Bundesparteitag in Bremen
Piraten kämpfen ums politische Überleben

Wer spricht noch von den Piraten? Nach dem steilen Aufstieg folgte der tiefe Fall. Doch die Partei gibt sich nicht auf. In Bremen soll am Wochenende der Neuanfang gelingen.
  • 7

BerlinDie Piraten hatten hochfliegende Pläne, sie träumten vom Bundestag und manche schon von einem Stück Macht in Deutschland. Doch der Absturz war tief. Ein Wahlergebnis von 2,2 Prozent - der Rückfall in die Bedeutungslosigkeit. Konsequent haben danach Parteichef Bernd Schlömer und fast alle Vorstandsmitglieder ihren Abschied angekündigt. An diesem Wochenende in Bremen soll eine neue Führungsmannschaft gewählt werden. Aber um es besser zu machen, müssten die Neuen die chaotischen Strukturen der Piratenpartei umkrempeln. Ob da die Basis mitmacht, ist die große Frage.

Bisher haben etwa 40 Mitglieder im Internet ihre Kandidatur für einen Vorstandsposten angemeldet, darunter übrigens auch ein anonymer „Incognitas“. Der Ausgang der Wahl ist ungewiss, der Ablauf eines Piraten-Parteitags chronisch unvorhersehbar. Und die Stimmung ist schlecht. „Natürlich ist viel Frust dabei. Wir haben mit viel Dummheit wahnsinnig viel kaputt gemacht“, sagt der bisherige Vize-Parteichef Sebastian Nerz. Gemeint sind vor allem die parteiinternen Streitigkeiten.

Prominentester Bewerber um den Vorsitz in Bremen ist der bayerische Landeschef Stefan Körner (45), aber er steht sehr exponiert für den liberalen, manche sagen: rechten Flügel der Partei. „Ich bin jemand, der polarisiert“, sagt Körner. Bei linken und libertären Piraten gilt der freiberufliche Software-Entwickler als bürgerlich und konservativ.

Seine Hauptforderung: „Die Piraten müssen aufhören zu streiten.“ Körner besetzt durchaus klassische Positionen in der Partei: gegen den Überwachungsstaat, für Datenschutz, für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Dass Union und SPD in ihrer Koalitionsvereinbarung zur Innenpolitik vor allem auf einen starken Staat setzen und die umstrittene Vorratsdatenspeicherung umsetzen wollen, gibt den Piraten insgesamt Rückenwind.

Seite 1:

Piraten kämpfen ums politische Überleben

Seite 2:

Für einen hauptamtlichen Vorstand fehlt das Geld

Kommentare zu " Bundesparteitag in Bremen: Piraten kämpfen ums politische Überleben"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Partei "Piraten" hätte Edward Snowden und Julien Assange
    sein müssen.Doch dem ist leider nicht so.Schade !

  • Wer ernsthaft Politik machen will, kann das nur mit einer gewissen Disziplin machen, wozu auch gehört sich unter Umständen auch einmal zurückzunehmen.

    Da die Piraten in der Mehrzahl aus verwöhnten egomanischen Selbstdastellern bestehen, muß deren Enttäuschung umso größer sein, wenn sie immer nur auf ihresgleichen stoßen und sich ständig wegen Lappalien
    in den Haaren liegen.

    Außerdem, die Piraten sind ein langzeitig angelegtes "globales" Projekt und werden letzendlich gesteuert von interessierten Hintermännern, die ihre Marionetten einmal wie "Kai aus der Kiste" zaubern und dann wieder darin verschwinden lassen. *g*

  • "Eines Tages wird auch ein wählbares Partiprogramm stehen."

    Bitte nicht.

    Das einzige "Programm", was zum Entern benötigt wird, ist die Einführung der Basisdemokratie via liquid democracy.
    http://www.youtube.com/watch?v=r0G_vuWTOUw

    ... entweder, die Partei stellt ein eigenes, alternatives politisches Konzept dar - oder sie ist überflüssig wie ein Kropf.

    BGE, kostenlose Mobilität, sicheres Internet für alle und "mehr Transparenz" reichen eben nicht, um gewählt zu werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%