Bundesinnenminister Schily fordert weltweites Informationsnetz der Sicherheitsbehörden
Interpol rüstet sich gegen Terrorismus

Die größte Generalversammlung in der Geschichte von Interpol ist in Berlin zusammen gekommen, um die Organisation stärker auf den Kampf gegen den Terror auszurichten. Bundesinnenminister Otto Schily unterstrich, dass die Verzahnung von Interpol und dem Uno-Sicherheitsrat an Bedeutung gewinne.

ap HB BERLIN. Die größte Generalversammlung in der Geschichte von Interpol ist in Berlin zusammen gekommen, um die Organisation stärker auf den Kampf gegen den Terror auszurichten. Zum 74. Jahreskongress der internationalen Polizeiorganisation trafen sich am Montag unter strengen Sicherheitsvorkehrungen mehr als 600 Sicherheitsexperten aus 154 der 184 Mitgliedsländer.

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) sagte zum Auftakt, die Organisation habe sich zum „global player“ der internationalen Sicherheitspolitik entwickelt. Das Internet habe jedoch die gefährlichsten Formen der organisierten Kriminalität hervorgebracht. Der internationalen Verknüpfung des Terrorismus müsse ein weltweit umspannendes Informationsnetz der Sicherheitsbehörden entgegengesetzt werden.

Schily unterstrich, dass die Verzahnung von Interpol und dem Uno-Sicherheitsrat an Bedeutung gewinne. Gleichzeitig bedauerte er, dass sich der Uno-Gipfel vergangene Woche nicht auf eine gemeinsame Definition von Terrorismus geeinigt habe. Interpol-Repräsentant beim Sicherheitsrat ist der frühere BKA-Präsident Ulrich Kersten.

Die nationale Anlaufstelle von Interpol in Deutschland ist das Bundeskriminalamt. BKA-Präsident Jörg Ziercke erklärte, der Kongress habe Themen zu bewältigen, die „unsere Staaten und Kulturen im Kern betreffen“. Internetkriminalität, Kinderpornografie, Geldwäsche, Waffenschmuggel, Finanzströmen krimineller Organisationen und dem Terrorismus seien nur gemeinsam zu begegnen. Eine Hauptrolle werde die Bekämpfung des „fundamentalistisch religiös motivierten Terrorismus“ einnehmen.

Ziercke hob ein neues abgeschirmtes globales Informationsnetz auf Internetbasis hervor, das besonders im vergangenen Jahr ausgebaut worden sei. 90 Prozent der Interpol-Staaten seien dem System „I-24/7“ nunmehr angeschlossen. Damit könnten Fahndungsaufrufe, Informationen, Bilder, genetische Fingerabdrücke oder Ausweisdaten in Bruchteilen von Sekunden weltweit verteilt werden. 150 000 Interpol-Vorgänge werden nach Angaben Zierckes pro Jahr über das BKA gesteuert. 4800 Deutsche würden weltweit über Interpol gesucht. Der zur Wiederwahl anstehende Interpol-Generalsekretär, der New Yorker Juraprofessor Ronald Noble, sagte, die Organisation habe 7,8 Millionen Daten über Pässe gespeichert. Seit 2002 sei die Zahl der Terrorverdächtigen von 2000 auf 8000 gestiegen.

Schily hob eine von Interpol und den G8-Staaten gestartete Initiative gegen Kindesmissbrauch im Internet hervor. Auf Grund der entsprechenden Datei habe Interpol 2004 aus 400 000 Bildern über 300 missbrauchte Kinder identifiziert.

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