Bundespräsident 2.0: SPD streitet über mögliche Wulff-Nachfolge

Bundespräsident 2.0
SPD streitet über mögliche Wulff-Nachfolge

Die Debatte um den Bundespräsidenten nimmt bizarre Züge an. Die Union hat das Gefühl, dass der Streit um Wulff langsam zu Ende geht. Die SPD feuert dagegen aus allen Rohren – und nimmt dabei auch eigene Leute ins Visier.
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Düsseldorf/BerlinIn der Debatte um einen möglichen Nachfolger für den noch amtierenden Bundespräsidenten Christian Wulff ist innerhalb der SPD ein heftiger Streit entbrannt. Hintergrund sind Äußerungen der SPD-Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Bartels und Michael Roth, die erklärt hatten, im Falle eines möglichen Rücktritts von Wulff wolle die SPD erneut den ostdeutschen Bürgerrechtler Joachim Gauck als Kandidaten aufstellen.

Der Vorsitzende der schleswig-holsteinischen SPD, Ralf Stegner, wies den Vorstoß scharf zurück. „Wenn wir, wie Sigmar Gabriel das angeboten hat, im Falle eines Wulff-Rücktritts mit den Regierungsparteien nach einer gemeinsamen Lösung suchen, dann verbietet es sich, jetzt öffentliche Kandidatendebatten zu führen“, sagte Stegner Handelsblatt Online. Das schade den betroffenen Persönlichkeiten und würde zu Recht als Parteitaktik kritisiert. „Es darf uns nicht um parteipolitische Vorteile gehen, sondern um die Lösung dieser Bundespräsidentenkrise, die uns Christian Wulff eingebrockt hat und bei der jetzt die Bundeskanzlerin gefordert ist“, fügte das SPD-Präsidiumsmitglied hinzu.

Dagegen schloss sich das SPD-Fraktionsvorstandsmitglied Sebastian Edathy der Ansicht seiner Fraktionskollegen Bartels und Roth an. „Sollte das Amt des Bundespräsidenten neu zu besetzen sein, benötigt das Land einen Kandidaten, der in der Bundesversammlung mit einer breiten Zustimmung rechnen kann“, sagte Edathy Handelsblatt Online und fügte hinzu: „Zu den Persönlichkeiten, für die das gelten könnte, zählt ohne Zweifel auch Joachim Gauck.“

Die Bundesregierung hatte am Montag erklärt, den wegen der Kredit- und Medienaffäre stark angeschlagenen Bundespräsidenten Wulff nicht fallenlassen zu wollen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sehe „keine Veranlassung, über eine Nachfolge für das Amt des Bundespräsidenten nachzudenken“ und tue dies auch nicht, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. An der Spitze des Kabinetts werde die CDU-Chefin am Donnerstag am Neujahrsempfang Wulffs teilnehmen und freue sich auf das Wiedersehen mit dem Bundespräsidenten bei dieser Gelegenheit.

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  • Ihre Selbstlosigkeit ist aller Ehren wert, ich hätte sie gewählt, wenn ich denn dürfte (und natürlich später auch wieder bepöbelt, das gehört dazu).
    Ich selbst hätte nicht antreten können, da ich vor ca. 20 Jahren einmal nach England in den Urlaub eingeladen wurde...gerade England wird mir zum Verhängnis...verdammt.

  • Mit einem Funken Anstand wäre JEDER Mensch zurückgetreten.

    Doch hab ich das Amt des Bundespräsidenten erst mal ruiniert, lebt sich als Christian Wulff gänzlich ungeniert.

  • Sie sprechen von Moral. Moral ist die persönliche Auslegung ethischer Grundsätze. Wem obliegt es, jemand anderem moralische Vorgaben für das Bundespräsidentenamt zu machen. Ihnen? Wer sind Sie? Sind sie frei von moralischen Verfehlungen? Wie schwer sind die moralischen Verfehlungen des Präsidenten? Wem obliegt es, diese zu bewerten? Ihnen, der Sie vllt. einen Sch... Tag hatten? Der Bildzeitung, die sich seriöse Berichterstattung seit Jahren auf die Fahnen schreibt. Dem Handelsblatt, dem ein Bericht über Wulff in diesen Tagen 10mal so viele Leser bringt wie ein Bericht über eine neue entdeckte Gänseblümchen-Sorte in Südostanatolien?

    Verstehen Sie den Zusammenhang?
    Ich respektiere Ihre Meinung, auch wenn sie sich, wie viele, einfach nur einen Stein aus dem großen Haufen genommen haben und in ebenfalls werfen.

    Wie würden Sie an Wulffs stelle handeln? Zurücktreten? Ich bitte Sie...

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