Bundesfinanzminister
Der tiefe Fall des Peer Steinbrück

Vom weltweit respektierten Bundesfinanzminister zum einfachen Abgeordneten: Peer Steinbrück ist tief gefallen. Doch der altgediente Sozialdemokrat fügt sich nach 16 Jahren als Landesminister, Ministerpräsident und Bundesminister knurrend in sein Schicksal.

BERLIN. Die Krawatte hat er abgelegt, ebenso das Jackett. Es ist warm, fast stickig hier in der obersten Etage des Intercontinental Hotels in Berlin. Die von einigen Unternehmen gesponserte Wahlparty ist in vollem Gange und Peer Steinbrück will sich an diesem späten Sonntagabend nichts mehr anmerken lassen von der großen Wahlschlappe.

Mit versteinerter Miene hatte er in seiner Rolle als stellvertretender SPD-Vorsitzender kurz zuvor noch in die wartenden Kameras gesprochen und die katastrophale Niederlage seiner Partei zu erklären versucht. Schnörkellos tat er das, kurz, knapp und klar - in seiner typisch norddeutschen Art eben. Das schlechteste Ergebnis der Nachkriegszeit, tja – "da gibt es nun wirklich nichts drum herum zu reden", räumte Steinbrück fast unterkühlt ein.

Mit einem Glas Bier in der Hand versucht der Finanzminister auf der Wahlparty seine Betroffenheit mit Sarkasmus zu überspielen. Denn nicht nur als Parteivize ist Steinbrück plötzlich Geschichte geworden. Nein, viel schmerzlicher ist der kleine Zusatz "a.D.", der bald seinen Titel Bundesfinanzminister verunzieren wird.

"Außer Dienst" – für jemanden wie Peer Steinbrück muss das ein Schock sein. Keine zwei Tage ist es her, dass mit US-Finanzminister Timothy Geithner beim G-20-Gipfel in Pittsburgh an einem Tisch saß und über die großen Probleme dieser Welt diskutierte. Auf dem Rückflug vom Gipfel hat er mit Bundeskanzlerin Angela Merkel gescherzt und so getan, als wäre die Bundestagswahl nur die kurze Unterbrechung ihrer wunderbaren Freundschaft, schließlich ist die Krise ja noch nicht ausgestanden.

Als Steinbrück am Samstag vor der Wahl um sieben Uhr morgens übermüdet das Regierungsflugzeug verlässt, die wartenden Sicherheitsbeamten begrüßt und wie selbstverständlich in den gepanzerten Dienstwagen steigt, ist ihm der Gedanke an ein einfaches Leben als Bundestagsabgeordneter wahrscheinlich so fern wie eine Karriere in der Sparkasse Iserlohn.

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