Bundespräsident in Lateinamerika
Wulff bläst Thyssen-Krupp-Besuch wegen Stellenabbau ab

Bundespräsident Wulff bricht seine Lateinamerika-Reise vorzeitig ab. Grund ist ein von Thyssen Krupp geplanter Konzernumbau, bei dem rund 35.000 Angestellte entlassen werden sollen – und von dem Wulff nichts wusste.
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São Paulo/EssenBundespräsident Christian Wulff hat einen für Samstag geplanten Besuch des neuen Thyssen-Krupp-Stahlwerks in Rio de Janeiro abgesagt. Er begründete dies am Freitagabend (Ortszeit) in São Paulo mit den „angekündigten kurzfristigen umfangreichen Umstrukturierungen im Thyssen-Krupp-Konzern mit noch nicht absehbaren Auswirkungen“. Auch Thyssen Krupps neuer Konzernchef Heinrich Hiesinger war zum Besuch des Staatsoberhauptes in Rio erwartet worden.  

Wulff sagte die letzte Station seiner rund einwöchigen Lateinamerika-Reise auch deshalb ab, weil er von Thyssen-Krupp nicht vorab über die einschneidenden Maßnahmen informiert worden war. Deutschlands größter Stahlkonzern will sich durch den Umbau von fast einem Viertel seines Umsatzes und rund 35.000 seiner weltweit 177.000 Mitarbeiter trennen. Dies wäre auch unweigerlich zum Thema geworden bei Wulffs Besuch in dem Stahlwerk, das mit deutlich über fünf Milliarden Euro die größte Investition in der Konzerngeschichte von Thyssen-Krupp ist.  

Das Werk geriet seit seiner Eröffnung im Sommer 2010 wegen zweier Umweltverstöße in die Schlagzeilen und wurde mit Millionen-Strafen belegt. Zudem waren die Investitionskosten während des Baus völlig aus dem Ruder gelaufen. Der Besuch Wulffs sollte helfen, die Mega-Investition zum Erfolg zu führen. In dem Thyssen-Krupp-Werk bei Rio sollen jährlich 5 Millionen Tonnen Stahl fürs Exportgeschäft produziert werden.  

Bei Thyssen-Krupp wurde Wullfs Absage zurückhaltend kommentiert. „Wir bedauern das“, sagte ein Konzernsprecher in Essen. Der geplante Besuch des neuen Konzernchefs Heinrich Hiesinger in dem neuen Stahlwerk in Rio de Janeiro werde trotzdem wie geplant stattfinden. Weiter wollte sich der Sprecher nicht äußern.

Der Betriebsrat des Konzerns äußerte sich positiv über die Absage Wulffs. Der Vorsitzende der Arbeitnehmervertretung bei Thyssen, Thomas Schlenz, sagte am Samstag, zwar sei er von dem Schritt „etwas überrascht“ gewesen, „weil es sich ja nicht um Personalabbau handelt, sondern um Verkäufe und Umstrukturierung“. Doch finde er „gut, dass Politik sich Sorgen macht um unsere Arbeitsplätze“. Schlenz fügte hinzu: „Das soll auch ein Ansporn sein für ThyssenKrupp in den laufenden Gesprächen mit den Arbeitnehmer-Vertretern, ein Sicherheitspaket mit uns zu vereinbaren.“ Bei Verkäufen forderte Schlenz Arbeitsplatz-Sicherheit.

Rio wäre die letzte Station der Lateinamerika-Reise des Bundespräsidenten gewesen. Nun fliegen Wulff und seine Frau Bettina voraussichtlich am Samstagabend nach Deutschland zurück - per Linienflug. Das Präsidentenflugzeug muss wegen einer Panne auf dem Boden bleiben. In dem betagten Airbus A310 war ein Kühlaggregat ausgefallen, das ausgetauscht werden muss.

Vor der Station in Brasilien hatte der Bundespräsident Mexiko und Costa Rica besucht. In Brasilía vereinbarte er mit Präsidentin Dilma Rousseff eine engere Zusammenarbeit in Energiefragen. Die brasilianische Staatschefin lud zudem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem Besuch nach Brasilien ein.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bundespräsident in Lateinamerika: Wulff bläst Thyssen-Krupp-Besuch wegen Stellenabbau ab"

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  • Wie bereits zu Recht erwähnt, hätte sich Herr Wulff bei Interesse im Vorfeld der Reise schlau machen können ...
    Seit wann aber gehört es zu den Aufgaben eines BP sich in unternehmerische Entscheidungen einzumischen??

  • Wulffs Förderin redet ja auch nicht mehr mit den Bankern und den "Atombossen", weil sie beleidigt ist. Schliesslich reichen Schnellaussteiger Röttgen und Büroleiterin Baumann als adäquate Gesprächspartner völlig aus.

    Weshalb soll das bei Liebling Wulff anders sein?

  • Dummer, dümmer am Dümmsten der BP von Merkels Gnaden,
    Gerade da muß er hingehen!
    Zum Nordlicht kommt das Merkle Licht

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