Bundeskanzler Schröder versucht die Wogen zu glätten
„Von einer Krise kann keine Rede sein“

Wenn sich Staatsmänner treffen, würde selten etwas dabei herauskommen, wenn nicht zuvor ihre Mitarbeiter ausloten, wer wann unter welchen Bedingungen wozu bereit ist. Das Modell scheint auch in der rot-grünen Regierungskoalition Schule zu machen – nur dass hier nicht die Mitarbeiter, sondern die Chefs selbst das große Treffen vorbereiten, um dann Partei und Kabinett den Weg zu weisen.

HB, BERLIN. Ein Erfolg des heutigen Koalitionstreffens schien jedenfalls angesichts des Zuwanderungsdramas und des Haushaltsdesasters offenbar so ungewiss, dass sich bereits am gestrigen Abend die Parteichefs Franz Müntefering und Reinhard Bütikofer zur Vorbereitung zusammensetzten – mit bislang unbekanntem Ergebnis.

Damit nicht genug: Den ganzen Donnerstag bewegte die Frage das politische Berlin, ob denn der Kanzler und sein Vize noch zusammenkämen, bis dann Gerhard Schröder andeutete, er werde – zurück vom Besuch bei Daimler-Chrysler – auf jeden Fall mit Joschka Fischer vorkonferieren – notfalls telefonisch, falls dieser nicht rechtzeitig vom EU-Termin in Dublin einfliege. Und von einer Krise könne sowieso nicht die Rede sein, beruhigte der Kanzler. Das vielfach angekündigte Ende der Koalition sei jedes Mal nicht eingetreten. „So wird es auch diesmal sein“, versprach er und schob in bester Schröder-Manier den Schmunzler „Es ist noch immer alles gut gegangen und ich hab’s im Griff“ hinterher: Von Geheimtreffen könne keine Rede sein, denn er rede ja ständig mit seinem Außenminister. „Wir sehen uns häufiger, als wir unsere Frauen sehen, was wir beide bedauerlich finden.“

Der ständigen Gespräche zum Trotz glaubt die große Mehrheit der Bundesbürger zurzeit nicht daran, dass der Kanzler sein Kabinett im Griff hat. 81 Prozent sind der Ansicht, im Moment mache jeder Minister, was er wolle, hat Forsa herausgefunden. Nur 11 Prozent meinen, dass die Regierungsmitglieder an einem Strang ziehen – ob in die gleiche Richtung, war nicht gefragt. Selbst unter SPD-Fans glaubt nur noch jeder Fünfte an die vereinte Schlagkraft der Regierungsmannschaft.

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