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19.11.2008 
Höheres Lernniveau

Bundesländer holen im Pisa-Test auf

von Peter Thelen

Deutschlands Schüler haben sich verbessert. Insbesondere in den Naturwissenschaften konnten sie in der neuen Pisa-Studie punkten. Doch die Unterschiede zwischen den Bundesländern bleiben gewaltig. Während der Primus Sachsen zum Bildungsweltmeister Finnland aufschließt, hängen Bremens Schüler im Lernniveau zwei Jahre hinterher.

In den Naturwissenschaften haben Deutschlands Schüler aufgeholt. Foto: dpaLupe

In den Naturwissenschaften haben Deutschlands Schüler aufgeholt. Foto: dpa

BERLIN. Zumindest bei den Naturwissenschaften haben die Schulen in den 16 Bundesländern in den vergangenen Jahren stark aufgeholt. Sachsen liegt hier im Ranking der OECD direkt hinter Bildungsweltmeister Finnland. Dies zeigt die gestern von der Kultusministerkonferenz vorgelegte dritte Ergänzungsuntersuchung zur Pisa-Studie. Insgesamt rangieren 13 Bundesländer inzwischen über dem OECD-Durchschnitt. Beim letzten Pisa-Test 2003 war dies nur drei Ländern, nämlich Bayern, Sachsen und Baden-Württemberg, gelungen.

Inzwischen – die ausgewerteten Daten stammen aus 2006 – können sich neben Sachsen auch Bayern und Thüringen zur Weltspitze zählen. Das noch beim ersten Pisa-Test 2000 weit abgeschlagene Nordrhein-Westfalen und Hamburg liegen inzwischen immerhin auf OECD-Durchschnitt. Allein Bremen bleibt mit einem Abstand im Lernniveau von rund zwei Schuljahren zum Spitzenreiter hoffnungslos abgeschlagen. „Erfreulich“ nannte gestern der Koordinator der Studie, Manfred Prenzel von der Universität Kiel, diese Ergebnisse.

Die Länder im Vergleich

Ein Grund zum Jubeln sind sie aus Sicht der Wirtschaft, aber auch der Bildungswissenschaftler freilich nicht. Als unerträglich kritisierte der Bildungsexperte von BDA und BDI, Gerhard F. Braun, vor allem die hohen Leistungsunterschiede zwischen den Bundesländern. Auch IBM-Chef Martin Jetter warnte Deutschlands Bildungspolitiker davor, sich auf den vermeintlichen Lorbeeren auszuruhen (siehe: „Die Schulform ist nicht entscheidend“).

Der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft Hans-Jörg Bullinger sagte dem Handelsblatt: „Einen Grund zum Aufatmen haben wir nicht.“ Die Studie zeige zwar, dass die Konzentration aller Beteiligten auf das Thema Bildung in den vergangenen Jahren Erfolge gebracht habe. „Wir brauchen aber, wenn wir im internationalen Wettbewerb zu den Gewinnern gehören wollen, eines der besten Bildungssysteme. Davon sind wir noch weit weg“, sagte Bullinger. „Es fehlt noch viel, sowohl in der Spitze als auch in der Breite.“

Tatsächlich zeigt die Studie, dass der Anteil der leistungsschwachen Schüler in allen Ländern noch groß ist, auch wenn die Zahl der Sitzenbleiber gesunken ist und heute ohne die befürchteten Einbußen beim Leistungsstandard mehr Schüler aufs Gymnasium gehen als 2000 bei der ersten Pisa-Studie. Die Erfolge bei den Naturwissenschaften, in denen die ostdeutschen Länder traditionell sehr stark sind, können zudem nicht darüber hinwegtrösten, dass beim Fach Mathematik immer noch nur vier Länder über dem OECD-Durchschnitt liegen. Neun sind nur Durchschnitt; drei liegen weiterhin darunter.

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