Bundesländerranking
Die Kluft zwischen Norden und Westen

Während Niedersachsen von Autoindustrie und Windkraft profitiert, büßen Hamburg und Schleswig-Holstein Punkte im Bundesländerranking ein. In Nordrhein-Westfalen hingegen ist die Lage nicht so schlecht wie ihr Ruf.
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Der Auftrag für David McAllister (CDU) ist klar: Im Januar soll er die Landtagswahl in Niedersachsen gewinnen und seiner Partei den geeigneten Auftakt für das Bundestagswahljahr verschaffen. Helfen könnte ihm die prosperierende Wirtschaft. Obwohl auch Niedersachsen sein verzögertes und überteuertes Bauprojekt – den Jade-Weser-Port – hat, läuft die Wirtschaft im flächenmäßig zweitgrößten Bundesland derzeit ordentlich. Als einziges westdeutsches Bundesland konnte Niedersachsen seine Position im Niveau-Ranking verbessern – vom siebten auf den sechsten Platz.

Der Aufstieg hängt freilich auch mit der Flaute beim Nachbarn zusammen. Schleswig-Holstein büßte im Ranking im Vergleich zum Vorjahr 1,5 Punkte ein, da Niedersachsen seine Punktzahl (51,2) halten konnte, tauschen die beiden ihre Plätze.

Die beiden Länder verbindet einiges: Auf beiden Seiten der Elbe hat die maritime Wirtschaft einen großen Anteil an der Wertschöpfung, auch der Tourismus spielt hier wie dort eine wichtige Rolle. Während die touristischen Zentren an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste viel Boden gegenüber der Konkurrenz aus Mecklenburg-Vorpommern verloren haben, ist die Nordseeküste von dieser Entwicklung kaum getroffen. Vor allem profitiert Niedersachsen anders als Schleswig-Holstein vom Wirtschaftsbereich Fahrzeugbau: Nicht nur in Wolfsburg, auch in Braunschweig, Emden oder Hannover sichert die Autoindustrie jede Menge Arbeitsplätze. Zudem macht sich in Niedersachsen ein Boom bemerkbar, den die Hafenstädte in Schleswig-Holstein komplett verschlafen haben: die Offshore-Windenergie.

Während in Husum, Eckernförde oder Travemünde die leeren Hafenbecken im besten Fall zu adretten Uferpromenaden geworden sind, hat in Niedersachsen eine zweite Industrialisierung eingesetzt. Zudem leidet Schleswig-Holstein unter dem Mangel an Investitionsspielräumen. Seit dem Debakel um die HSH Nordbank ächzt das Bundesland unter einem großen Schuldenberg (Rang 11). 2010 erwog man gar, die auf Medizin spezialisierte Uni Lübeck aus Geldmangel zu schließen – obwohl der Anteil der Gesundheitswirtschaft an der Wertschöpfung in keinem Bundesland höher ist.

Wenig Bewegung zeigt der Stadtstaat Hamburg. In den Vorjahren noch unter den dynamischsten Regionen zu finden, landen die Hanseaten jetzt im Dynamik-Ranking auf dem elften Platz. Zwar ist die Stadt immer noch wohlhabend; die Bürger verfügen über die bundesweit höchste Kaufkraft. Doch der jüngste Aufschwung hat sich hier weniger bemerkbar gemacht als anderswo: Die Arbeitslosigkeit sank zwischen 2008 und 2011 nur um 0,3 Prozent (Rang 13), das verfügbare Einkommen stieg nur um 2,4 Prozent (Rang 16).

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