Bundeskanzler fordert flexiblere Lösungen
Absage für pauschale Arbeitszeitverlängerung

Bundeskanzler Gerhard Schröder, die SPD-Führung und die Gewerkschaften haben sich gegen eine generelle Verlängerung der Wochenarbeitszeit auf 40 oder 42 Stunden ausgesprochen. Die Forderung von Union und Wirtschaft nach Mehrarbeit sei unzeitgemäß und wirklichkeitsfremd, sagte Schröder am Montagabend.

HB/bag/ms BERLIN. Beim ersten Treffen des SPD-Gewerkschaftsrats unter dem neuen Parteichef Franz Müntefering in Berlin lehnte der DGB-Vorsitzende Michael Sommer eine Arbeitszeitverlängerung ebenso ab wie IG-Metall-Chef Jürgen Peters. „Das sind ja die Rezepte von gestern“, sagte Peters und warnte vor dem Verlust von Hunderttausenden von Arbeitsplätzen. Eine solche Forderung habe ebenso wie die nach einer 35-Stunden-Woche „mit der Wirklichkeit in Deutschland wenig zu tun“, hatte Schröder zuvor erklärt. DGB-Chef Sommer kritisierte, längere Arbeitszeiten brächten insgesamt weniger Jobs. Der Standort Deutschland werde durch Lohnkürzungen oder Mehrarbeit ohne Ausgleich nicht attraktiver, sagte Sommer im ZDF.

CSU-Chef Edmund Stoiber hatte sich für eine 40-Stunden-Woche ohne Lohnzuwachs ausgesprochen. Dieser Vorstoß sei „nichts anderes als eine Lohnkürzung und mache „ökonomisch wenig Sinn“, sagte SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter.

Schröder und Benneter plädierten stattdessen für flexible Lösungen, und zwar „saisonal, regional und branchenspezifisch“, wie der Generalsekretär sagte. Als Vorbild nannte Schröder die Tarifabschlüsse in der Metallindustrie, die betriebliche Wege zur Verlängerung der Arbeitszeit ermöglichen, um Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung zu sichern. Dies sei eine rationale Lösung, die eine neue Balance zwischen zentraler Verhandlungsmacht und betrieblicher Notwendigkeit schaffe. „Diesen Weg weiter zu gehen im Bereich der Arbeitszeitpolitik, das scheint mir auch der richtige, vernünftige, gute Weg zu sein“, sagte Schröder. Ein Sprecher der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi nannte die Äußerung des Bundeskanzlers vernünftig: „Bei flexiblen Lösungen sind wir dabei.“ Die Forderungen aus Union und Wirtschaftslager nach längeren Arbeitszeiten seien in Wahrheit ein gigantisches Lohnkürzungsprogramm.

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