Bundesbürger unzufrieden
Deutsche zweifeln an der Demokratie

Trotz besserer wirtschaftlicher Rahmendaten ist die gesellschaftliche Stimmung auf dem Tiefpunkt. In einer Umfrage hat sich erstmals die Mehrheit der Deutschen unzufrieden darüber geäußert, wie die Demokratie hierzulande funktioniert. Zwei Drittel der Bundesbürger klagen zudem über fehlende Gerechtigkeit.

HB BERLIN. Im ARD-Deutschland-Trend erklärten 51 Prozent der Befragten, mit der Demokratie in der Bundesrepublik weniger zufrieden (38 Prozent) oder gar nicht zufrieden (13 Prozent) zu sein. Dies sei der niedrigste Wert, der jemals in einem Deutschlandtrend gemessen worden sei, teilte der Sender am Donnerstag mit. Noch deutlicher fällt das Urteil der Befragten über Gerechtigkeit in der Gesellschaft aus. Zwei Drittel gaben an, in Deutschland gehe es eher ungerecht zu. Nur etwas mehr als ein Viertel glaubten das Gegenteil.

Auch die Volksparteien Union und SPD sind im Vergleich zur Erhebung vor einem Monat nicht aus dem Tief herausgekommen. Beide Lager erhielten bei der Sonntagsfrage nach dem Stimmverhalten bei der Wahl zum Bundestag je 31 Prozent. Dabei konnte die Union einen Prozentpunkt zulegen, während die SPD zwei Prozentpunkte abgab. Die FDP kam auf 13 Prozent, die Grünen auf zwölf und die Linkspartei auf neun Prozent. Schlechte Noten gab es für die Arbeit der großen Koalition unter Kanzlerin Angela Merkel. 35 Prozent der Befragten erklärten, das Bündnis von Union und SPD mache ihre Arbeit schlechter als die rot-grüne Vorgängerregierung. Im Vergleich dazu meinten nur 27 Prozent, die große Koalition sei besser als die rot-grüne Koalition.

In der Rangfolge der Politiker mit der größten Zustimmung landete Merkel auf dem dritten Platz. 52 Prozent der Befragten sind mit der Arbeit der Kanzlerin aber weniger oder gar nicht zufrieden, 47 Prozent äußerten sich zufrieden. Die Liste der wichtigsten Politiker wird angeführt von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), gefolgt von Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU). Im Vergleich Merkels mit ihrem möglichen Herausforderer, SPD-Chef Kurt Beck, führt die Kanzlerin mit 41 zu 36 Prozent an Zustimmung.

Beim Thema Bundeswehr findet es zwar eine Mehrheit von 57 Prozent richtig, dass die Bundeswehr den Frieden in anderen Ländern sichern hilft. Eine noch größere Mehrheit - 69 Prozent - spricht sich jedoch dafür aus, die Zahl der Auslandseinsätze zu verringern. Nach dem Skandal um makabres Posieren mit menschlichen Knochen von Bundeswehrsoldaten in Afghanistan und den Zwischenfällen mit israelischen Kampfjets bei der Überwachung der libanesischen Küste war eine Diskussion um das Ausmaß der Auslandseinsätze der Bundeswehr entstanden. Für die Sonntagsfrage wurden 1500 Wahlberechtigte vom 30. Oktober bis zum 1. November befragt. Für die übrigen Themen wurden 1000 Menschen zwischen dem 30. und 31. Oktober interviewt.

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