Bundeskongress
Personalquerelen überschatten DGB-Kongress

Der Bundeskongress des DGB hielt für die Teilnehmer einige Überraschungen bereit. Nicht nur Ursula Engelen-Kefer musste ihren Posten als Vizechefin an ein CDU-Mitglied abgeben. Auch IG-Metall-Chef Peters steckte eine schwere Schlappe ein. Für die inhaltlichen Botschaften von DGB-Chef Sommer hatte daraufhin niemand mehr ein Ohr.

HB BERLIN. Am Ende hatte sie sich mit ihren DGB-Vorstandskollegen überworfen - und ihren Rückhalt in den eigenen Reihen überschätzt: Ursula Engelen-Kefer muss ihren Posten als Vizechefin des Gewerkschafts-Dachverbandes nach 16 Jahren räumen. Der Bundeskongress zog ihr eine Funktionärin vor, die der CDU angehört. In einer Kampfkandidatur unterlag die 62-Jährige auf dem Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) am Dienstag der Bildungsexpertin Ingrid Sehrbrock. Für das CDU-Mitglied hatten sich die Vorsitzenden der Einzelgewerkschaften im DGB stark gemacht. „Ich bin fassungslos, dass jemand das Ansehen des DGB so beschädigen kann“, sagte IG-BCE-Chef Hubertus Schmoldt über Engelen-Kefer.

Düpiert wurde auch IG-Metall-Chef Jürgen Peters. Sein Vertrauter Claus Matecki fiel bei der Wahl zur DGB-Spitze zunächst durch. DGB-Chef Michael Sommer wurde nur mit einem deutlichen Dämpfer für vier Jahre in seinem Amt bestätigt. Angesichts der Personalquerelen verschob der Kongress Sommers Grundsatzrede auf Donnerstag.

Mit der Niederlage für Engelen-Kefer setzte sich der Personalvorschlag durch, auf den sich die Vorsitzenden der acht Einzelgewerkschaften im Januar verständigt hatten. Dieser sah kein Amt für Engelen-Kefer mehr vor. Als neue DGB-Vizechefin wurde die in der Öffentlichkeit kaum bekannte Bildungsexpertin Sehrbrock vorgeschlagen, die das einzige CDU-Mitglied im neuen fünfköpfigen Geschäftsführenden Bundesvorstand des DGB ist. Vom DGB sollte damit auch ein Signal der Gesprächsbereitschaft an die große Koalition ausgehen. Die 57-Jährige ist auch stellvertretende Vorsitzende der CDU-Sozialausschüsse.

Hinter den Kulissen war ein Machtkampf entbrannt. Vor allem IG-Metall-Chef Peters und Verdi-Chef Frank Bsirske hatten sich für ein Ausscheiden von Engelen-Kefer stark gemacht. Beide Gewerkschaften stellen zwei Drittel der knapp 400 Delegierten des Bundeskongresses. Bei Unterstützern von Engelen-Kefer war die Sorge laut geworden, ohne die anerkannte Arbeitsmarkt- und Sozialexpertin würden die Gewerkschaften auf diesem Gebiet nicht mehr wahrgenommen. Ihren Kritikern gilt sie als Traditionalistin.

Die Sympathie der Delegierten galt gleichwohl offenkundig Engelen-Kefer, die in ihrer Vorstellungsrede weitaus mehr Beifall erhielt als Sehrbrock. Für Engelen-Kefer stimmten 161 Delegierte, für Sehrbrock 212. Zuletzt hatte es 1952 eine Kampfabstimmung über den stellvertretenden DGB-Vorsitz gegeben.

Engelen-Kefer nahm die Niederlage mit Fassung auf. Sie sei sich des Risikos ihrer Kandidatur bewusst gewesen, habe das auch mit „innerer Zerrissenheit“ gewagt. „Ich hätte es mir einfacher machen können.“ Sie habe sich der Basis verpflichtet gefühlt, von der sie viel Bestätigung erfahren habe. Über ihr Amt als Vorsitzende des Verwaltungsrats der Bundesagentur für Arbeit sei noch nicht entschieden. Die neue DGB-Spitze werde darüber nächste Woche bestimmen, und sie werde dann den Übergang entsprechend den Wünschen vornehmen.

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