Bundespräsident unter Druck: CDU-Außenexperte verteidigt Wulff

Bundespräsident unter Druck
CDU-Außenexperte verteidigt Wulff

Offiziell will sich kein Koalitions-Spitzenpolitiker zur Affäre Wulff äußern. Doch auf Facebook wagt sich der Erste aus der Deckung – und ergreift in ungewöhnlich deutlichem Ton Partei für den Bundespräsidenten.
  • 3

BerlinFür Bundespräsident Christian Wulff wird die Luft dünn. In der Kreditaffäre sieht er sich mit neuen Vorwürfen konfrontiert. Politiker von SPD, Grünen und FDP verschärften daraufhin ihre Attacken auf das Staatsoberhaupt – sogar von Rücktritt war die Rede. Nur in den eigenen Reihen blieb es ruhig. Kein Koalitionspolitiker wagte es, für den schwer angeschlagenen CDU-Mann Wulff Partei zu ergreifen. Bis jetzt.

Auf seiner Facebook-Pinnwand ging der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), in die Offensive. „Bis heute sehe ich nicht, dass Wulff als Ministerpräsident gegen konkrete Rechtsvorschriften verstoßen hätte“, schreibt Polenz. „Was ich sehe sind Ungeschicklichkeiten und Fehler im Umgang mit diesem ungeheuren Mediendruck.“ Er hoffe aber dennoch, „dass es Christian Wulff gelingt, diese Krise zu überstehen“.

Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung bestätigt, dass Wulff im Dezember persönlich versucht hat, die ersten Berichte in der Affäre um einen Privatkredit an ihn zu verhindern. In einer Nachricht auf der Mailbox von Chefredakteur Kai Diekmann habe er mit strafrechtlichen Konsequenzen für den verantwortlichen Redakteur gedroht. Auch bei Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner habe Wulff vergeblich interveniert. Zudem soll er in dieser Sache auch Kontakt mit der Springer-Mehrheitsaktionärin Friede Springer aufgenommen haben. Entsprechend äußerte sich "Cicero"-Chefredakteur Michael Naumann in der Online-Ausgabe des Magazins.

Journalistenverbände kritisierten das Verhalten Wulffs als bedenklich. Der Bundespräsident selbst äußerte sich nicht zu dem Vorgang. Er ließ lediglich erklären, er gebe grundsätzlich keine Auskunft über Vieraugengespräche und Telefonate. Die Presse- und Rundfunkfreiheit sei für ihn aber ein hohes Gut.

Seite 1:

CDU-Außenexperte verteidigt Wulff

Seite 2:

Die Bundesregierung schweigt

Kommentare zu " Bundespräsident unter Druck: CDU-Außenexperte verteidigt Wulff "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Könnte es wirklich sein, dass der einzige herausragende Höhepunkt in der Amtszeit des derzeitigen Bundespräsidenten der zurückliegende Staatsbesuch des Souveräns des Vatikanstaates, Benedikt XVI., war...?

  • Bis heute sehe ich nicht, dass Wulff als Ministerpräsident gegen konkrete Rechtsvorschriften verstoßen hätte.
    Eine Frage sei gestattet:
    "Wann haben Sie denn die letzten Nachrichten gehört?"

  • Das Herr Wulff versucht etwas zu verhindern, zeigt, dass er sich der Tragweite des Berichtes bewußt war.D.h. er steht nicht zudem was er tut und versucht etwas zu vertuschen.Das ist für mich kein Vorbild!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%