Bundespräsident in Lateinamerika Wulff bläst Thyssen-Krupp-Besuch wegen Stellenabbau ab

Bundespräsident Wulff bricht seine Lateinamerika-Reise vorzeitig ab. Grund ist ein von Thyssen Krupp geplanter Konzernumbau, bei dem rund 35.000 Angestellte entlassen werden sollen – und von dem Wulff nichts wusste.
Update: 07.05.2011 - 17:41 Uhr 11 Kommentare
Bundespräsident Christian Wulff im Deutschen Wissenschafts- und Innovationshaus in Sao Paulo. Quelle: dapd

Bundespräsident Christian Wulff im Deutschen Wissenschafts- und Innovationshaus in Sao Paulo.

(Foto: dapd)

São Paulo/EssenBundespräsident Christian Wulff hat einen für Samstag geplanten Besuch des neuen Thyssen-Krupp-Stahlwerks in Rio de Janeiro abgesagt. Er begründete dies am Freitagabend (Ortszeit) in São Paulo mit den „angekündigten kurzfristigen umfangreichen Umstrukturierungen im Thyssen-Krupp-Konzern mit noch nicht absehbaren Auswirkungen“. Auch Thyssen Krupps neuer Konzernchef Heinrich Hiesinger war zum Besuch des Staatsoberhauptes in Rio erwartet worden.  

Wulff sagte die letzte Station seiner rund einwöchigen Lateinamerika-Reise auch deshalb ab, weil er von Thyssen-Krupp nicht vorab über die einschneidenden Maßnahmen informiert worden war. Deutschlands größter Stahlkonzern will sich durch den Umbau von fast einem Viertel seines Umsatzes und rund 35.000 seiner weltweit 177.000 Mitarbeiter trennen. Dies wäre auch unweigerlich zum Thema geworden bei Wulffs Besuch in dem Stahlwerk, das mit deutlich über fünf Milliarden Euro die größte Investition in der Konzerngeschichte von Thyssen-Krupp ist.  

Das Werk geriet seit seiner Eröffnung im Sommer 2010 wegen zweier Umweltverstöße in die Schlagzeilen und wurde mit Millionen-Strafen belegt. Zudem waren die Investitionskosten während des Baus völlig aus dem Ruder gelaufen. Der Besuch Wulffs sollte helfen, die Mega-Investition zum Erfolg zu führen. In dem Thyssen-Krupp-Werk bei Rio sollen jährlich 5 Millionen Tonnen Stahl fürs Exportgeschäft produziert werden.  

Bei Thyssen-Krupp wurde Wullfs Absage zurückhaltend kommentiert. „Wir bedauern das“, sagte ein Konzernsprecher in Essen. Der geplante Besuch des neuen Konzernchefs Heinrich Hiesinger in dem neuen Stahlwerk in Rio de Janeiro werde trotzdem wie geplant stattfinden. Weiter wollte sich der Sprecher nicht äußern.

Der Betriebsrat des Konzerns äußerte sich positiv über die Absage Wulffs. Der Vorsitzende der Arbeitnehmervertretung bei Thyssen, Thomas Schlenz, sagte am Samstag, zwar sei er von dem Schritt „etwas überrascht“ gewesen, „weil es sich ja nicht um Personalabbau handelt, sondern um Verkäufe und Umstrukturierung“. Doch finde er „gut, dass Politik sich Sorgen macht um unsere Arbeitsplätze“. Schlenz fügte hinzu: „Das soll auch ein Ansporn sein für ThyssenKrupp in den laufenden Gesprächen mit den Arbeitnehmer-Vertretern, ein Sicherheitspaket mit uns zu vereinbaren.“ Bei Verkäufen forderte Schlenz Arbeitsplatz-Sicherheit.

Rio wäre die letzte Station der Lateinamerika-Reise des Bundespräsidenten gewesen. Nun fliegen Wulff und seine Frau Bettina voraussichtlich am Samstagabend nach Deutschland zurück - per Linienflug. Das Präsidentenflugzeug muss wegen einer Panne auf dem Boden bleiben. In dem betagten Airbus A310 war ein Kühlaggregat ausgefallen, das ausgetauscht werden muss.

Vor der Station in Brasilien hatte der Bundespräsident Mexiko und Costa Rica besucht. In Brasilía vereinbarte er mit Präsidentin Dilma Rousseff eine engere Zusammenarbeit in Energiefragen. Die brasilianische Staatschefin lud zudem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem Besuch nach Brasilien ein.

  • dpa
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11 Kommentare zu "Bundespräsident in Lateinamerika: Wulff bläst Thyssen-Krupp-Besuch wegen Stellenabbau ab"

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  • Wie bereits zu Recht erwähnt, hätte sich Herr Wulff bei Interesse im Vorfeld der Reise schlau machen können ...
    Seit wann aber gehört es zu den Aufgaben eines BP sich in unternehmerische Entscheidungen einzumischen??

  • Wulffs Förderin redet ja auch nicht mehr mit den Bankern und den "Atombossen", weil sie beleidigt ist. Schliesslich reichen Schnellaussteiger Röttgen und Büroleiterin Baumann als adäquate Gesprächspartner völlig aus.

    Weshalb soll das bei Liebling Wulff anders sein?

  • Dummer, dümmer am Dümmsten der BP von Merkels Gnaden,
    Gerade da muß er hingehen!
    Zum Nordlicht kommt das Merkle Licht

  • Thyssenkrupp in Rio produziert Rohstahl fuer die Stahlwelt und wird wohl vorerst behalten werden, kein Edelstahl-rostfrei!
    Rostfrei ist eine andere Sparte! Durch ueberhoehte Preise und unverschaemte Legierungszuschlaege haben Firmen wie ThyssenKrupp bei anderen kleineren Herstellern Begierlichkeiten geweckt und zu intensivem Wettbewerb beigetragen..... die Kalkualtionen wurden immer stets mit sehr optimistichen Annahmen gemacht und dann kam das ernuechternde Ergebnis, und niemand wollte die unabgenehmen Ergebnisse dann verantworten wollen....
    Die Inder betreiben in DUISBURG in Deutschland Stahlwerke mit deutschen Arbeitern zu Deutschen Loehnen sehr profitabel, wozu die Verbeamteten Thyssen-Krupp "Damager' nichtfaehig waren!!!
    Thyssenkrupp hat gerade das groesste Edelstahl-Rostfrei Werk in USA Alabama angefeuert.... tolle moderne Anlage, die mit Kusshand - wahrscheinlichvon GERDAU STEEL - Brasilia uebernommen wird...
    Das Problem bei diesen Buden ist: kritische Mitarbeiter und technische Fachleute haben das Maul zu halten, der Ober-Damager ist der Mr. Know-It-All und duldet keine Kritik! BASTA!

  • In der Vergangenheit war es gute Deutsche Tradition das sich die Kaufleute (Unternehmen) sich in Auslandskontoren (Interessenverbände) zusammenschlossen damit diese in den Exportmärkten mit einer Stimme sprachen und damit hatten sie eine stärkere Handelsposition.

    Die Politik unterstützte die Handelstreibenden Kaufleute (Unternehmen) mit ihren vielfältigen Möglichkeiten.

    Wulff ist leider anders!


    Im Inland bekämpften sich die (Wettbewerb)Unternehmen und die Politik hat im Inland nicht nur den Wirtschaftlichen Aspekt im Blick.

    Das muß man aber nicht im Ausland austragen!

  • Wulff ist ein Angehöriger des Analphabetenstammes. Dieser Stamm zeichnet sich durch ein Unverständnis der Printmedien aus. Die Aversion gegen das geschriebene Wort führt zu einen Informationsdefizit in allen Lebenslagen und damit einhergehend den Verlust eines Problembewusstseins.

    Wulff hätte sich vor dem Besuch informieren können. Es ist nicht alles Gold in Brasilien und der Besuch der Slums kann doch sehr erhellend sein. Es hat wenig Sinn über eine Energiewende und Ökologie zu faseln wenn im Amazonas der Raubbau weiter voranschreitet und die Auswirkungen global spürbar sind.

    Ebenso hätte ein Anruf bei Thyssen-Krupp das „Informationsdefizit“ verringert. Wulff hätte eine „Win Win Situation“ gehabt. Eine erfolgreiche „Deutsche Firma“ im Ausland mit Augenmaß im Inland und ein Bundespräsident der die Leistungen honoriert und auf das Inland hinweist. (Optimistische Sichtweise)

    Wulff hat jetzt wieder bewiesen daß ihm der Nutzen des Landes egal ist und Brasilien weiß jetzt sehr genau das Thyssen-Krupp und die anderen Firmen aus Deutschland in Stich gelassen werden.

    Wir brauchen uns nicht wundern wenn demnächst wieder eine „Deutsche Firma“ in Griechenland, Brasilien etc. verklagt wird und die „Strafsummen“ ein wenig erhöht wird.

    Das Signal war deutlich von Wulff!

  • Tut mir leid, aber der Bundesgrüssaugust hat noch ein viel grösseres Talent, von einem Fettnäpfchen ins andere zu stampfen, als einst Kohl. Wulff schafft es, die C*DU abzuschaffen. Gratulation!

  • Kein Stil, kein Format... Provinz eben. Soll er doch Herrn Maschmeyer schicken, der kann das auch, was Wulff kann und ist dazu noch eine Ecke gerissener und schlauer.

  • Wulff muß nicht alles wissen. Wozu auch. Er sollte sich auf small talk beschränken, Hände schütteln und seinen Diener machen. Das reicht vollständig und schadet nicht weiter.
    Ansonsten, die beleidigte Leberwurst passt ausgezeichnet zu diesem Herren.

  • Thyssen-Krupp , eine Perle in der deutschen Industrielandschaft investiert 5 Milliarden Euro in ein neues Werk und Herr Wullf hat Probleme einen Werksbesuch durchzuführen.Herr Wulff hatte und hat wohl auch zukünftig keine Bedenken in der Villa von Herrn Maschmeyer zu logieren.Glückwusch Herr Bundespräsident solche Politiker braucht das Land!

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