Bundesfinanzministerium und Statistisches Bundesamt widersprechen der These von der „Basarökonomie“
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Gehört Deutschland zu den Verlierern der Globalisierung? Ist das Land auf dem Weg zu einer „Basarökonomie“? Prominenter Vertreter der These ist der Präsident des Münchener Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn. Das Bundesfinanzministerium widerspricht.

pbs DÜSSELDORF. Sinn argumentiert, Deutschland verliere zunehmend Arbeitsplätze und große Teile der Wertschöpfung an das Ausland. In Deutschland würden nur noch jenseits der Grenzen produzierte Vorprodukte zusammengeschraubt.

Sinns These hört sich zunächst durchaus nachvollziehbar an: „Der Cayenne, den Porsche nach Amerika liefert, steht mit seinem vollen Wert in der deutschen Exportstatistik. Aber in Leipzig werden kaum mehr als Getriebe und Lenkung eingebaut.“ Weil die Höhe der Vorleistungsgüter von den Exporten nicht abgezogen wird, wirkt der Beitrag, den die Ausfuhren zum Wachstum in Deutschland leisten, höher als er tatsächlich ist.

Kann Deutschland also auf den Titel „Exportweltmeister“ nicht viel geben? Tatsächlich hat Deutschland unter den großen Volkswirtschaften im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) die höchste Exportquote: Im Jahr 2003 betrug sie 36,8 Prozent, in Großbritannien 32,2 Prozent, in Frankreich 28,3 Prozent, in Japan 12,2 Prozent und in den USA nur 11,4 Prozent.

Das Bundesfinanzministerium (BMF) widerspricht in seinem gestern veröffentlichten Monatsbericht Sinns These und versucht zu belegen, dass die internationale Arbeitsteilung in Deutschland Arbeitsplätze sichert.

Zwar sei der Anteil der Vorleistungen am Produktionswert in der deutschen Industrie seit Jahrezehnten gestiegen, bestätigt das Ministerium. So sei die Wertschöpfungsquote im verarbeitenden Gewerbe von rund 37 Prozent im Jahr 1995 auf 32 Prozent im Jahr 2003 gesunken. Die These von der Basarökonomie wird aber wackelig durch die Beobachtung, dass die hohen Steigerungsraten beim Export den tatsächlich zu beobachtenden Rückgang des Wertschöpfungsgehalts der Exporte überkompensiert haben. Die Ausfuhren haben seit Beginn der 90er-Jahre einen positiven Wachstumsbeitrag geliefert, zeigt das Statistische Bundesamt. Zwar sei der Importanteil an den Ausfuhren von 1995 bis zum Jahr 2000 von 29,7 auf 38,8 Prozent gestiegen. Trotzdem aber hätten die Exporte überdurchschnittlich stark zur Bruttowertschöpfung beigetragen. Die durch die Exporttätigkeit angeregte Produktion in Deutschland stieg zwischen 1995 und 2000 um 51 Prozent – die Produktion insgesamt legte aber nur um 17 Prozent zu.

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