Bundesparteitag
Philipp Rösler startet die Operation FDP-Rettung

Philipp Rösler schaltet auf Angriff. Beim FDP-Bundesparteitag drischt er auf die Opposition und den Koalitionspartner ein. Das ist Balsam für die geschundene Seele der Liberalen und gibt wieder Hoffnung.
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KarlsruheViele in der FDP haben Zweifel, ob mit Philipp Rösler in den verbleibenden 18 Monaten der Wiederaufstieg auf Bundesebene gelingen kann. Doch spätestens mit seinem Auftritt auf dem Bundesparteitag der FDP in Karlruhe gibt es für viele Anlass, ihre Meinung zu ändern. Wie ausgewechselt trat der angeschlagene Vorsitzende und Vizekanzler auf und verbreitete eine Aufbruchstimmung, die auch die Delegierten erfasst haben dürfte. Auch wenn Röslers Ansprache einiger Hänger hatte, weil er zu weit ausholte, um seine neue Strategie zu erläutern, hat er doch gezeigt, dass er als Parteichef die Rettung der FDP noch nicht abgeschrieben hat.

Rösler ist kein brillanter Redner. Er findet in Karlsruhe aber immer wieder den richtigen Ton. Und das ist es, was die Delegierten momentan offenbar brauchen. Einen Parteivorsitzenden, der sich nicht zu schade ist für Selbstkritik, der aber auch die Abgrenzung zu anderen Parteien wagt – und das in rasiermesserscharfen Worten. Ohne Umschweife macht Rösler klar, dass ohne die FDP nichts geht in Deutschland. Beim Dreikönigstreffen zu Jahresbeginn in Stuttgart verkrampfte der 39-Jährige, klammerte sich an sein Manuskript. Jetzt spricht Rösler frei.

Er schaltet auf Attacke und giftet gegen die wohlstandsfeindlichen anderen Parteien. Der SPD wirft er vor, die Menschen einzulullen. Die Partei wolle neue soziale Wohltaten auf Pump. Bis heute hätten die Sozialdemokraten nicht gelernt, mit Geld umzugehen. Die Grünen seien Tugendwächter und „intolerante Eiferer“, die den Menschen eine „Lebensstil-Diktatur“ vorschreiben wollten. „Wir müssen etwas dagegen tun“, fordert Rösler unter großen Jubel seine Parteifreunde auf.

Anschließend knöpft sich der in den letzten Wochen auch parteiintern schwer Gescholtene  die Piratenpartei vor, die den Liberalen stark zusetzt. Die Piraten würden an der Freiheit nur den kostenlosen Download schätzen. Die Aufsteiger fragten nie, wer das alles bezahle. „Die Piraten sind nur eine Linkspartei mit Internetanschluss“, ruft er den Delegierten zu.

Auch an der Politik der Koalitionspartner CDU/CSU lässt Rösler kein gutes Haar. Beide hätten sich zu Parteien des Besitzstandsdenkens entwickelt. Außer der FDP gebe es inzwischen in Deutschland nur noch sozialdemokratische Parteien. Rösler spricht von einem „schwarz-rot-grünen Einheitsbrei, der unser Land zu ersticken droht“. „Wir brauchen die FDP, um den Weg in eine Diktatur der Tugendwächter zu stoppen“, poltert er unter starkem Applaus der Parteitagsteilnehmer.

Kommentare zu " Bundesparteitag: Philipp Rösler startet die Operation FDP-Rettung"

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  • Es ist zum Erbarmen mit der FDP. Blasse und (eigen-)erfolgsorientierte Yuppies übernahmen die Spass-Partei, die nur noch ein Schatten ihrer sozial-liberalen Historie ist. Ich bin zwar überzeugt davon, dass die FDP sich künftig wieder erholt, allerdings wird das wohl nicht bei den aktuellen Wahlen geschehen. Derweil kann jeder intelligente Ex-FDP-ler getrost Frau Kraft und die SPD wählen, das zeigen ihre Antworten auf alle Fragen auf der Handelsblatt-Website...

  • Rösler war doch von Anfag die falsche Besetzung.
    Weder Charisma noch Ausstrahlung noch Können
    Das sit ein dummer Bubi und sonst nichts

  • Bei Risiken und Nebenwirkungen, fragen sie ihren Arzt oder Apotheker !!

    Fragen wir den lieben Doktor Rösler nach den hohen Gesundheitskosten, deren Ursachen und deren Wirkung auf die Wirtschaft, so hat er auch auf diesem Parteitag keine Antwort liefern können, denn er steht im Dienste einer falschen Partei. Der Partei und deren Wählern geht es hauptsächlich um die persönliche Gewinnmaximierung. Diese Erwartung haben aber alle Wähler!
    Nun ist Lindner der Hoffnungsträger. Aber auch er kann nicht mehr bieten. So bleibt ihm nur die Niederlage im Dienste der Partei.

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