Bundesparteitag in Köln
AfD wählt Spitzenduo

Die völlige Selbstzerlegung der AfD ist ausgeblieben: Alexander Gauland und Alice Weidel sollen die Partei als Spitzenduo in den Bundestagswahlkampf führen. Sie fordern ein Ende der Auseinandersetzungen.
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KölnDer rechtsnationale Parteivize Alexander Gauland und die wirtschaftsliberale Alice Weidel sollen die AfD in den Bundestagswahlkampf führen. Die Delegierten wählten das Spitzenduo am Sonntag auf einem Parteitag in Köln in geheimer Abstimmung. Beide wurden mit 67,7 Prozent gewählt bei 22  Prozent an Neinstimmen.

Die Delegierten jubelten. Die prophezeite Selbstzerlegung der Partei durch personalpolitischen Streit ist damit ausgeblieben. Keiner der beiden Bundesvorsitzenden ist Spitzenkandidat geworden: Jörg Meuthen aus Baden-Württemberg kandidiert gar nicht für den Bundestag und Frauke Petry hatte drei Tage vor dem Parteitag nach parteipolitischen Querelen auf eine Spitzenkandidatur verzichtet. Sie zieht als Spitzenkandidatin für Sachsen in den Bundestag ein, wenn die AfD die Fünf-Prozent-Hürde überwinden sollte.

„Auf dem Weg hierher habe es geruckelt“, gestand Alice Weidel in ihrer Dankesrede ein. Damit müsse jetzt Schluss sein. Gauland sagte, es sei ein schwieriger Parteitag gewesen. Dann sprach er direkt Parteivorsitzende Petry an, als deren Widersacher er lange galt. „Frauke Petry hatte einen schweren Tag – aber wir brauchen sie in der Partei.“ Die Delegierten reagierten mit Jubel und Applaus für ihre Vorsitzende, die als Spitzenkandidatin nicht zur Verfügung stand.

Die Personalfrage hatte auch den zweiten Tag des AfD-Parteitags in Köln überschattet. Gleich zu Beginn kam am Morgen der Antrag, heute nicht mit der am Vorabend unterbrochenen Programmdiskussion fortzufahren, sondern zunächst die Frage der Spitzenkandidatur auf die Tagesordnung zu setzen. In der kurzen Diskussion gab ein Delegierter der Stimmung Ausdruck, vor dem Einstieg in Personaldebatten am Programm zu arbeiten, "damit wir nicht nackt draußen herumlaufen". Dem folgte eine große Mehrheit.

Während im Saal inhaltlich diskutiert wurde, standen im Foyer Gruppen von Delegierten eng zusammen und setzten die zahlreichen Gespräche vom Vorabend fort, in denen versucht wurde, eine für die Partei brauchbare Lösung der Personalfrage zu finden.

Der Samstag hatte bereits im Zeichen der Schwächung der Vorsitzenden Frauke Petry gestanden, die sich dieses Amt mit ihrem zum Kontrahenten gewordenen Parteifreund Jörg Meuthen teilt. Sie war bereits angeschlagen angereist, weil sie kurz vor dem Parteitag ausgeschlossen hatte, die Spitzenkandidatur im Bund zu übernehmen. In ihrem Landesverband Sachsen ist sie dies bereits, so dass sie mit Sicherheit in den Bundestag einziehen wird, wenn die AfD die Fünfprozenthürde überwindet.

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AfD wählt Spitzenduo

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  • Die AFD sieht nun ein bißchen nach einer Komination von VVD & PVV aus. Aber so ungefähr 10% VVD und 90% PVV.

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