Bundesnachrichtendienst: Zwischen Medienschelte und Unterhosen

Bundesnachrichtendienst
Zwischen Medienschelte und Unterhosen

Aus der geplanten Party zur Amtseinführung des neuen Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes in Berlin wird eine Abrechnung mit den Medien - wegen der Berichte über vermeintliche Kriegshilfe für die USA im Irak. Andere Affären aber brodeln weiter.

BERLIN. Eigentlich wollte der Bundesnachrichtendienst (BND) am Montag in aller Ruhe die offizielle Amtseinführung seines Präsidenten feiern. Mit Schnittchen und Häppchen und ein paar launigen Reden. Eine sollte Ex-BND-Leiter August Hanning halten, der bereits vor Wochen ins Bundesinnenministerium gewechselt ist. Eine andere der für die Geheimdienste zuständige Kanzleramtsminister Thomas de Maizière. Anschließend hätte der neue Chef, Ernst Uhrlau, in der BND-Hauptstadtrepräsentanz noch zu Sekt und Selters geladen – fertig wäre die kleine Party gewesen.

Doch nach der vermeintlichen Affäre um BND-Agenten im Irak und nach schier endlosem politischem Palaver um den Einsatz eines Untersuchungsausschusses brach der sonst so freundliche Ex-Amtschef aus dieser Ruhe aus. In einer Behörde, in der sonst Schweigen das oberste Gebot ist, konnte Hanning nicht mehr an sich halten: Es empöre ihn, wenn verfassungstreue Beamte mit Foltermethoden in Zusammenhang gebracht würden, polterte er vor der versammelten Elite der deutschen Geheimdienste los.

Der als bedächtig und abwägend geltende Uhrlau griff im Anschluss gar zu der Vokabel „ungeheuerlich“. Die in den Medien aufgestellten Behauptungen, zwei BND-Mitarbeiter in Bagdad hätten sich an der operativen Kampfführung im Irak-Krieg beteiligt, hätten sich als haltlos herausgestellt. Nicht ohne Schadenfreude wies er darauf hin, dass die Medienberichte nur auf einer einzigen anonymen US-Quelle basierten.

Die Ruhe im Führungs- und Informationszentrum des BND hatten vor allem Meldungen der „Süddeutschen Zeitung“ und des ARD-Magazins „Panorama“ gestört. Nach deren Berichten sollen zwei BND-Agenten im Irak Zieldaten an die Amerikaner übermittelt haben. Vor allem für einen Raketenbeschuss auf ein Restaurant, in dem sich Ex-Diktator Saddam Hussein einst aufgehalten haben soll.

Dann kippte das Bild. Das für die Kontrolle zuständige Gremium im Bundestag stellte nach der Befragung der Agenten keine Verfehlung fest. Die Folge: Die heillos zerstrittenen Oppositionsparteien im Bundestag konnten sich bisher noch nicht auf einen Untersuchungsausschuss einigen. Kurzum: Es könnte also alles wieder in bester Ordnung sein beim BND. Doch wie der für die Geheimdienste zuständige Kanzleramtsminister de Maizière unter dem gequälten Lächeln seines neuen Präsidenten lakonisch feststellte: „Der BND begleitet mich seit Amtsantritt fast täglich.“

Seite 1:

Zwischen Medienschelte und Unterhosen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%