Bundespräsidenten-Deal: Sarrazin lässt sich Bundesbank-Abschied vergolden

Bundespräsidenten-Deal
Sarrazin lässt sich Bundesbank-Abschied vergolden

Der zurückgetrene Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin lässt sich seinen Rückzug aus der Spitze der Notenbank nach einem Magazinbericht gut bezahlen. Demnach bezieht Sarrazin nach seinem Ausscheiden eine Pension, die ihm erst am Ende der regulären Laufzeit seines Vertrags im Jahr 2014 zugestanden hätte.
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HB/dne BERLIN/DÜSSELDORF. Nach Informationen der Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" hat Sarrazin in Verhandlungen mit dem Bundespräsidialamt eine um 1000 Euro monatlich höhere Pension durchgesetzt. Dem Bericht zufolge schaltete sich das Präsidialamt aktiv als Vermittler in den Konflikt zwischen Sarrazin und der Bundesbank ein, die bei Bundespräsident Christian Wulff seine Entlassung beantragt hatte. Dadurch sei doch noch eine gütliche Einigung zustande gekommen.

"Er kassiert nun 1000 Euro mehr im Monat", zitiert das Magazin einen mit den Verhandlungen vertrauten Bundesbanker. Die Notenbank habe Sarrazin zunächst angeboten, für seine 17 Monate im Amt eine Pension ohne Abzug zu zahlen, wenn er sich freiwillig zurückziehe.

Nun bekomme er eine Pension, wie sie ihm am Ende der regulären Laufzeit seines Vertrags im Jahr 2014 zugestanden hätte. "Der ist vom Stamme Nimm", wurde eine Führungskraft der Bundesbank zitiert.

Eine Abfindung soll Sarrazin für sein Ausscheiden zum 30. September nicht bekommen. Nach einem "Focus"-Bericht ist der SPD - Politiker mit 65 Jahren aber voll pensionsberechtigt und erhält ab Oktober eine monatliche Altersversorgung von rund 10 000 Euro. Diese decke auch seine früher erworbenen Ansprüche als Berliner Finanzsenator, Staatssekretär in Rheinland-Pfalz und Beamter im Bundesfinanzministerium ab.

Laut "Focus" ist der Rückzug Sarrazins aus der Spitze der Notenbank wesentlich auf die Vermittlung aus Schloss Bellevue zurückzuführen. So habe der Staatssekretär im Bundespräsidialamt, Lothar Hagebölling, das entscheidende Gespräch mit Sarrazin geführt, das den umstrittenen Buchautor schließlich zum Amtsverzicht bewogen habe.

Bundespräsident Wulff hatte höchstes Interesse daran, den Konflikt diskret beizulegen, da er andernfalls über den Entlassungsantrag der Bundesbank hätte entscheiden müssen. Nach der Rücktrittsankündigung zog die Notenbank den Antrag zurück.

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Kommentare zu " Bundespräsidenten-Deal: Sarrazin lässt sich Bundesbank-Abschied vergolden"

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  • ich kann MiKE nur zustimmen und mich seinem Appell an das Handelsblatt vollinhaltlich anschliessen. Die - mit der politischen Klasse und ihren bemühungen, die Diskussion um die Sarrazin-Thesen abzuwürgen - konforme Haltung weiter Teile der Presselandschaft macht vielen bürgern Angst vor der freiwilligen Aufgabe der Pressefreiheit, um nur nicht in die Schusslinie der herrschenden Kreise zu kommen. Und das sind nicht nur Politiker !

  • Dieser "Deal" ist doch wirklich nicht schlecht. Er bekommt 12.000 € pro Jahr mehr und wenn er 85 werden sollte - was ich ihm sehr wünsche - dann hat das 240.000 € gekostet. Wenn man seinen Posten bei der bundesbank streicht - und mit den Versorgungsposten für abgehalfterte Politiker sollte wirklich ein Ende sein - dann hat man seine Mehrpension in weniger als einem Jahr wieder zurück und das ist dann kein schlechter Deal, oder nicht?

  • Was heißt vergolden? Das ist wieder diese einseitige Sichtweise. Wenn er mit fadenscheinigen Argumenten gegangen worden wäre, hätte er sein Gehalt bis 2014 weiterbekommen und wahrscheinlich noch eine Abfindung, weil die Argumenten nicht rechtssicher wahren. Er hat verzichtet nicht dazugewonnen.

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