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Bundesparteitag: Piraten schärfen ihr Wirtschaftsprofil

Freiheit, Transparenz und gerechte Teilhabe – so lauten die Grundpfeiler des neuen Wirtschaftsprogramms der Piraten. Parteichef Bernd Schlömer gibt sich selbstkritisch und fordert mehr Disziplin von seinen Kollegen.

Der Bundesvorsitzende der Piratenpartei, Bernd Schlömer, auf den Bundesparteitag in Bochum- Quelle: dapd
Der Bundesvorsitzende der Piratenpartei, Bernd Schlömer, auf den Bundesparteitag in Bochum- Quelle: dapd

BochumNach intensiver Debatte hat die Piratenpartei auf ihrem Bundesparteitag in Bochum Grundsätze für die Wirtschaftspolitik beschlossen. Auf der Grundlage von Freiheit, Transparenz und gerechter Teilhabe sollen „neue Formen des Wirtschaftens“ erkundet werden, die eine Weiterentwicklung der Wirtschaftsordnung erforderten. Abgelehnt wurde eine allein am Wachstum ausgerichtete Wirtschaftspolitik. Zu der zweitägigen Versammlung kamen 1862 Mitglieder - so viele wie zu keinem der bisherigen Parteitage.

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Ein umfassender Antrag zur Wirtschaftsordnung erhielt am Samstag in Bochum zwar nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit. In der Einzelabstimmung wurden dann aber fünf von acht Teilen des Antrags angenommen. „Liebe Piraten, wir haben ein Wirtschaftsprogramm“, sagte der Wahlleiter, Stephan Urbach, nach der Auszählung der Stimmen.

Bundesparteitag Piraten in Not

Können sich die Piraten zusammenraufen? Auf dem Parteitag in Bochum unternehmen die Freibeuter jedenfalls einen Versuch und wollen ihr zerrüttetes Verhältnis zu Mitgliedern und Wähler kitten.

In dem Beschluss setzen sich die Piraten von der Wachstumspolitik anderer Parteien ab. Die über den Markt verkauften Güter seien „nur ein sehr unvollständiges und zuweilen irreführendes Maß für den Wohlstand und für die Lebensqualität in einer Gesellschaft“. Auch das Ziel der Vollbeschäftigung wurde von den Piraten als „weder zeitgemäß noch sozial wünschenswert“ abgelehnt. Die technische Entwicklung mache es möglich, „dass nicht mehr jede monotone, wenig sinnstiftende oder sogar gefährliche Aufgabe von Menschenhand erledigt werden muss“.

Befürwortet wurde ein bundesweiter gesetzlicher Mindestlohn, mittelfristig aber streben die Piraten „ein umfassenderes System zur allgemeinen, bedingungslosen Existenzsicherung“ an. Nicht die notwendige Mehrheit fand der Absatz „Wirtschaft und Staat“, der staatliche Regulierungen, Staatsverschuldung und das Thema Europa umfasst hätte.

Von NSDAP-Vergleichen bis „Esogate“ Die Skandale der Piratenpartei

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An anderer Stelle werden ein nachhaltiger Umgang mit Ressourcen und eine Stärkung der Verbraucherrechte gefordert. Am Nachmittag verstrickte sich der Parteitag dann in stundenlange Geschäftsordnungsdebatten.

Zum Auftakt am Samstagmorgen forderte der Vorsitzende Bernd Schlömer die Partei auf, ihr Profil als Bürgerrechtsbewegung zu schärfen. Die Piraten seien „die sozialliberale Kraft der Informationsgesellschaft“ und müssten dies überzeugend und unverwechselbar herausstellen, sagte Schlömer. „Wir sind angetreten, um ein anderes politisches Klima in diesem Land zu entfachen. Packen wir es auch an!“ Es gehe darum, eine andere Kultur in die Parlamente zu bringen. Nur die Piraten könnten einen „Neustart für die Demokratie in diesem Lande“ erreichen.

„Auch ich habe Fehler gemacht und dafür möchte ich mich bei euch entschuldigen“, sagte Schlömer. „Auch gute Politik ist nicht frei von Krisen.“ Er spielte damit auf Personalquerelen und schlechte Umfragewerte an. Die eigenen Reihen rief er dazu auf, sich zu „besinnen, dass wir gemeinsam Politik machen wollen, ohne einander zu beschimpfen, zu missachten oder zu ignorieren“.

Wirtschaftsprogramm Piraten werden zu Mainstream-Matrosen

Die Piratenpartei will am Wochenende mit einem Wirtschaftsprogramm beweisen, dass sie mit Inhalten punkten kann. Die Entwürfe sind aber überraschend wenig überraschend.

Falls die Zeit reicht, sollte am Sonntag über das Konzept einer „Ständigen Mitgliederversammlung“ diskutiert werden. Eine solche Alternative zu einem Parteitag soll noch mehr Mitgliedern die Gelegenheit geben, sich über das Internet an den Entscheidungen zu beteiligen. Die Forderung etwa aus dem Berliner Landesverband nach einer stärkeren Nutzung der Beteiligungssoftware Liquid Feedback für Meinungsfindung und Entscheidungsprozesse stößt in Teilen des Bundesvorstands allerdings auf massive Vorbehalte.

 

  • 25.11.2012, 12:18 UhrFrank3

    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • 25.11.2012, 11:42 Uhrmargrit117888

    Republikaner
    Danke
    Endlich einmal ein vernünftiger Beitrag.
    Genau so ist es nämlich
    Diese Piraten sind nichts weiter als dumme Kidner, die teils noch nie gearbeitet haben, oder-wie bei den Grünen- Studienabbrecher usw.
    Und ihr ständiges Internet-Gedöns geht einem nun wirklich auf die Nerven

  • 25.11.2012, 11:36 Uhrmargrit117888

    Auch das Ziel der Vollbeschäftigung wurde von den Piraten als „weder zeitgemäß noch sozial wünschenswert“ abgelehnt.
    -----------------------
    Aber gleichzeitig wollen Sie ja das arbeitslose Grundeinkomemn für alle.
    Das muß aber doch jemand erwirtshaften.
    Also keine vollbeschäftigung aber Grundeinkomemn für alle, irgendwas stimmt da nicht

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