte seine rechtsmäßige Macht und bestimmte
    Befugnisse.
    Dank der Deutschen Bundesbank konnte
    die BRD relativ schnell die Krise überwinden
    und entwickelte sich zu einem Topplayer.
    Rechtstreue , Glaubwürdigkeit , Stabilität , Beständigkeit
    Disziplin , Kompetenz und Stärke sind
    die Tugenden dieser Nationalbank .
    Gepaart mit den Werten der sozialen Marktwirtschaft
    haben unsere Alten etwas einzigartiges hervorgebracht.
    Zur Wiedervereinigung sollten wir die böse Mark aufgeben.
    Das haben wir gemacht .
    Der Weg ist das Ziel .
    Errare humanum est
    da das Ziel unglaubwürdig ist , die Machtverhältnisse
    unkalkulierbar sind , die Risiken verharmlost werden ,
    Rechtsgrundlagen über Nacht nichtig werden ,
    Konditionen , Regeln nicht existent sind,
    die Interessen der Zocker höher bewertet werden
    als die Bevölkerung
    gibt es nur noch einen WEG:
    Raus aus dem EURO und zurück zur DM.
    Ich möchte mich bei Ihnen bedanken ,
    für Ihre beharrlichen prinzipien.
    Mit freundlichem Gruß
    DM

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%