Bundespräsident Johannes Rau
Chronologie - Stationen seiner Amtszeit

In strittigen Fragen konnte Bundespräsident Johannes Rau Akzente setzen. Beeinndruckend war seine Rede vor dem israelischen Parlament, der Knesset. Eine Chronologie:

23. Mai 1999: Die Bundesversammlung in Berlin wählt den 69- jährigen Rau im zweiten Wahlgang zum neuen Bundespräsidenten. Vor dem Plenum verspricht er, „Präsident aller Deutschen“ und Ansprechpartner für alle zu sein, „die ohne einen deutschen Pass bei uns leben und arbeiten“. 1994 hatte er die Wahl noch gegen seinen Vorgänger Roman Herzog (CDU) verloren.

1. Juli 1999: Rau löst Herzog im Amt ab. Er ist damit das achte deutsche Staatsoberhaupt und zweiter Sozialdemokrat in diesem Amt. Dezember 1999/Januar 2000: Kurz nach Bekanntwerden der CDU- Spendenaffäre gerät auch der ehemalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident Rau wegen früherer Flüge auf Kosten der Westdeutschen Landesbank (WestLB) in die Kritik. Rufe nach seinem Rücktritt als Bundespräsident werden laut.

16. Februar 2000: In einer historischen Rede vor dem israelischen Parlament in Jerusalem bittet Rau in deutscher Sprache um Vergebung für die Verbrechen des Holocaust. Er ist der erste deutsche Präsident, der vor der Knesset spricht.

4. April 2000: Rau gedenkt im griechischen Bergdorf Kalavryta hunderter Opfer eines Massakers durch deutsche Besatzungssoldaten im Jahr 1943.

12. Mai 2000: In seiner ersten Berliner Rede „Ohne Angst und Träumereien - Gemeinsam in Deutschland leben“ äußert sich Rau grundsätzlich über das Zusammenleben von Deutschen und Ausländern. Er tritt für die Integration ein und fordert klare Einwanderungsregeln.

23. Juli 2000: Eine Operation an der Bauchschlagader zwingt den gesundheitlich schon länger angeschlagenen Rau zum Pausieren.

27. Dezember 2000: In einem ungewöhnlichen Brief an 1000 mittelständische Unternehmen appelliert Rau, sich endlich an der Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern zu beteiligen.

18. Mai 2001: Rau schaltet sich in seiner zweiten Berliner Rede in die Debatte über die Gentechnik ein und erntet damit Anerkennung. Im Widerspruch zu Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), der eine Diskussion „ohne Scheuklappen“ fordert, warnt Rau vor unkritischem Fortschrittsglauben.

1. Februar 2002: Rau begnadigt die gesundheitlich angeschlagene frühere RAF-Terroristin Adelheid Schulz. Sie war wegen ihrer Beteiligung an der Entführung und Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer 1977 zu mehrfacher lebenslanger Haft verurteilt worden.

17. April 2002: Im Zuge eines Staatsbesuches in Italien besucht Rau mit Italiens Präsident Carlo Ciampi den Ort Marzabotto bei Bologna. Die Waffen-SS hatte dort 1944 mehr als 700 Menschen getötet. Er sei von „Trauer und Scham“ ergriffen, sagt Rau: „Ich verneige mich vor den Toten.“

13. Mai 2002: Die Globalisierung ist Thema der dritten Berliner Rede Raus. Das Staatsoberhaupt warnt in der vielbeachteten Ansprache vor negativen Folgen der grenzenlosen Freiheit des globalen Marktes und fordert die politische Gestaltung und Ordnung des Marktes.

20. Juni 2002: Rau unterzeichnet das umstrittene Zuwanderungsgesetz, dessen Verabschiedung im Bundesrat nach uneinheitlicher Abstimmung Brandenburgs für einen Eklat gesorgt hatte. Er rügt aber alle Beteiligten und verweist die Prüfung des Gesetzes an das Bundesverfassungsgerichts.

19. Mai 2003: Mehrere Wochen nach Ende des Irak-Krieges widmet Rau seine vierte Berliner Rede der Außenpolitik. Er warnt davor, sich an die Lösung von Konflikten mit militärischen Mitteln zu gewöhnen. Die Rede löst nur ein geringes Echo aus.

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