Bundesfinanzminister
Schäuble sieht Handlungsbedarf bei Ratingagenturen

Jetzt soll Schluss sein mit dem Diktat der Ratingagenturen. Nach der Herabstufung der Bonitätsnote von Frankreich und anderer Euro-Länder will Bundesfinanzminister Schäuble den Einfluss der Agenturen beschränken.
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BerlinBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hält eine Aufstockung des deutschen Garantierahmens für den EFSF von derzeit 211 Milliarden Euro für nicht nötig. „Für das, was der EFSF in den nächsten Monaten zu leisten hat, reicht die Garantie bei weitem aus“, sagte Schäuble am Montag im Deutschlandfunk. Die Entscheidung von Standard & Poor's, Frankreich das Toprating AAA zu entziehen, zeige jedoch dringenden Handlungsbedarf, den Einfluss der Ratingagenturen zu beschränken.

„Wir müssen in der Banken- und Versicherungsaufsicht darüber nachdenken, wie wir die Rolle der Ratingagenturen darauf beschränken können, was sie tatsächlich sind“, sagte Schäuble. „Darüber hinaus arbeiten wir in Europa an Regeln, die Ratingagenturen bestimmte Transparenzverpflichtungen auferlegen und auch sicherstellen, dass Ratingagenturen nicht noch eigene Geschäftsinteressen haben.“ Die Europäische Kommission habe Vorschläge gemacht, die derzeit intensiv beraten würden. „Es besteht dringender Handlungsbedarf.“

Das Urteil von Standard & Poor's (S&P), die am vergangen Freitag neun Euroländern schlechtere Noten für ihre Kreditwürdigkeit verpasst hatte, zweifelt Schäuble an. „Ich glaube nicht, dass Standard & Poor's wirklich begriffen hat, was wir in Europa schon auf den Weg gebracht haben“, sagte der Finanzminister. „Darüber hinaus hat Standard & Poor's vielleicht auch nicht ausreichend bewertet, was alle Länder in Europa, die betroffen sind von den Schwierigkeiten, schon an Maßnahmen zur Reduzierung ihrer Defizite in Kraft gesetzt haben.“

Zudem glaubt er nach eigenen Worten, dass es den Ratingagenturen vor allem auch um ein „hohes Maß an Werbung“ für sie selbst gehe. „Ich habe manchmal mehr den Verdacht, dass die Ratingagenturen, die ja auch in einem Wettbewerb untereinander stehen, natürlich auch um öffentliche Aufmerksamkeit ringen.“

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Nicht von Ratingagenturen verrückt machen lassen

Kommentare zu " Bundesfinanzminister: Schäuble sieht Handlungsbedarf bei Ratingagenturen"

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  • Sind die Fieberthermometer denn bei dem, was sie anzeigen,vom Herstellerinteresse beeinflußt ? Dann würde ich sie auch abschaffen, denn womöglich haben Sie überhaupt keine Grippe !

  • Lieber Herr Schäuble:
    - Waren die Ratingagenturen 2008 zu lasch? - JA!
    Kommt Ihnen dann nicht in den Sinn das die jetzt was geändert haben und etwas genauer hingucken (Auch wenn USA damit noch zu gut da steht) ? Macht Sinn oder?
    Und jetzt wollen Sie wieder das Lasche haben?
    Ist das nicht ein wenig unglaubwürdig?

  • Nicht jeder Armleuchter ist auch ein großes Licht.

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