Bundespräsident fordert Gleichhandlung aller Religionen: Rau kritisiert Kritiker seiner Kopftuch-Aussagen

Bundespräsident fordert Gleichhandlung aller Religionen
Rau kritisiert Kritiker seiner Kopftuch-Aussagen

Bundespräsident Rau hat seine Äußerungen im Kopftuch-Streit verteidigt. Diese seien sehr viel differenzierter als Kritiker sie darzustellen versuchten.

HB BERLIN. Nach massiver Kritik an seinen Äußerungen zum Kopftuchstreit hat Bundespräsident Johannes Rau seine Haltung verteidigt. «Mancher Kritiker hat offenbar nur die Überschriften gelesen», sagte Rau der «Welt am Sonntag».

Er habe sich nicht für oder gegen das muslimische Kopftuch bei Lehrerinnen ausgesprochen, sondern darauf hingewiesen, dass die Entscheidungen der Länder konsequent sein müssten. Das bedeute, dass man «die Mönchskutte nur schwer verteidigen» könne, wenn man das Kopftuch als religiöses Zeichen an Schulen verbiete.

«Unsere Verfassung gebietet eine Gleichbehandlung der Religionen im öffentlichen Raum, also auch in den Schulen», sagte Rau und wandte ein: «Damit wird ja nicht unser christliches Erbe in Frage gestellt.» Ob Deutschland weiterhin ein christlich geprägtes Land bleibe, hänge nicht davon ab, wie viele Menschen in Schulen welche Bekleidung trügen.

Rau sagte, es sei notwendig, dass Angehörige verschiedener Kulturen in Deutschland miteinander ins Gespräch kämen. Grundlage des Austauschs solle und müsse das Grundgesetz sein, forderte der Bundespräsident. Eine Grenze dieses Dialogs sei nur dann erreicht, wenn Fundamentalisten Gespräche verweigerten, ganz gleich ob diese muslimischen, christlichen oder jüdischen Glaubens seien.

«Wer zu uns kommt, darf seine kulturelle Tradition, seinen persönlichen Glauben mitbringen, aber er darf nicht die Frauen herabwürdigen, die Meinungsfreiheit in Frage stellen», sagte das Staatsoberhaupt. Es gebe Grundrechte, die für alle gelten müssten, «und die müssen auch alle respektieren».

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