Bundesnachrichtendienst warnt
Energieversorgung im Visier von Terroristen

Die Energieversorgung westlicher Industriestaaten gerät immer mehr in das Visier internationaler Terroristen. Der Bundesnachrichtendienst warnt vor Anschlägen auf Förder- und Transporteinrichtungen. Doch die Abhängigkeit von politisch instabilen Regionen wächst.

BERLIN. Vor der terroristischen Gefahr haben Kanzleramtsminister Thomas de Maiziere und der Chef des Bundesnachrichtendienstes, Ernst Uhrlau, gewarnt. Eine sichere Energieversorgung nehme deshalb eine immer zentralere Rolle in der internationalen Sicherheitspolitik ein. Deutschland will eine sichere Energieversorgung deshalb zu einem Topthema der deutschen EU- und G8-Präsidentschaften ab Anfang 2007 machen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hatte bereits von einer „Energie-Außenpolitik“ gesprochen.

„El Kaida hat seit drei Jahren auch die Weltenergieversorgung ins Fadenkreuz genommen und damit Anschlagsoptionen für die islamischen Terrornetzwerke definiert“, sagte Uhrlau. Die Knappheit von Gas und Öl könnte nach Angaben Uhrlaus zu neuen Konflikten und Kriegen führen. „Es gilt daher, mögliche Spannungen aus Verteilungs- und Zugangskonflikten bereits im Vorfeld zu erkennen und zu entschärfen“, sagte Uhrlau auf der BND-Tagung vor Geheimdienst- und Energieexperten aus mehr als 60 Ländern. Er verwies auf Anschläge in den Öl produzierenden Ländern wie Saudi-Arabien. Hätten Terrorgruppen früher eher Ziele von regionaler Bedeutung wie Öl-Leitungen einzelner Länder angegriffen, sei heute eine Beeinträchtigung der globalen Energieversorgung Ziel radikaler Gruppen. Von größerer Bedeutung sei aber auch die Beobachtung und Analyse der Bedrohung logistischer „Nadelöhre“ für die internationale Seeschifffahrt. Dazu zählten die Straße von Hormus, also die Meerenge vor dem Persischen Golf, sowie die Straße von Malakka

Mit einem Nachlassen der Attacken auf Pipelines, Tanker oder Öl-Raffinerien im Irak, im Jemen oder in Saudi-Arabien sei nicht zu rechnen, sagte der BND-Terrorismusexperte Heiner Wegesin. Solange die – der El-Kaida-Ideologie zufolge – „ungläubigen Kreuzritter“ die natürlichen Ressourcen auf der arabischen Halbinsel ausbeuteten, werde es eine stabile Motivationsbasis für die islamistischen Terroristen geben, sagte Wegesin. El Kaida habe zudem erkannt, dass in den vergangenen Jahren Terroranschläge neben Ohnmacht und Unsicherheit auch „willkommene wirtschaftliche Kollateralschäden“ erzeugten. Die Versorgung mit Öl und Gas solle gestört werden, um die arabischen Regierungen zu destabilisieren.

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