Bundesprognose
Doppelt so viele Asylbewerber wie 2014

400.000 Flüchtlinge werden in diesem Jahr voraussichtlich in Deutschland um Asyl bitten. Das teilt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit. Mehrere Länder fordern deshalb mehr Unterstützung vom Bund.
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BerlinDer Bund rechnet in diesem Jahr mit mehr als doppelt so vielen Asylbewerbern wie 2014. Es sei von 400.000 Erstanträgen sowie 50.000 Folgeanträgen auszugehen, schreibt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in einer Mitteilung an die Länder.

Schon bei den 202.000 Asylanträgen vergangenes Jahr handelte es sich um die vierthöchste Zahl seit Bestehen der Bundesrepublik.

Das BAMF war noch im Februar von 300.000 Asylbewerbern 2015 ausgegangen. Die Bundesländer, die teils mit 500.000 Anträgen rechnen, hatten dies als zu niedrig kritisiert. Sie fordern eine deutlich stärkere Unterstützung des Bundes bei der Unterbringung der Flüchtlinge. Dies soll Thema am Freitag beim Flüchtlingsgipfel im Kanzleramt sein.

Das Bundesamt begründet die Anpassung der Prognose mit einem unerwartet hohen Zustrom von Asylbewerbern aus Albanien und anderen Westbalkan-Staaten. Zudem würden verstärkt die Mittelmeer-Routen zur Flucht von Menschen etwa aus Eritrea, Somalia, Nigeria oder Syrien genutzt, von denen ein Teil nach Deutschland weitergeleitet wird. Die starke Wirtschaft in Deutschland und die vergleichsweise hohen Sozialleistungen böten einen Anreiz, hierher zu kommen.

Wie das Innenministerium mitteilte, beantragten bis April 114.125 Personen in der Bundesrepublik Asyl. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht dies einer Steigerung um rund 130 Prozent. Die meisten Menschen stammten aus dem Kosovo, Syrien und Serbien - gefolgt von Albanien, Irak und Afghanistan. Allein im April ersuchten 15.675 Flüchtlinge mehr als im Vorjahresmonat (plus 136 Prozent) in Deutschland Asyl.

An dem Gipfel nehmen neben Bundeskanzlerin Angela Merkel, Innenminister Thomas de Maiziere, Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Kanzleramtschef Peter Altmaier Vertreter mehrerer Bundesländer sowie Experten teil. Nach Informationen von „Focus Online“ will de Maiziere bei dem Treffen eine neue Verteilung der Flüchtlinge in Deutschland vorschlagen. Asylbewerber vom Balkan, deren Anträge ohnehin überwiegend abgelehnt würden, sollten aus dem bisherigen Verfahren herausgenommen und nur noch in ausgewählten Aufnahme-Einrichtungen untergebracht werden, hieß es unter Berufung auf mit den Plänen vertraute Personen. In diesen Einrichtungen solle es eine Außenstelle des BAMF geben, zudem solle möglichst ein Verwaltungsgericht in der Nähe sein.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bundesprognose: Doppelt so viele Asylbewerber wie 2014"

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  • Die Situation wird doch schamlos ausgenutzt. Die Flüchtlinge wissen doch nur zu gut, dass die EU sie nicht im Stich lassen wird und ihnen noch entgegenkommt, damit keiner mehr im Mittelmeer umkommt. Was kommt denn als nächstes? Sollen wir vielleicht einen Fährendienst ins Leben rufen und die Flüchtlinge nach "Fahrplan" zu uns holen? Und wer soll die denn aufnehmen? Die Politiker und die Oberschicht in ihren noblen Wohnvierteln oder Villen? Nein, das zerstört das elitäre Umfeld und senkt den Wert der Immobilien. Der Rest der Bevölkerung MUSS sich mit ihnen rumschlagen. Wie ist doch egal. Ob das noch lange gut gehen wird...?

    Unlängst sagte ein Präsident eines Zentralafrikanischen Staates, dass er regelrecht froh sei über die Flüchtlinge die nach Europa fliehen. Denn dann sei er endlich dieses faule, kriminelle Pack welches nicht in die Gesellschaft passe automatisch los und gleichzeitig gebe es mehr Platz und Ruhe für die vernünftigen in seinem Staate. Nun, diese Aussage kann man natürlich unterschiedlich interpretieren, aber ganz unwahr ist sie bestimmt nicht.

    Warum nehmen die USA nicht mehr Flüchtlinge auf? - Green Card.

    Warum nimmt Australien nicht mehr Flüchtlinge auf? - Weil sie unerwünscht sind und jedes sich nähernde Schiff mit einem Warnschuss vertrieben wird.

    Und jetzt die spannendste Frage zum Schluss: Warum unternehmen die Flüchtlinge nicht selber etwas gegen die Missstände in ihrem Land? Von außen darf keine Hilfe in Form von Waffenlieferungen oder Angriffen erfolgen. Es muss aus dem inneren des Volkes herauskommen.

    DAS ist die EINZIGE LÖSUNG des Problems. Die Flucht ist ohne Frage eine Art Verzweiflungstat. Es ist aber die "bequemere" Lösung, wenn man das so formulieren kann. Das muss man den Flüchtlingen in die Köpfe hämmern, dass deren Weg nicht die Lösung des Problems ist. Wir in Deutschland haben weder die finanziellen Mittel noch die Kapazitäten noch die grenzenlose Zustimmung so viele Flüchtlinge aufzunehmen.

  • Der Ausverkauf Deutschlands und Europas geht beschleunigt weiter und wird weiter an "Fahrt" gewinnen, siehe im Mittelmeer wo die im Grunde illegalen "Einwanderer" bereits seit einigen Tagen schon an der nordafrikanischen Küste von europäischen Schiffen in Empfang genommen werden.
    Mehrere Länder fordern deshalb mehr Unterstützung vom Bund......
    Die Forderung an die Länder vom Bund kann und darf nur schneller abschieben und da durch Einsparungen erzielen.

  • Es handelt sich um Flüchtlinge, mehrheitlich keineswegs aber um Asylbewerber.

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