Bundespräsident Horst Köhler will heute Grundsätzliches sagen
Horst Köhler - Der nahbare Fremde

Viele Bürger denken Kanzler, wenn sie Köhler hören. Erst ein paar Monate im Amt, schießt der neue Präsident im Ansehen wie ein Düsenjet in luftige Höhen. Kein Wunder, dass Gerhard Schröder intuitiv fürchtet, Köhler könnte zum Rivalen erwachsen.

BERLIN. Der Airbus 310 „Bundesrepublik Deutschland“ schießt in die Wolkenschicht, Zeit für Flugkapitän Graf, seine prominenten Passagiere auf den Landeanflug hinzuweisen: „Lieber Herr Bundeskanzler, liebe Abgeordnete ...“ Der Oberstleutnant ist da unversehens in den Blindflug geraten: Nicht der Bundeskanzler ist an Bord, sondern Horst Köhler, der Bundespräsident auf Staatsvisite in Israel. Doch mit seinem Versprecher steht der Pilot nicht alleine da. Viele Bürger denken Kanzler, wenn sie Köhler hören.

Erst ein paar Monate im Amt, schießt der neue Präsident im Ansehen wie ein Düsenjet in luftige Höhen. Bundeskanzler! Kaum je zuvor hat sich eine verdrossene, nach tatkräftiger Führung lechzende Öffentlichkeit so schnell die Zweckentfremdung des höchsten Repräsentanten zum Ziel gesetzt: Wo immer es brennt, Horst Köhler soll’s richten. Und Kanzler spielen.

Eingreifen soll er, Schröder Mores lehren soll er, die Nebenjobs der Parlamentarier abschaffen. Den Unternehmern soll er Maß und Anstand beibringen, gleichzeitig die Verschuldung abbauen und Arbeitsplätze schaffen. Natürlich soll er auch das Föderalismusproblem mit präsidialem Handkantenschlag lösen. Und: Eine „Brandrede gegen die Arbeitslosigkeit“ soll er heute beim Arbeitgeberforum auch noch halten. Und selbstverständlich soll das – einen Tag vor dem Jobgipfel von Schröder und Merkel – die Grundsatzrede, das reformpolitische Manna sein, auf das die ganze Republik seit seiner Wahl im Mai vergangenen Jahres sehnsüchtig wartet. Der Bundespräsident als Erlöser.

In einer Zeit, die die meisten Bürger als politische und wirtschaftliche Talfahrt, bestenfalls als lähmenden Stillstand der Reformpolitik erleben, richten sich die Hoffnungen auf einen Mann, der dem eingefahrenen Politkarussell eine neue Richtung geben soll. Köhler, der Advokat der von der Rot-Grün-Koalition Entrechteten: „Nebentätigkeiten, Diätenreform – nichts passiert: Schreiben Sie an den Bundespräsidenten“, fordert die „Bild-Zeitung“ ihre Leser auf. Sie hätte auch titeln können: Köhler, zeig’s dem Schröder!

Seite 1:

Horst Köhler - Der nahbare Fremde

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%