Bundeskanzlerin zu Griechenland
Die Tür ist noch nicht ganz zu

Das ist die Botschaft der Kanzlerin für Athen. Aber vor der Volksbefragung am Sonntag wird sich kaum etwas bewegen. Die Opposition warnt vor verheerenden Folgen der Merkel-Politik. Die Kanzlerin sieht indes keine Gefahr.
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BerlinKanzlerin Angela Merkel (CDU) ist für weitere Verhandlungen mit der Regierung in Athen zur Abwendung einer Staatspleite offen - allerdings erst nach dem für Sonntag angesetzten Referendum in Griechenland. Sollte die griechische Regierung um Gespräche bitten, „werden wir uns solchen Verhandlungen selbstverständlich nicht verschließen“, sagte Merkel am Montag nach einem Treffen mit den Partei- und Fraktionschefs von Union, SPD, Linke und Grünen in Berlin. „Wenn jemand mit uns sprechen möchte, sind wir jederzeit bereit zu sprechen.“

Nach dem Scheitern der Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern hatte der griechische Regierungschef Alexis Tsipras ein Referendum angesetzt. Er forderte seine Landsleute auf, die Vorschläge für ein Reform- und Sparpaket abzulehnen. Bereits an diesem Dienstag muss Athen 1,6 Milliarden Euro an den internationalen Währungsfonds (IWF) überweisen.

Ebenso wie SPD-Chef und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel betonte Merkel, es sei das legitime Recht der Griechen, eine Volksabstimmung anzusetzen. Auch das Ergebnis werde man akzeptieren. „Wir müssen sehr vorsichtig sein, was für Botschaften wir senden“, sagte Merkel.

Niemand dürfe den Eindruck erwecken, den Griechen etwas vorschreiben zu wollen. Für einen Sondergipfel der EU-Staats- und Regierungschefs gebe es vor der Abstimmung am Sonntag keinen Grund. Auch eine kurzfristige Reise nach Athen sei nicht geplant.

Deutlicher als Merkel sagte Gabriel nach dem Treffen, die Abstimmung am Sonntag werde darüber entscheiden, ob Griechenland im Euro bleibe oder nicht.

Den Griechen müsse die Tragweite bewusst sein: „Es ist im Kern die Frage, Ja oder Nein zum Verbleib in der Eurozone“, sagte der Vizekanzler. Ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone kann auch nach Ansicht von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem noch verhindert werden.

„Ja das ist noch möglich“, sagte Dijsselbloem dem niederländischen Radio in Den Haag am Montag. „Ich wiederhole, dass die Tür bei uns offen bleibt, auch wenn die Möglichkeiten und die Zeit sehr begrenzt sind.“ Der niederländische Finanzminister äußerte sich erneut sehr enttäuscht, dass die griechische Regierung die Verhandlungen am Samstag abgebrochen habe.

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„Griechenland ist weiterhin Mitglied der EU“

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  • Dieses anhaltende Gebaren der Kanzlerin, partout ein totes Pferd weiterreiten zu wollen, gepaart mit fehlender Einsicht in politische Fehlentscheidungen ist mehr als unerträglich. Ich frage mich allerdings, wann ihre ganz und gar unverdienten "positiven" Umfragewerte endlich bereinigt werden. Wie dumm und uninteressiert muss die Mehrheit der Wähler sein, die verheerend schlechte Euro-"Rettungs"-Politik in Berlin und Brüssel auch nach Jahren noch nicht zu erkennen.

  • "Die Tür ist noch nicht ganz zu"

    Hallo Frau Merkel, es wird teurer für den deutschen Steuerzahler, nicht günstiger, wenn es so bleibt, wie es ist !

    Es wäre verantwortungslos, wiedermal auf Zeit zu "spielen", es wäre fahrlässig und man sollte endlich auch die Verantwortlichen dieser unseriösen Machenschaften zur Rechenschaft ziehen !!!

    Erlöst die unschuldige griechische Bevölkerung endlich von dem € - Gefängnis !
    Dieses Korsett passte nie zu diesem Land und das wird nicht das letzte Land sein !

    Verantwortungsloser konnten unsere "Volksvertreter" unsere Steuergelder nicht vernichten !
    Profitiert haben wenige, die Haftung jedoch übernimmt die Mehrheit der Bevölkerung in unserem Land ! Dank des kranken Lobbyismus in D und in der EU !!!


  • @ Frank Rindermann,
    "Seit Jahrzehnten leben die Griechen auf Kosten anderer."
    Gut, aber genau das haben "die Anderen" genau gewusst und dies nicht als Beitrittshindernis gesehen.
    Im übrigen; Bruch des Maastrichts Vertrag (jetzt haften alle für staatliche Einzelschulden), Steuersparmodelle quer durch die EU zum Nachteil aller Mitglieder. Das wurde auch umgesetzt und hat auch nichts mit "Gemeinsinn" zu tun.
    Vor diesem realen Hintergrund ist die Idee "Europäische Gemeinschaft" leider gestorben.
    Selbst wenn die "Hilfsprogramme" nun entfallen, es werden dann (GR ist auch nach einen Austritt aus der Währungsunion immer noch Mitglied der EU) Hilfszahlungen für echt notleidende Bürger auf uns zu kommen.
    So wurde, dank dem IQ von Politikern, der Teufel mit dem Belzebube ausgetrieben.

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