Bundespräsident eröffnet Wahlkampf
Köhler geißelt erneut die Manager

Nur einen Tag nach der Benennung von Gesine Schwan als Gegenkandidatin der SPD für die Bundespräsidentenwahl im kommenden Jahr hat Bundespräsident Horst Köhler den Wahlkampf quasi eröffnet. Bei der Verleihung des Max-Weber-Preises für Wirtschaftsethik in Berlin an Wissenschaftler holte Köhler zur erneuten Managerschelte aus – und sprach sich gegen einen Vorschlag der SPD aus.

BERLIN. Zwar fänden die freiwilligen Leitlinien zur Unternehmensführung – der sogenannte Corporate-Governance-Kodex – eine hohe Akzeptanz bei den Unternehmen. Das zeige ein Bericht der Kommission, die den Kodex 2002 im Auftrag der Bundesregierung ausgearbeitet hat. Doch diese Akzeptanz „hat offensichtlich nicht verhindert, dass Vorständen ,Rundum-Sorglospakete’ gewährt wurden“. Zudem sei auffällig, dass die Zustimmungsraten zu den Empfehlungen dort besonders gering seien, wo echte Verhaltensänderungen gefragt sind – „zum Beispiel bei der Managerhaftung und bei der Begrenzung von Abfindungen“.

Gesetzliche Höchstgrenzen für Gehälter seien jedoch der falsche Weg. Köhler spielte damit indirekt auf einen Vorstoß der SPD an. Diese hatte vor kurzem ein Maßnahmenpaket gegen überhöhte Managereinkommen vorgestellt. Es sieht unter anderem Einschränkungen bei der steuerlichen Absetzbarkeit von Bezügen und Abfindungen vor.

Köhler appelliert stattdessen an das Verantwortungsbewusstsein der Manager: „Im Grunde wären viele Selbstverpflichtungen und gesetzlichen Regelungen überflüssig, wenn jeder sich so vertrauenswürdig verhielte, wie es dem Leitbild des ehrbaren Kaufmanns entspricht“ – mit Tugenden wie einem ausgeprägten Verantwortungsbewusstsein, langfristigem Denken, Wahrhaftigkeit, Mäßigung und Mut. Ihm gehe es darum, dass sich die Unternehmen „an der gesellschaftlichen Wertediskussion beteiligen“, betonte Köhler.

Bei der Maßlosigkeit einiger Manager sei es ansonsten nicht verwunderlich, dass das Vertrauen der Menschen schwinde. „Das Fehlverhalten einiger Manager, die durch ihre Position besonders im Licht der Öffentlichkeit stehen, trägt in hohem Maße dazu bei, dass die Elite der Wirtschaft heute offenbar für viele nicht mehr als Vorbild taugt“, sagte Köhler. Wenn Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens den Eindruck erweckten, ihnen stünden Sonderregeln zu, müsse man sich nicht wundern, wenn die Steuermoral insgesamt sinke.

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